Museumsnacht Koblenz 2016

Eine Nacht lang durch Museen streifen? Klingt für die meisten von uns vermutlich nicht sonderlich spannend. Ein Irrtum! In solchen Nächten verschmelzen erschaffene und gelebte Kultur miteinander – Kunstwerke werden ganz offensichtlich und spürbar zum Teil des (Nacht-)Lebens.

Am 3. September nahm ich zum ersten Mal an der Museumsnacht in Koblenz teil und staunte nicht schlecht: Nie zuvor hatte ich so viele Menschen am späten Abend in der Stadt gesehen. Kunstinteressierte jeder Altersstufe liefen mir über den Weg. Kein Wunder, denn die Zuständigen hatten auch an Kinder gedacht und ein ansprechendes Angebot für diese Zielgruppe vorbereitet.

Für Groß und Klein

Im Ludwig Museum durften Kinder und Teenager, nicht nur die coole Ausstellung „Erró – Private Utopia“ bestaunen und damit weltbekannte Comicfiguren neu entdecken, sondern selbst zu Künstlern werden. Ob beim Gestalten einer Maske oder eines eigenen Comics – hier konnten sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen.

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Schön, wenn Kinder und Jugendliche im Museum selbst zu Künstlern werden dürfen.

Wenn kulturelle Einrichtungen zusammenarbeiten ….

Doch das Museum hatte noch mehr zu bieten, denn es machte nicht nur „sein eigenes Ding“, sondern arbeitete mit dem Theater Koblenz zusammen. So kam es, dass man als Besucher*in plötzlich von einer Figur aus dem Stück Volpone angesprochen wurde – oder, wie in meinem Fall, selbst eine der Figuren ansprechen konnte. Beweisfoto:

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Schauspielerin in ihrer Rolle aus Volpone und ich.

Die Darsteller vom Koblenzer Theater boten zudem „Speeddating“ mit den Kunstwerken. Tolle Improvisation.

Wenn die Kultur der Stadt an einem Strang zieht ….

Und wenn man dann aus dem Museum tritt, um zum nächsten zu schlendern und hungrig feststellt, dass am gleichen Abend ein Street-Food-Fest stattfindet …. Besser könnte es nicht sein, oder?

(In der Mediathek von TV Mittelrhein erfährt man mehr über die Ausstellung.)

Münzen für Cuxhaven

Spontan und kurz, aber schön und erholsam. So war mein erster Besuch in Cuxhaven. Ich habe Euch einige Bilder und neue Klischees mitgebracht.

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Die herrliche Promenade von Duhnen (Kurteil von Cuxhaven).

Während meines Aufenthalts, bewohnte ich mit meiner Familie eine Ferienwohnung in Duhnen. Das ist ein Nordseeheilbad und Stadtteil von Cuxhaven. Wir hatten großes Glück so kurzfristig eine gut ausgestattete und geschmackvoll eingerichtete zweigeschossige Wohnung zu bekommen. Vermutlich fühlten wir uns dort nicht zuletzt deshalb sehr wohl. Die herrliche Promenade trug ebenfalls dazu bei. Überhaupt ist Duhnen ein schönes Fleckchen Erde.

Geht es Euch auch so, dass Ihr an der Nordsee morgens viel früher wach werdet als zu Hause? Bei mir ist der Unterschied groß. Obwohl ich eine Nachteule bin, springe ich im Norden schon sehr früh topfit(!) aus den Federn und reiße fröhlich die Fenster auf, um die kühle Morgenluft hinein zu lassen. Genuss pur.

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Erste Tat des Tages: Balkontür aufreißen, um die herrliche Nordseeluft zu genießen.

Bis dato war ich nur im Frühling an der Nordsee gewesen. Mein Vater hatte vor einigen Jahren in Norddeich seinen 60. Geburtstag gefeiert. Daher war mir nicht klar, wann die Touristen im Sommer an den Strand gehen – also wie früh oder spät am Morgen. Wir hatten keine Lust lange herumzusitzen und gingen direkt nach dem Frühstück ans Meer. Zwar trafen wir unterwegs auf viele Leute, doch sie gingen definitiv in die falsche Richtung. Mit Brötchentüten beladen. Schnell stand fest: Die gehen in ihre Feriendomizile frühstücken. Entsprechend leer sah es dann am Strand aus. Wir hatten Sand und Watt quasi für uns allein. Umso besser, denn das Wetter war angenehm, so dass wir mit Crossminton in den Tag starten konnten. Unter uns: Das täte ich morgens gerne öfter. (Nicht, dass ich darin besonders gut wäre, aber es macht riesigen Spaß.)

