Gastbeitrag: Salongespräche im Schloss

Der erste Gastbeitrag auf NICHTS NEUES kommt von Franz-Josef König zum Thema Salonkultur. Ich habe den Unternehmer, Coach und Zukunftsgestalter durch eine Initiative kennengelernt, die ich Euch demnächst vorstellen werde. Herrn Königs Geschäftsräume befinden sich – wie könnte es anders sein – in einem Schloss.  Dorthin lädt er regelmäßig Gäste zu Salongesprächen ein. Worum es dabei geht und wie er auf diese spezielle Idee gekommen ist, verrät er Euch selbst:

Seit 2008 gibt es den Salon im Schloss Liebieg in Kobern-Gondorf an der Mosel. Ein Impuls während eines Besuches in Weimar war letztendlich ausschlaggebend für die Gründung. Johanna Schopenhauers Salon war Anfang des 19. Jahrhunderts der kulturelle Mittelpunkt Weimars außerhalb des Hofes. Hier kamen Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten zum Gedankenaustausch über aktuelle Themen zusammen. Diesen Gedanken wollte ich in die heutige Zeit übernehmen und ein besonderes Angebot des informellen Austausches schaffen.

salonnovember2016
Königs Gästebuch.

Heute finden im Salon Gespräche zu aktuellen Themen aus Gesellschaft und Wirtschaft statt. Hier treffen Menschen zu intensiven Gesprächen zusammen, die sich teilweise vorher noch nicht begegnet sind. In einer Gesprächskultur, die von Wertschätzung, Offenheit und Vertrauen geprägt ist, entstehen neue Gedanken, verändern sich Meinungen und formen sich Argumente, die an kaum einem anderen Ort wie diesem entstehen können.

Fokus – durch eigene Augen schauen, aber auch die Perspektive wechseln, Wichtiges neu entdecken!

Kommentar einer Teilnehmerin im Gästebuch

So auch wieder in dieser Woche. „Selbstbestimmung – Tun wir noch, was uns wichtig ist?“ So lautete das Thema des gut besuchten Salongespräches. Wir leben teilweise in einem Umfeld, das von Fremdbestimmung geprägt ist. Entscheidungen treffen wir nicht wirklich frei, oft werden sie uns abverlangt oder wir registrieren nicht mehr, dass wir etwas tun, was wir eigentlich gar nicht tun wollen. So belasten wir unsere Umwelt, konsumieren zu Lasten anderer und schaden uns selbst und unserer Gesundheit mit Verhaltensweisen, die wir bei genauerem Hinsehen eher ablehnen.

Selbst bestimmt leben, das wurde uns im Gespräch klar, setzt voraus, dass ich mein Selbst bestimmen kann, das ich meiner selbst bewusst bin und dem Sinn meines Lebens auf der Spur bin. „Warum bin ich hier?“, so lautete dann auch eine der Fragen, die immer wieder gestellt wurden. Auf die innere Stimme hören und der Intuition folgen führt zur Selbstbestimmung und damit auf einen Weg, der sicherlich kein Ende hat.

Das Gespräch endete wieder mit einer Gong-Meditation, in der die Teilnehmenden ihre Gedanken ausklingen lassen konnten. Im nächsten Gespräch im Januar geht es um „Das neue Arbeiten – Gewinner und Verlierer von Arbeiten 4.0″.

Vielen Dank an Franz-Josef König für die schöne Einführung ins Thema, mit dem ich mich künftig intensiver befassen werde: Salonkultur. Auch möchte ich hier öfter Gastblogger willkommen heißen.🙂

Warum sind wir so kalt zueinander?

Beobachtungen, die mich nicht mehr loslassen. Bilder und Gespräche, die mir immer wieder in den Sinn kommen, weil sie mich wütend oder traurig machen. Meist beides zugleich. Herbe Enttäuschung. Wie herzlos können wir Menschen bloß sein? Zu Fremden und zu unseren Lieben. Manchmal fürchte ich, an dem, was ich sehe und erlebe, zu zerbrechen. An Mitmenschen und mir selbst zu verzweifeln.

kind-spielt-allein-im-kalten-rohr

Bevor ich mich in Gedanken verliere, die allzu abstrakt erscheinen, möchte ich Euch konkrete Beispiele nennen. Etwas aus dem Sommer und dann das Aktuellste.