Hier einige Impressionen von Duhnen:

Ausflugsziele: Kugelbake, Hafen, Windstärke 10

In Cuxhaven muss sich niemand langweilen. Unternehmen kann man hier viel, doch wir waren nicht lange genug vor Ort, um alles auszuprobieren. Eine Wanderung zur Kugelbake und ein sonniger Tag im Hafen sind uns erfreulicherweise gelungen. Ein Hinweis: Je näher man der Kugelbake kommt, desto windiger ist es. Jedenfalls musste ich mit Kraft gegen den Wind ankämpfen und hatte zwischendurch das Gefühl, gleich ins Wasser geweht zu werden. Das holzige Ungetüm ist nicht wirklich schön, aber einen Ausflug wert.

Im Reiseführer wird Familien der Fußweg von der Kugelbake zur Alten Liebe, einer Aussichtsplattform im Hafen von …. Cuxhaven, empfohlen. Passanten rieten uns jedoch davon ab. „Für Ihre Kinder wird das kein schöner Spaziergang!“, meinte eine Frau. „Das ist eine große Entfernung und unterwegs ist nichts Nennenswertes.“ Im Buch steht was vom grünen Strand und der Aussicht auf große Schiffe, aber der Wind war an dem Tag sehr stark. Wir bogen daher Richtung Kurpark ab. Ein Zufall, der uns in einen kleinen Tierpark führte.

Kinder freuen sich über derartige Umwege. Fun Fact: Im Kurpark fand zu dem Zeitpunkt ein Weinfest statt, auf dem (natürlich) Winzer von der Mosel und aus der Pfalz vertreten waren. Es war lustig zu sehen, wie ein Stück der eigenen Heimat woanders zu einer Besonderheit wird.

Wer in Cuxhaven ist, darf sich selbstverständlich nicht den Hafen entgehen lassen. Soviel ist klar. Ob zu Fuß, per Cuxliner oder mit dem eigenen Pkw – es lohnt sich einige Stunden im Hafen zu verbringen. Warum? Nicht nur wegen der bekannten „Alten Liebe“ (siehe oben), sondern auch wegen des guten Essens. Ich habe, weil schlechtes Wetter uns nach dem Fußmarsch zur Fahrt mit dem Funkmietwagen gedrängt hatte, den Taxifahrer nach einem guten Lokal gefragt. Sein Tipp lautete: „Wenn Sie guten Fisch essen wollen, empfehle ich Ihnen die kleine Fischkiste am Hafen. Ansonsten gibt es gutes Fleisch …. oder …..“ Vergesst den Rest, denn das Fischlokal ist tatsächlich einen Besuch wert. Hier könnt Ihr einen virtuellen Blick darauf werfen. (Großartige Website mit Infos zur Geschichte.) Wer Mitreisende im Gepäck hat, die ungern Fisch essen, braucht sich übrigens keine Sorgen zu machen, denn dort kann man auch Fleisch essen. Muss man aber nicht.

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Lockere Atmosphäre, köstlicher Fisch.

Impressionen vom Hafen möchte ich Euch auch nicht vorenthalten. Das erste Foto (von der Schifffahrtspolizei) ist zufällig entstanden, während ich auf der Alten Liebe stehend aufs Wasser blickte. Die drei weiteren Aussichten bekommt jeder zu sehen, der am Hafen spazieren geht. Nur nebenbei: Im Sommer kann ich die Eisdiele dort empfehlen. (Minze mit Schokosplittern, ich sage es Euch.)

Kaum, dass die kurze Reise geplant war, stand eines fest: Museum Windstärke 10 musste besucht werden. Neben a) „am Strand spielen und baden“, b) „im Strandkorb sitzen“ und c) „die Wellen im Ahoi! (DEM Freizeitbad) genießen“ zählte das Erlebnismuseum zu den Dingen, die in Cuxhaven auf jeden Fall absolviert werden sollten. Das war nicht meine Entscheidung, doch sie war gut. Hier erfährt man sowohl viel über den Fischfang (wie anstrengend ist das denn!) als auch über Schiffsunglücke. Es ist schon merkwürdig, sich den echten Notruf eines sinkenden Schiffes anzuhören und einen Augenblick später vor einer seiner geborgenen Türen zu stehen – mit dem Wissen, dass es keine Überlebenden gegeben hatte. Oder sich die großartige Sammlung eines Kaufmanns anzusehen, der Seemann werden wollte, es aber wegen seiner Eltern nicht durfte und daher alles sammelte, was mit der Seefahrt zu tun hatte. Irgendwie seltsam und zugleich menschlich.

Resümee meiner Kids: „Es war total schön. Wir raten Euch, dorthin zu fahren. Die Autofahrt ist zwar lang, aber es lohnt sich.“ Ähm, nur mal so: Die Fahrt war von uns aus etwas lang, aber das kommt natürlich darauf an, wo man wohnt. In Duhnen hatten wir zahlreiche Schweizer und Münchner getroffen, die folglich einen längeren Weg auf sich genommen hatten, aber dennoch mehr als zufrieden wirkten.

Neue Klischees müssen gepflegt werden

Ach, jetzt habe ich ganz vergessen die Herausforderungen zu nennen. Also:

  1. Die Bremer fahren wie Rowdies. Sie schneiden Dir einfach den Weg ab. Nicht wie im Rheinland, sondern so richtig bis auf den Millimeter. Du denkst, gleich kracht´s. Und dann bremst du, weil du keine andere Wahl hast. Mensch, Bremer*rinnen, ihr seid nicht in Paris!
  2. In Cuxhaven gibt es kein Kleingeld. Wirklich nicht! Die haben alle nur Scheine. Und wenn man mal irgendwo irgendwas bezahlen muss oder einen Euro für den Einkaufswagen benötigt, kann keiner wechseln. Ehrenwort. Mit der Rechnung kommt immer automatisch der Satz: „Haben Sie´s passend? Ich habe kein Kleingeld.“ Oder: „Ich kann/darf nicht wechseln.“ Nur Scheine, sage ich Euch. Am Imbiss vor dem Supermarkt konnte eine Dame kein Kleingeld wechseln, an der Kasse war es verboten und an der Info bekam man schließlich einen Chip für den Einkaufswagen, weil: „Kein Kleingeld da und auch sonst grundsätzlich nicht erlaubt“.

Nun ja, wir Rheinländer sind für jeden Schabernack zu haben, daher: Sammelt Münzen für Cuxhaven!!

(Psst, die im Norden sind echt nett. Habe es mal wieder festgestellt. Ich mag die Leute dort.)

Lernt streiten!

In der Öffentlichkeit gibt es nur noch Gut und Böse. Überempfindlichkeit ist in. Jeder empfindet sich als Opfer. Meinungsfreiheit ist zum Schlagwort geworden. Und geschlagen wird von allen Seiten. Denn inzwischen hauen auch diejenigen, die sich für die Guten halten. Alles schön abgetippt im Netz. Einfach drauf los. Denken scheint aus der Mode gekommen zu sein.

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Die Welt ist groß und wir Menschen klein.

Was Medien inzwischen aus der Politik machen, hat kaum noch mit Informationsvermittlung zu tun. Es ist pure Sensationsgeilheit und Manipulationslust. Zudem wird mehr geschrieben als nachgedacht. Früher wäre das eine ohne das andere nicht denkbar gewesen, doch wer will heute noch Ansprüche stellen? Immerhin setzen Ansprüche gewisse Denkleistungen voraus. Und Überlegen bedeutet auch Hinterfragen. Doch das gilt inzwischen als pfui. Berichtet wird nur über bestimmte Dinge und in der Regel aus nur einer Perspektive. Es lohnt sich darauf zu achten, worüber nicht oder nur am Rande berichtet wird.

Doch verlassen wir mal kurz die Welt der Presse und schauen auf uns selbst. Auch für uns ist das Hinterfragen out. Konsumiere – frage nicht nach! Und falls du das versehentlich mal tust, dann hoffe, dass deine Meinung dem Mainstream entspricht, sonst bist du böse. Wer nicht dem Trend folgt, ist gegen den Trend – und somit ein Feind. Ihr wollt Beispiele?