Als Mutter

Fröhliche, laute Kinder, verliebte Paare, sportliche Senioren – Menschen diverser Lebensphasen begegneten mir im Sommer auf dem Festungsplateau in Koblenz. Dort kann man seine Runde laufen, Badminton oder andere Spiele spielen, die Kids auf dem großen Spielplatz toben lassen oder einfach entspannen. Als ich an einem der herrlichen Sommertage dort war, fiel mir Romantik ins Auge. An einem der Büsche saß ein Liebespaar auf der Picknickdecke, der Mann mit einer Gitarre im Arm und einem kleinen Mädchen zulächelnd, das gerade auf sie zukam. Mir wurde warm ums Herz. Was für ein schönes Bild einer liebevollen Familie! Doch dieses Kunstwerk zerplatzte wie ein Luftballon, dessen Knall einen aufschrecken lässt. Denn als das Mädchen an der Picknickdecke ankam, winkte es die Mutter weg. Das Kind ging nicht, sondern blieb stehen und sah zum Mann mit Gitarre. Darauf die Mutter streng und laut: „Los jetzt! Lass uns allein! Geh spielen!“ Das Mädchen ließ den Kopf hängen und zögerte. Der Mann tat, als sähe er nur seine Gitarre und bekäme nichts mit. Die Mutter brüllte: „Na los! Geh weg!“ Das Kind drehte sich um und ging Richtung Schaukeln. Der Anblick brach mir das Herz.

Ein Weilchen später, saß ich mit meiner Familie auf einer Bank – jeder mit Eisbällchen in der Waffel. Als eine Familie mit vier Kindern an uns vorbeiging, wärmte sich wieder mein Herz, weil das ein derart süßer Anblick war. Das älteste Kind ging vorne, daneben der Vater mit einem kleineren Geschwisterchen huckepack, dahinter das Zweitjüngste und hinter diesem die Mutter samt Buggy, in dem das kleinste Familienmitglied saß. Ein lebendiges Bild, das mit der Sonne im Hintergrund hätte fröhlich sein müssen. Könnte ich malen, wäre es ein warmes und beschwingtes Gemälde geworden. Doch auch hier zerplatzte die Illusion, als die Mutter plötzlich mit Nachdruck den Buggy gegen die Fersen ihres Zweitjüngsten Kindes schob und dabei „Jetzt mach schon! Geh schneller!“ blaffte. Ich weiß, wir alle machen unseren Kindern manchmal Druck und verlangen, dass sie sich beeilen – zumindest habe ich das schon öfter getan, aber nicht so! Während der Rest der Familie entspannt weiterspazierte, das besagte Kind im Gehen brav sein Eis leckte und sich an das Schritttempo der anderen hielt, schob die Mutter wieder sichtbar bewusst den Buggy gegen seine Fersen und brummte ihm wütend etwas zu.

An diesem Tag fragte ich mich, was mit uns Erwachsenen los ist. Mit uns Müttern und Vätern. Mit mir. Denn auch ich mache Fehler. Nicht solche, wie die genannten, aber andere. Jeder von uns ist mal blöd zu jemand anderem – unfair, genervt oder einfach schlecht gelaunt. Wir sind nur Menschen. Andererseits muss es Grenzen geben. Was passiert in einem Kind, das von seiner Bezugsperson Nr. 1 (Mutter/Vater) derart behandelt wird? Vielleicht nicht nur ausnahmsweise, sondern öfter? Und noch wesentlich schlimmere Dinge erlebt? Denken wir mal nach, wie verletzlich wir Erwachsenen sind.. Wir sind verdammt unfair den Kindern gegenüber. Sie brauchen noch mehr Liebe und Zuwendung als wir. Vielleicht bin ich zu empfindlich, aber die Beobachtungen dieses Sommertages gehen mir nicht aus dem Kopf. Das sind natürlich nur zwei Beispiele von vielen aus dem Alltag, aber an nur einem Tag mehrfach solche Situationen zu sehen …. Es prägt sich ein.