Ein Spiel ist nur ein Spiel ist nur ein Spiel der Medien

Man braucht nicht in die ferne Politik schweifen, wenn ein Spiel liegt so nahe: Pokémon Go. Während in der Welt Schlimmes geschieht und es uns nicht an gesellschaftlichen Baustellen mangelt, schüren die Medien einen Streit um das betreffende Spiel. In den sozialen Netzwerken gab es wochenlang exakt zwei Lager: die User des Spiels und die Gegner. Wers glaubt, …. Ich hatte nämlich nicht den Eindruck, dass die Auflehnung gegen das Spiel groß ist. Im realen Leben sah ich plötzlich überall Pokémon Go spielende Pärchen und las nur ab und an auf Facebook, dass ein kleiner Teil meiner Kontakte (wie ich) kein Interesse an dem Spiel hat. Harmlose Bemerkungen, ein witziges Meme – das war alles. In den Medien hingegen ging die Post ab. Tatsache ist, dass in keinem anderen Land so viel über Pokémon Go berichtet wurde, wie hierzulande. Sogar seriöse Radiosender kramten irgendeinen Australier heraus, den das Spiel angeblich seinen Job gekostet hatte, weil es derart süchtig macht. Tagelang drehte sich alles um dieses Thema. Hatten die Journalisten ernsthaft nichts besseres zu tun? Nicht die Nation war gespalten, sondern die Medien spalteten sie.

Auch Blogger sprangen auf das glänzende Pferd der Reichweitenmaximierung. Klar, ein vermeintlich polarisierendes Thema ist gut für die Blogstatistik. Bestes Mittel: Sich dem Trend anschließen und alle anderen zu den Bösen erklären. Die meisten Blogger bezeichneten alle Menschen, die Pokémon Go gegenüber skeptisch sind, als „die ewig Gestrigen“. Sie kritisierten, dass dieses Hinterfragen typisch deutsch sei und alles Gute (denn der „Fortschritt“ gilt als „das Gute“) abbremst. Gähn. Ob denn alles Neue immer unbedingt einen Fortschritt bedeutet und ob dieser automatisch und grundsätzlich „gut“ ist, sei dahin gestellt. Viel unpassender fand ich die Tatsache, dass Menschen, die nicht mit der Masse schwimmen, sondern ihre eigene Meinung haben, als Miesepeter abgestempelt werden. Denn es war nicht die Rede von unsozialen Trollen, die Hasskommentare veröffentlichen. Nein, alle Nichtnutzer wurden in einen Topf geworfen und mit dem Deckel „Gegner des Fortschritts“ versehen. Als ob es nicht auch Menschen gäbe, denen das Spiel schlicht und einfach egal ist.

Ich bin netzaffin und (nicht nur) im Rahmen der Digitalisierung sehr engagiert. Dennoch interessiert mich das besagte Spiel nicht die Bohne. Als gestrig oder spießig kann man mich jedoch nicht bezeichnen. Die Sache ist im Grunde ganz einfach: Wer will, spielt es und lässt die anderen damit in Ruhe. Fachleute interessiert ohnehin viel mehr, wie sich Augmented Reality weiterentwickeln wird. (Ein spannendes Thema auch für die Bereiche Tourismus und Kultur.)

Und wo bleibt die Streitkultur?

Das Spiel hat leider offenbart, wie schlecht es um unsere Streitkultur steht. Nicht, dass es vorher keiner gewusst hätte. Aber überlegt mal, wenn ein Spiel Menschen in Gruppen spaltet und dazu führt, dass sich seine Nutzer als Opfer betrachten und weinerlich bloggen, sie hätten die Beleidigungen seitens der Nichtnutzer so satt, dann haben wir ein ernsthaftes Problem. Wie sollen wir als Land unter anderem die multikulturellen Herausforderungen meistern, die an der Tagesordnung stehen und unser reales Leben betreffen, wenn schon fiktive Geschöpfe und digitale Spiele für beleidigte Schmollmünder,  Trolle und hasserfüllte Tolerante sorgen. Wenn diejenigen, die Toleranz auf ihre Fahne schreiben, wegen eines Spiels die Opferrolle über sich stülpen und den Hass in sich entdecken, können alle, die noch mitdenken, einpacken.

Streitet, statt zu stempeln

Lest, schaut hin, denkt nach, hinterfragt und diskutiert. Streitet euch, aber hört einander zu und hört auf in Schubladen zu denken. Gut und Böse? Pff, wir alle sind beides. Es ist unerträglich zu sehen, wie wenig Menschen noch sagen dürfen, ohne an den Pranger gestellt zu werden. So oder so. Steckt euch die übertriebene political correctness in den Allerwertesten. Sie wurde leider längst ins Lächerliche gezogen. Minderheit, Diskriminierung, Rassismus und Intoleranz sind die beliebtesten Stempel, die aktuell herumgereicht werden. Hast du einen Stempel abbekommen, gilt deine Meinung als böse und nicht hörenswert. Dabei wird schneller gestempelt als hingehört oder hingeschaut. Und es stempelt inzwischen jeder. Trotz eingeschalteter Nebelmaschine.