Als Gruppenleiterin

Spätestens seit meine eigenen Kinder zur Schule gehen, bekomme ich mit, wie viel manche Kids schon früh an privatem Ballast zu schleppen haben. Deshalb versuche ich möglichst unvoreingenommen an Kinder, die als „problematisch“ gelten, heranzugehen. Das fällt mir nicht immer leicht, denn ich habe leider schon Grundschüler erlebt, die sowohl hinterhältig und gewalttätig waren als auch tatsächlich große Freude am Leid anderer verspürten. Klingt hart, entspricht aber der Realität. Trotzdem denke ich, dass das nicht die Mehrheit, sondern die Minderheit ist und man Kindern sowohl mit Anspruch, aber auch mit Liebe begegnen und sie ernst nehmen muss.

In der Praxis sieht es so aus, dass sich vor allem die Arbeit mit großen Gruppen schwierig gestaltet, weil es zunehmend Kinder gibt, die nahezu ununterbrochen aufgedreht sind und kaum zwei Minuten zuhören können. Sie schaukeln sich gegenseitig hoch, wollen witzig sein, die Aufmerksamkeit auf sich lenken …. die Autorität herausfordern. Für ihr familiäres und schulisches Umfeld tragen sie den Stempel „schwierig“. Ja, die Arbeit mit ihnen ist anstrengend, aber…. Aber! Diese Kinder sind nicht kaltherzig. Sie sind gut darin, von ihren Gefühlen, ihrer Verletzlichkeit abzulenken, doch die ist da. Gepaart mit Intelligenz und hoher Aufmerksamkeit für Dinge, die vielen anderen Menschen entgehen, steht mir die Aufgedrehtheit dieser Kinder entgegen. In meiner kleinen Gruppe artet das zwar nicht so aus, aber auch da stellen sich für mich Fragen. Wie soll ich mit ihrer Ruhelosigkeit umgehen? Ich bin doch nur ein einfacher Mensch. Keine Pädagogin, keine Psychologin. Was sollte ich also tun, um für mehr Aufnahmebereitschaft zu sorgen? Ich habe spontan gehandelt und den Kindern gesagt, dass ich sie mag. Dabei sah ich jedes einzelne Kind an, nannte es beim Namen und sagte es ihm. Die ganze Gruppe blickte mich mit großen Augen an, manche nickten und lächelten mir zu. „Ja“, sagte ich abschließend, „ich mag euch alle. Ihr seid meine Gruppe, ich bin freiwillig hier und möchte diese Zeit mit euch verbringen.“ Ausgerechnet der Junge, der besonders gerne für Ablenkung sorgt, blickte in Richtung der anderen und entgegnete: „Das verstehe ich nicht. Wir haben uns daneben benommen, und sie mag uns trotzdem?!“ Einige Kinder begannen zu kichern. Darauf er, in einer so erwachsenen Art, wie ich sie ihm nie zugetraut hätte: „Nein, seid mal ruhig. Ich meine es ernst. Wie kann sie uns trotzdem mögen?“ Nun sahen alle wieder mich an. Innerlich gerührt, ergriff ich das Wort. „Ich mag euch auch dann, wenn ihr euch schlecht benehmt. Problematisch ist aber, dass ihr es mir mit eurem Benehmen schwer macht….“ Natürlich waren die Kinder nicht plötzlich super brav (das hätte ich womöglich besorgniserregend gefunden), aber irgendwas scheinen meine Worte bewegt zu haben. Die Kinder wirkten beruhigt, zufrieden – glücklich? Ich weiß es nicht, aber es war gut, ehrlich ausgesprochen zu haben, was ich fühle. Denn ich mag sie wirklich alle. Und ich möchte ihnen etwas auf ihren Lebensweg mitgeben. Meine Güte, hoffentlich wird mir das mindestens Ansatzweise gelingen.