Content, Influencer, Brr, Blabla und Plam

Gehen euch einzelne Wörter manchmal auf die Nerven? Hasst ihr einige vielleicht sogar? Wenn man Begriffe wie Content und Influencer im ganzen Netz muten (also ausblenden) könnte, würde ich es tun. Dann bliebe allerdings nicht mehr viel von den Artikeln, Blogbeiträgen, Tweets und Posts übrig. Denn gleichgültig, auf welcher sozialen Plattform man sich bewegt und welche Online-Magazine man bevorzugt – alles ist mit diesen Worten vollgestopft. Buzzwords, Keywords …. Da wird mir ganz brrrrr. Schreibt doch direkt Blabla oder Plam.

Arbeitest du noch - oder erstellst du schon Content?

Begriffe, die jeden normalen Leser nahezu irre machen…. Ich habe nämlich kürzlich bei Twitter festgestellt, dass ich keine Ausnahme bin. Immer mehr netzaffine Menschen scheinen von Buzzwords gelangweilt, wenn nicht sogar angewidert zu sein. Hey, ihr schlauen Leute da draußen, deren Beruf mit Buzzwords verschmolzen zu sein scheint: Wir mögen Euch und zweifeln nicht an Eurer Kompetenz, sonst würden wir Euch auf Twitter & Co gar nicht folgen. Nur haben wir allmählich genug von dieser Buzzword-Flut. Gebt es doch mal zu, Ihr könnt diese Worte langsam auch nicht mehr sehen. Wenn uns beim Lesen schlecht wird, muss es Euch beim Schreiben bestimmt mindestens genauso übel gehen. Immerhin befasst Ihr Euch seit Jahren damit.

 

INFLUENCER-CONTENT-BASHING

 

Im Studium sprachen wir häufig von Multiplikatoren. Buuh, denken jetzt manche, weil es kein englischer Begriff ist, aber immerhin musste dabei niemand an eine Krankheit denken. Heute ist überall von Influencern die Rede.

Manche verstehen das als Oberbegriff und teilen Influencer in zwei Gruppen: a) Multiplikatoren und b) Meinungsmacher (absatzwirtschaft). Dabei sind beide Begriffe häufig deckungsgleich. Mir scheint, wir erhalten immer mehr überflüssige neue Namen für längst Bekanntes, das bereits einen Namen hat. Nun klingen die englischen Wörter aber viel schöner, oder? Pustekuchen! Nichts klingt gut, wenn man es zu oft liest. Essen wir eine Woche lang dreimal täglich Schokoladenpudding, werden wir es danach nicht einmal mehr sehen wollen. Und wenn dann jemand „Pudding“ sagen würde, zöge sich in uns alles zusammen. Brechreiz. Begrifflichkeiten erzeugen Befindlichkeiten.

 

Schlimm ist vor allem, dass da so gut wie nie etwas Neues zu lesen ist. Zu Content dürfte nun wirklich schon alles gesagt und geschrieben worden sein. Content, Content-Marketing, Content-Management … bis hin zu Content-Vandalismus (golem). Da darf man nach einigen Jahren auf Durchzug schalten. Vorsichtig ausgedrückt. Von der Politikverdrossenheit zur Contentverdrossenheit.

 

VIELE FLIEGEN AUF KACKE

 

Doch kommen wir auf die Influencer zurück. Das sind Menschen, die viele andere Menschen beeinflussen (können). Und lassen wir uns nicht alle grundsätzlich gerne von anderen beeinflussen? Manipulieren? Da kennt man einen netten Blogger, liest seine Texte, vertraut vielleicht sogar auf seine Meinung – und dann wird er als Influencer entdeckt. Okay, ob er dann trotz schöner Geldsummen immer noch so vertrauenswürdig bleibt, ist eine Frage für sich und hängt von vielen Faktoren ab. Noch blöder ist nämlich, dass diese Influencer gar nicht intelligent oder (in echt jetzt) nett sein müssen. Vergessen wir also unseren kompetenten und authentischen Blogger von eben. Denn dieser hat vielleicht gar nicht genug Leser, um als Influencer erkannt zu werden. Was zählt, sind nunmal die Followerzahlen. Egal, wofür Influencer bekannt sind, entscheidend ist lediglich, wie viele Leute sich deren Kram anschauen, anhören oder durchlesen. Dabei müssen sie gar nichts Sinnvolles tun.