Digitale Welle zu handfesten Problemen: #systemkrank

systemkrankWährend ich das hier schreibe, schüttle ich gedanklich mit dem Kopf. Wie kann eine gute Idee derart verhunzt werden? Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen nicht ernstgenommen fühlen.

Seit Montag schreiben Leute auf Twitter, was sie wütend oder traurig macht, was aus ihrer Sicht schiefläuft in unserem Land – gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch. Der Titel, unter dem diese Kommentare (Tweets) laufen, heißt #systemkrank und wurde von der bekannten Bloggerin Christine Finke alias @mama_arbeitet mehr oder weniger spontan ins Leben gerufen. Wie es dazu kam, hat sie Frau tv erzählt:

Finke schafft es regelmäßig mit passend gebauten Hashtags für mediale Aufmerksamkeit zu sorgen, und genau das ist ihr auch diesmal gelungen. Unfassbar viele Menschen schrieben sich bereits in den ersten Stunden Kummer und Wut von der Seele.

Auch ich habe mitgemacht, da mir das Thema wichtig ist. Im Grunde müsste man von den Themen sprechen, weil unter #systemkrank unterschiedliche Probleme angesprochen werden. Doch daran zeigt sich, dass insgesamt vieles falsch läuft und die Grundstimmung nicht positiv ist.

Was den Tweets entnommen werden kann, sind keine Geheimnisse. Beim Lesen denkt wohl niemand „Echt? Das ist mir neu!“, sondern nickt in Anbetracht der eigenen Erfahrungen oder Beobachtungen. Umso erstaunlicher und ärgerlicher fand ich die Aussage von Hans Vorländer im Interview mit dem NDR. Der Politikwissenschaftler behauptete unter anderem, die Einzelnen, denen es schlecht gehe, würden fälschlicherweise ihre persönlichen Probleme auf die gesamte Gesellschaft übertragen. Ernsthaft? Zum Glück sieht es der NDR genauso wie viele Twitterer*innen und distanziert sich von den Äußerungen des Wissenschaftlers.

 

Da klagen nicht nur Einzelne, da klagt die Gesellschaft.

Von Kinderarmut bis Rente – es gibt viel zu besprechen, viel zum Aufregen oder Weinen. Wer sich trotzdem hinstellt und behauptet, es sei ein Grund zur Sorge, dass die Menschen ihre – ich zitiere Vorländer – „Unbefindlichkeiten“ auf die Gesellschaft übertragen, der hat etwas nicht verstanden.

Die #systemkrank-Tweets werden nicht von einer bestimmten Klientel verfasst, sondern von ganz unterschiedlichen Menschen, aus diversen beruflichen Richtungen und Lebensumständen. Christine Finke wollte vermutlich vor allem Alleinerziehenden eine Stimme geben, doch auch gemeinsam erziehende Eltern sowie Kinderlose nutzen den Hashtag und schreiben von ihrer Sicht der Dinge. Dabei scheint mindestens eins klar zu sein: Sehr viele Menschen sind unzufrieden mit den Entwicklungen in Deutschland (und der Welt?). Das sind alles potenzielle Wähler. Leider scheinen ausgerechnet diejenigen, für die das mal entscheidend werden könnte, die Sachlage zu unterschätzen. Unter den Tweet-Absendern sind kompetente Fachkräfte, ambitionierte Einsteiger und Arbeitskräfte mit Elan. Sollten zukunftsorientierte Unternehmen nicht endlich mal tatsächlich familienfreundlicher werden, statt Worthülsen zu plakatieren? Müssten sie nicht allmählich Frauen und Männer als Menschen begreifen, statt als praktisches oder problematisches Geschlecht? Wann wird all das nicht nur ein Werbeslogan, sondern Realität sein?