Wenn beispielsweise jemand einen Pupskanal führen und mit der Sammlung seiner Fürze viele Klicks generieren würde, wäre ganz schnell Kaffee- oder Bohnenwerbung auf seiner Seite zu sehen. Kurze Zeit später käme Werbung für Mittelchen gegen Verstopfung und Durchfall hinzu. Eine eigene TV-Show? Nicht ausgeschlossen. So läuft das. Das ist in meinen Augen Kackkram.

Vergesst Niveau und Relevanz. Vergesst Können und Anspruch. Es zählen Oberflächlichkeiten. Mehr Schein als Sein.

 

MIST IST GOLD WERT

 

Besonders spannend wird die Sache übrigens, wenn renommierte Verlage und sonstige Unternehmen aus diesem Kackkram Gold zu machen versuchen. Sie haben da etwas gewittert. Kein Wunder – haben Haufen so an sich. Wo sie aber früher weggeschaut oder vielleicht amüsiert hingeschaut und sich gewundert hätten, wie man mit Mist so viele Menschen erreichen kann, möchten sie heute mitmischen – ohne sich dreckig zu machen. Und weil ihre Finger nicht nur sauber bleiben, sondern strahlen sollen, wagen sie den Versuch, den Mist schön zu verpacken und höher zu heben, damit er glänzt. Warum nicht aus Schminktipps Bücher machen? Vielleicht intermedial? Die YouTuberin, die nicht weiß, wann sie zum letzten Mal ein Buch (mit kleinen Buchstaben, ohne Bilder) gelesen hat, weil sie nunmal nichts so gut kann wie Lidschatten aufzutragen, wird zur professionellen Beauty-Beraterin mit dem ultimativen (Ausmal?-)Buch für …. ihre Zielgruppe. Ja, Zielgruppe ist auch ein Wort, das NIEMALS mehr aus unserem Sprachschatz verschwinden wird. Es ist existenziell wichtig. Mindestens.

 

FAZIT: Wer sich im Studium über das stupide Lernen von Fachbegriffen ärgert oder das Vokabular von Medizinern beschimpft, sollte mal ins Neuland schauen. Hier im Netz ist es viel schlimmer. Und ich verrate euch noch etwas: Besonders genervt ist man von diesem Influencer- und Content-Gedöns, wenn man versteht, worum es dabei geht. Denn dann weiß man, dass sich alles auch ohne diese Begriffe sagen lässt – und ohne viel Aufwand. Brrr. Blabla. Plam.

 

Lesbares:

Mein erstes BarCamp: #bcko16

„Das Besondere an euch BarCamp-Teilnehmern ist, dass ihr alle so locker und menschlich seid. Für uns ist es eine der angenehmsten Veranstaltungen des Jahres“, vertraute mir eine Servicekraft im Koblenzer Zentrum für Gesundheit und Ernährung an, in dem das zweite BarCamp Koblenz (#bcko16) stattfand.

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Die BarCamp-Sticker waren sehr gefragt.

Spannende Menschen, nette Gespräche, bemerkenswerte und gut ausgestattete Räumlichkeiten der HWK Koblenz sowie gute Verpflegung. Ob Organisator, Servicekraft oder Administrator – sie alle waren kooperativ und zuvorkommend. Wie hätte man sich da nicht wohlfühlen können?

Doch was auch immer ich hier schreiben mag, stets wird jemand dabei zu kurz kommen. Daher nehme ich eines vorweg: Das BarCamp hat mich mit vielen sympathischen und klugen Menschen zusammengebracht. Auf den weiteren Austausch mit ihnen freue ich mich schon.

 

BarCamps bedeuten spannende Begegnungen

Es ist nicht einfach die Stimmung eines Events zu beschreiben. Ich möchte es daher am Beispiel von Christoph Krause tun, der zu den Organisatoren des BarCamps gehörte. Wir hatten uns nie zuvor (im realen Leben) gesehen, dennoch konnte ich mit ihm sprechen, als seien wir uns schon länger bekannt. Kurz und zwischendurch, aber total unkompliziert. So ging es mir auch mit anderen Bekannten aus dem Netz und ganz neuen Kontakten: Wir verstanden uns mühelos.

„Hallo, mein Name ist Anja. Ich lese dein Blog und war eben in deiner Session.“ (Mit diesen Worten überraschte mich Anja von kindinkoblenz.)

Da ich Euch nicht mit langen Dankesreden langweilen möchte, weise ich nur kurz darauf hin, dass wir Teilnehmer wunderbar verköstigt wurden – mit Frühstück, leckerem Mittagessen, am Abend mit Burgern, Bier, Cocktails und allem, was man brauchte. Ich habe das sehr genossen. (Immerhin musste ich an den Tagen nicht selbst kochen.) Der Kaffee war gut, die Gespräche bei den Mahlzeiten inspirierend und die Atmosphäre einfach nur schön.

(Der Snap´n´Walk, den wir am zweiten Tag unternommen haben, war – im wahrsten Sinne des Wortes – erfrischend.) 

Jede Session hat etwas zu bieten

Damit wären wir schon beim wichtigsten Punkt: Die Sessions waren so interessant, dass ich von einer zur nächsten eilte und bis auf die Mittagspause kaum Zeit für längere Gespräche fand. Bestimmt habe ich einige spannende Themen verpasst, weil ich mich immer zwischen zwei oder drei Sessions entscheiden musste, die parallel stattfanden. Hinzu kommt, dass ich während meiner beiden Sessions natürlich nicht zeitgleich woanders sein konnte. Daher entschied ich mich a) für Themen, die mir zwar nicht fremd waren, über die ich aber unbedingt mehr wissen wollte (u.a. Pinterest und Storytelling) und b) Themen, mit denen ich mich noch nicht nennenswert befasst hatte – wie zum Beispiel Cardboard und Snapchat. Gerne hätte ich auch Roboterjournalismus, 4D-Druck, die Comedy-Session und viele weitere Vorträge besucht, aber vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal. Oder man sieht und unterhält sich auch mal so? Jedenfalls haben mich alle Sessions an Wissen bereichert. Denn jede(r) hatte Ahnung vom eigenen Thema und gab das mit Leidenschaft weiter. Ein tolles Erlebnis!!

Schaut über Euren Tellerrand – geht zu BarCamps

Glücklicherweise können viele der BarCamp-Teilnehmer exzellent fotografieren. Unter #bcko16 findet Ihr die vielen(!) Tweets zur Veranstaltung, sowie Links zu Fotogalerien. Auch haben bereits andere Blogger über dieses Event geschrieben – die entsprechenden Links setze ich ans Ende meines Textes. Schaut Euch alles an, lest und macht auch mal bei einem BarCamp mit. Ihr müsst keine Session halten, aber ich empfehle es Euch. Das war mein erstes Mal auf einer Unkonferenz, und dennoch habe ich einen Vortrag gehalten. Was einigen als Größenwahn vorkommen mag, halten andere für großartig und mutig. Beides stimmt. Vermutlich. Doch was kann Euch denn schon passieren? Vielleicht kommen nur wenige zur Session, weil sich nicht viele für Euer Thema interessieren. Möglicherweise bekommt ihr ein großes Publikum, aber nicht alle stimmen Euren Thesen zu. Na und? Ihr seid die Experten für Euren Vortrag und könnt ihn gestalten wie Ihr wollt. Abgesehen davon, erweisen sich Meinungsunterschiede nicht selten als Fortschritt – weil man plötzlich aus einer neuen Perspektive auf etwas gut Bekanntes blicken muss. Ich hatte auch keine Ahnung, was mich erwarten würde, bekam aber sehr positives Feedback (und werde aufgrund der Nachfragen meine Folien online bereitstellen).

Solche Erfahrungen tun gut und man entwickelt sich weiter. Außerdem ergeben sich bei derartigen Treffen neue Ideen. Von Gesprächen mit den Anwesenden angeregt, führten Stephan Mahlow und ich am zweiten Tag des BarCamps eine Gesprächsrunde mit Unternehmern, Bloggern & Co aus der Region, die etwas für die Vernetzung dieser Region tun möchten. Es wird sich noch zeigen, wohin uns der Austausch führen wird, aber ich bin ganz zuversichtlich.

Fazit: Das BarCamp Koblenz rockt!!

Meinungen anderer Teilnehmer:

P.S.: #bcko16 stand bei Twitter zeitweise sogar auf Platz eins.