Im NDR-Interview heißt es, man könne nicht vom „System“ sprechen. Das sei übertrieben.. Herrje. Ich möchte an dieser Stelle nicht mit Systemtheorie anfangen, denn Fachbegriffe und Definitionen verändern die Erfahrungen und Emotionen der Einzelnen nicht. In den sozialen Netzwerken geht es um Aufmerksamkeit und Reichweite. Twitter bietet die Möglichkeit, auf Missstände aufmerksam zu machen, wenn sich genug Leute beispielsweise an so einer Aktion beteiligen und für eine Welle sorgen. Das wird künftig vermutlich öfter passieren. Politik, Medien, Wirtschaft oder Wissenschaft sollten weder wegschauen noch sich in Diskussionen über den Namen eines Hashtags verlieren, sondern müssen sich die Tweets anschauen und sich mit deren Inhalt auseinandersetzen.

Während ich das hier schreibe, werden neue Tweets zum Thema veröffentlicht. Daher möchte ich mit zwei der aktuellsten Tweets abschließen.

Weitere Artikel zum Thema:

Nacht der Technik in Koblenz

Einmal jährlich veranstaltet die Handwerkskammer Koblenz die grandiose Nacht der Technik. Es ist eine Veranstaltung für Groß und Klein und nicht zuletzt deshalb ein Magnet. Ich habe diesen Samstag zum ersten Mal daran teilgenommen – vor allem für meine Kinder. Wir wollten uns einen besonderen Nachmittag und Abend machen. Dabei durfte ich auch Gespräche mit anderen Familien führen. Wie fanden Kids diese Veranstaltung? Was gefiel ihnen und was den Eltern? Gab es auch negative Kritik?

„Ich fand es richtig cool, weil der Christoph (aus der Sendung mit der Maus) so viele tolle Experimente gemacht und so lustige Sachen gesagt hat. Und super war auch, dass ich dort meine Freundin getroffen habe.“ (Grundschulkind)

tolle-beleuchtungnachtdertechnik-handwerkskammer-koblenz
Tolle Lichteffekte und Live-Musik am Abend!

Technik zum Anfassen und Selbermachen – das ist in meinen Augen das Besondere an diesem Event mit tollem Programm. Die Besucher/innen können sich informieren, neue Technologien bestaunen, „alte“ Methoden wertschätzen, eine Show genießen oder selbst zum Hammer greifen.

holzwurfel
Holzwürfel. Überdimensional u. selbstgemacht.

Und damit wären wir bereits bei den Kids, denn die konnten sich hier beispielsweise einen Teelichthalter oder großen Würfel aus einem Holzblock und Nägeln selbst bauen. Meinem Nachwuchs ist Werkzeug zwar nicht fremd, aber im Alltag haben sie eher selten damit zu tun. Daher war es für sie zweifellos eine coole Erfahrung, mit eigener Körperkraft und Werkzeug etwas aus Holz herzustellen.

Besonders viel Spaß hatten meine Kinder beim Auftritt von Christoph, den sie aus der Sendung mit der Maus kennen. Es war das Highlight, ihn live zu erleben. Leider hatten nicht alle Familien so viel Glück, denn um in diese Vorstellung zu gelangen, musste man sage und schreibe eine Stunde draußen anstehen. Und das garantierte einem noch lange nicht, dass man tatsächlich hereingelassen würde. Denn in den Raum passten nicht viele Menschen.

ein-stuck-sendung-mit-der-maus-christoph
Christoph war mit seinen Experimenten eines der Highlights für Klein und Groß!

So hatten wir am Nachmittag grundlos angestanden. Erfreulicherweise trat Christoph zweimal auf und wir hatten immerhin das Glück (und die Ausdauer), am Abend Teil des Publikums zu sein. Allerdings taten mir die Kinder leid, die draußen an der Scheibe klebten, um wenigsten einen kleinen Blick auf Christophs Experimente zu erhaschen. Diese kleinen Kinds waren sehr hartnäckig, hörten nicht auf ihre Eltern, wollten nicht weggehen. Kein Wunder.

Dafür saßen im Publikum nicht wenige kinderlose Erwachsene, die alles drangesetzt hatten, in den ersten Reihen zu sitzen. Ich hörte ein Kind seine Mutter fragen: „Warum sitzen hier so viele Erwachsene und nehmen den Kindern die Plätze weg?“

Bedenkt man, dass der Eintritt kostenfrei ist, mag man gar keine Kritik äußern. Es wirkt unangebracht. Ich denke aber, dass die Organisatoren viel Wert darauf legen, das Event zu einem wirklich gelungenen Erlebnis für alle Beteiligten zu machen. Das können sie jedoch nur, wenn man ihnen konstruktives Feedback liefert. Mir ist bewusst, dass wir von dem großen Angebot zu wenig gesehen haben, um hier ein Gesamtbild abliefern zu können. Deshalb verweise ich unten gerne auf die Meinungen anderer Blogger/innen.

Grundschulkind: „In dem Raum, wo die bunten Dinger gebastelt werden konnten und mit Lasern ausgeschnitten wurden, hat es gestunken. Also die Luft war so schlecht.“

Was mir gefiel?  Gut fand ich, dass es neben Angeboten, für die man anstehen musste, auch Beschäftigungsmöglichkeiten gab, die offen für alle waren. Ob Leuchtdioden, Holz, Schieferplatten oder was sonst noch geboten wurde – der Nachwuchs konnte neue Fertigkeiten ausprobieren.

Kinder ticken zudem ohnehin anders als Erwachsene und können sich auch an einer einfachen Tombola erfreuen. Wenn der Nachwuchs Spaß hat, ist das Event auch für die Eltern toll. Wir Erwachsenen freuen uns gerne mit. Interessant fand ich, dass wirklich alle Altersklassen vertreten waren.

„Die Nacht der Technik ist ein cooles Event mit Bautechnik, Fahrtechnik, Metall- sowie Holzarbeiten und Lichteffekten. Die Modell-Baustelle fand ich unglaublich super. Mir hat das meiste gefallen. Nur das lange Stehen in der Warteschlange war langweilig.“ (Gymnasiast)

Bevor ich zum abschließenden Lob ansetze, hier mein Anliegen an das Organisatoren-Team:

  1. Bitte überlegt, wie man vor allem Kindern die Plätze für die besonderen Angebote sichern könnte. Ist etwas speziell für Familien deklariert, sollten tatsächlich in erster Linie Leute mit Kindern daran teilnehmen dürfen.
  2. Schilder oder Plakate an den Türen wären sinnvoll, damit man beim Vorbeigehen weiß, was im jeweiligen Raum angeboten wird.

Fazit: Die Nacht der Technik ist ein Erlebnis. Es ist eine besondere Veranstaltung mit tollem Programm. Als Familie brauchte man dieses Jahr aber mitunter Glück, um sich wirklich all das anschauen zu können, weswegen man gekommen war. Als schöner Pluspunkt erwiesen sich Live-Band und Illumination am Abend.

Weitere Meinungen zum Event:

Trinkgeld für den Uhrmacher

uhrmacherKürzlich kam jemand auf mich zu und sagte: „Ich hab´ da heute was erlebt! Das muss ich dir erzählen.“ Gerne gebe ich diese Story an Euch weiter. Soviel zur Skurrilität beim Einkaufen – und Bedeutung von Handwerksberufen:

Ich war im Supermarkt, und als ich an der Uhrenabteilung vorbeiging, fiel mir ein, dass am Armband meiner Sportuhr die Schlaufe fehlt. Also fragte ich den Verkäufer, ob man diese einzeln kaufen könne. Darauf er, der in Wahrheit Uhrmacher war: „Nein, die gibt es nicht einzeln. Da müssen Sie schon das ganze Armband neu kaufen. Wenn ich Ihnen aber sage, wie viel das kostet, fallen Sie rückwärts um.“ Dramatische Pause. „Zwanzig Euro. Und wenn ich mich recht erinnere, kostet Ihre Uhr bei uns 38 Euro. Für einen Euro Trinkgeld, kann ich schauen, ob ich eine passende Schlaufe für Sie finde.“ Meine Antwort lautet verständlicherweise: „Ja, gerne.“ Also holte der Mann einen kleinen Karton aus der Schreibtischschublade und versuchte eine entsprechende Schlaufe zu finden. „Immer, wenn Kunden ein neues Armband kaufen, heben wir die Schlaufe vom alten auf. Wie Sie sehen, kann man die noch gebrauchen.“ Er fand schließlich eine passende, nahm das Armband von meiner Uhr ab und brachte die Schlaufe an. Dabei erzählte er mir etwas über meine Uhr und die Besonderheiten des Armbands. Plötzlich gesellte sich ein weiterer Kunde zu uns und fragte: „Entschuldigung, meine Uhr braucht eine neue Batterie. Können Sie sie wechseln oder muss die Uhr dann extra eingeschickt werden?“ Der Uhrmacher lächelte. „Ich bin gelernter Uhrmachermeister, also sollte ich das können“, erklärte er. „Ach“, staunte der Kunde, „gibt es den Beruf in Deutschland überhaupt noch?“ Darauf der Uhrmacher: „Nein, den Beruf gibt es in Deutschland so nicht mehr. Die Zeiten sind vorbei. Alle deutschen Uhrenhersteller haben schon vor Jahren das Herstellen von mechanischen Uhren aufgegeben und die Maschinen in die Schweiz verkauft. Damit ist auch das ganze Fachwissen abgewandert in die Schweiz.“

Der Kunde freute sich über sein Glück, einen Fachmann gefunden zu haben. Meine Uhr war kurz darauf fertig. Doch als ich dem Mann das Trinkgeld geben wollte, stellte ich zu meinem Bedauern fest, dass ich kein Kleingeld bei mir hatte. Daher fragte ich ihn, ob er mir 10 Euro wechseln könne. Leider verneinte er. „Da haben Sie Glück und kriegen die Schlaufe umsonst.“ Ich schüttelte den Kopf. „Nee, abgemacht ist abgemacht. Sie kriegen Ihr Trinkgeld.“

Dann ging ich zur Information und fragte, ob man mir den Schein wechseln könne. Die Frau hinter dem Info-Tresen antwortete mit strenger Lehrerinnenmiene: „Wir haben hier nur Rückgeldautomaten! Ich komme an das Geld gar nicht dran. Also wenn Sie beispielsweise Ware zurückgeben wollen..“ Da dachte ich mir: Das ist leicht.

Also bin ich zum Weinregal, habe den billigsten Wein genommen, bezahlte ihn an der Kasse – mit dem 10-Euro-Schein – und brachte die Weinfalsche direkt zur Information. „Diesen Wein würde ich gerne zurückgeben“, sagte ich zu der Dame von vorhin. Sie blickte mich stoisch an und fragte: „Was stimmt mit dem Produkt nicht?“„Der Wein gefällt mich nicht“, antwortete ich spontan. Da habe ich dann meine 1, 49 Euro zurückbekommen und ging zum Uhrmacher, um ihm 2 Euro Trinkgeld zu geben. Er bedankte sich und ich wünschte ihm noch einen schönen Abend.

Trinkgeld auf Umwegen.

Interview im Schloss, oder: Warum ich blogge #Video

Am Samstag wurde ich zum Thema Bloggen interviewt, und zwar ganz spontan. Das heißt, dass mir die Fragen vorher nicht bekannt waren. Auch der Interviewer, Franz-Josef König, hatte keine Notizen dabei, sondern stellte die Fragen intuitiv und aus der Situation heraus. Das Ergebnis möchte ich Euch nicht vorenthalten:

Nicht nur die Spontanität machte das Interview für mich zu einer besonderen Erfahrung. Auch die Location sowie der Interviewer trugen dazu bei. Das Schloss Liebieg in Kobern-Gondorf an der Mosel ist zweifellos ein besonderer Ort. Zudem durfte ich vor dem Gespräch an der von Franz-Josef König durchgeführten Gong-Meditation teilnehmen. Der Coach und Unternehmensberater hat die Wirkung der Klänge nicht nur für sich entdeckt. Er setzt dies gerne auch beruflich ein. Mehr dazu erfahrt Ihr auf seiner Website. Das Interview mit mir ist übrigens Teil von Königs neuem Projekt: König spontan. Dort werden künftig noch viele interessante Interviews mit spannenden Menschen zu sehen sein.

Mancherorts ist Frau am Laptop eine Exotin

Was in San Francisco, Berlin, Köln und anderen Metropolen zum alltäglichen Anblick gehört, ist in einer wunderschönen Stadt an zwei Flüssen noch DER Hingucker. Worum es geht? Alles begann damit, dass es fürchterlich regnete, ich in eine Starbucks-Filiale im Zentrum von Koblenz flüchtete und überraschenderweise eine Männerdomäne sprengte.

arbeiten-im-starbucks
Bloggen im Starbucks.

Regennass, mit einem prallen blauen Leinenrucksack bepackt und einer zweifellos nicht zum Wetter passenden Pilotenbrille auf dem Kopf, betrat ich die einzige Starbucks-Filiale in …. Koblenz-City. In meiner Hosentasche steckte das Smartphone – jederzeit zum Schießen Twittern bereit. Rechts von mir hoben sich die Köpfe. Es waren Männer. Genauer: Männer an Laptops. Sie sahen mich an und ein irritierter Ausdruck umwehte ihre Gesichtszüge. (Okay, sie wirkten verdutzt, Mensch.) Ich ließ die Tür hinter mir zuknallen sich vollautomatisch schließen und schritt zur Theke. Dahinter arbeiteten nur Frauen. Drei an der Zahl. Sie bedienten die Kasse und den Kaffeeautomaten. Ein weiterer Blick durch den Raum verriet mir, dass alle Kundinnen bei Kaffee und Kuchen Konversation betrieben, während die männliche Kundschaft an Kaffeebecher und Laptop hing. Ich erspähte einen freien Platz in der Nähe mehrerer Steckdosen, kaufte schnell einen Becher Zimt-Latte (wer will denn schon bei Starbucks gewöhnlichen Kaffee trinken?!) und eilte zum kleinen Tischchen. Für Ortskundige: Ich meine einen der runden Tische, an denen immer der freundliche britische Student fleißig am Laptop lernt.

Becher auf den Tisch, MacBook aus dem Sack und zack an die Steckdose – schon konnte die Arbeit losgehen. Links neben mir der netzaffine britische Jüngling, rechts von mir vier Frauen meines Alters, die sich über Probleme mit ihren Männern und die Langeweile auf Spielplätzen unterhielten. Aus den Starbucks-Lautsprechern erklang angenehmer Jazz und ich stellte mir vor, ich sei Hemingway in einer verrauchten Kneipe. Allein der Zimt-Latte wollte so gar nicht nach Whiskey schmecken. Unter diesen Umständen konnte ich unmöglich einen weltbewegenden Roman verfassen.

Während ich auf der Holzbank saß und am Laptop arbeitete, wurde ich immer wieder angestarrt wie ein Ufo. Die Altersgenossinnen neben mir schienen sich zu wundern, warum ich statt mit einer Freundin, mit dem Gerät am Tisch saß. Sie betonten so laut, sie seien ja schließlich Mütter, dass ich mir ein Lächeln nicht verkneifen konnte. Mutter bin ich auch, und zwar an allererster Stelle. Trotzdem kann ich zum Beispiel Texte verfassen und mich für spannende Projekte einsetzen, während meine Kinder die Schulbank drücken.

Dass mein Anblick jedoch tatsächlich ungewöhnlich sein musste, wurde mir klar, als sich zwei große Teenager-Mädchen neben mich setzten. Mit weit aufgerissenen Augen beobachteten sie, was ich tat. Diesmal waren es offenkundig bewundernde Blicke. Unfassbar, aber für sie war ich cool. Vermutlich wirkte ich auf sie wie die Geeks in irgendwelchen Startup-Filmen. Die ebenfalls an Laptops arbeitenden Herren meiner und höherer Altersklassen wirkten übrigens auch noch irritiert, als ich den Raum verließ. Ich bin in den Stunden dort die ganze Zeit über die einzige am Laptop arbeitende Frau gewesen.

FAZIT: Starbucks würde den Bechdel-Test nicht bestehen.