 

Emoji-Wahn: Wörter waren gestern

Glaubt Ihr, es wird mal ein Online-Magazin ohne Worte geben?  Blogger, die nur mit Symbolen arbeiten? Ganz ohne Buchstaben? Irre Vorstellung und daher nicht auszuschließen. Linguisten sind sich in der Frage, ob Emojis eine positive oder negative Auswirkung auf die Kommunikation haben und eventuell sogar eine neue Sprache daraus entstehen wird, uneinig.*

Emoticons kennen wir schon lange, doch seit sämtliche Massanger immer mehr Emojis anbieten, gewinnt das Thema an Bedeutung. Wenn man sie gerade mal nicht sieht, hört man jemanden darüber sprechen. Und jeder hat Vorschläge für neue Emojis. Ihr glaubt mir nicht? Dann schaut mal:

Carolin Kebekus bedauerte kürzlich bei Twitter, dass es für ihr Lieblingsessen noch keine passenden Bildchen gibt:

 

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Jahnkes Emoji für „Gute Laune“ oder auch als Antwort auf die Frage: Was machst du gerade?

Da ist ihre Kollegin Gerburg Jahnke wesentlich weiter. Sie hat eigene Ideen für neue Emojis nicht nur ausgearbeitet, sondern die Ergebnisse in ihrer Sendung LADIES NIGHT bereits vorgestellt. Und – haltet Euch fest – man kann die „offiziellen Ladies-Night-Emojis“  hier downloaden. Die öffentlich-rechtlichen Sender geben Gas.

Glaubt nun bloß nicht, das Thema beschränke sich allein auf die Kabarett- und Comedy-Szene. Auch in öffentlichen Reden, die nicht im Zusammenhang mit Humor stehen, kommen Emoji-Vorschläge vor. Sascha Lobo präsentierte in seinem Vortrag auf der re:publica dieses Jahr ein passendes Emoji zum von ihm mit neuer Bedeutung belegten Wort „Trotzdem“:

Außerdem fordert er ein Anti-Ironie-Emoji als Abgrenzung zur „Dauerscherzkultur“. Doch auch das ist noch nicht alles. Denn zur Freude aller Emoji-Liebhaber und -Kritiker, gibt es jetzt (ganz neu) dieses Musikvideo der schwedischen Band Peter Bjorn and John:

Peter, Bjorn & John »What you talking about?« (Director’s Cut) from A NICE IDEA EVERY DAY on Vimeo.

Lesetipp:

*Emoji – Entstehung einer neuen Sprache ohne Worte? (Technische Uni Dresden)

Emojis. Firlefanz oder neue Geheimsprache? (Stuttgarter-Zeitung)

Emojis: Wie Bildzeichen die Kommunikation verändern (Goethe Institut)

Berufswahl? Hauptsache glücklich.

Bewundert Ihr auch gerne, was Eure ehemaligen Schulkameradinnen und Kameraden inzwischen machen? Ich finde das faszinierend. Wir sind alle so unterschiedliche Wege gegangen, dass es wirklich spannend ist zu sehen, wer welchen Beruf ergriffen hat, wer ins Ausland gezogen ist oder gar an unserer ehemaligen Schule als Lehrer arbeitet. Ich habe fünf Schulen (in zwei Ländern) besucht und damit eine Menge sowohl herzliche als auch weniger nette Menschen kennengelernt.

Wenn man genauer hinschaut, ergeben sich daraus manchmal ganz lustige Geschichten. Zum Beispiel sitzen einige meiner alten Mitschüler*innen, die besonders gerne Beamtenwitze erzählten, inzwischen selbst hinter den Schreibtischen beim Amt. Mein Klassenkamerad, der sich beklagte, weil er nie von unserem (beliebten) Philosophielehrer ausgewählt wurde, um eine Unterrichtsstunde zu halten, ist inzwischen selbst Lehrer. Er ist allerdings nicht der Einzige. Den Lehrerberuf haben erstaunlich viele ergriffen. Weiterer Fun Fact: Ein Mitschüler, der nach seinem geisteswissenschaftlichen Studium keine Arbeitsstelle finden konnte, berät jetzt Arbeitslose und hilft ihnen, eine Stelle zu finden. Auch schön zu sehen ist, dass manche tatsächlich den Job ausüben, den sie sich schon im 5. Schuljahr als Ziel gesetzt hatten.

Neben Juristen, ITlern und anderen Berufsgruppen, gehen einige sogar mehreren Jobs parallel nach. Typisch neue Berufswelt. Ein Teil der Leute von früher ist in der Wirtschaft oder Wissenschaft tätig und bereist die Welt. Andere haben einen ganz anderen Weg gewählt und sind in den Bereichen Kunst und Medien aktiv. Schauspielerin, Kameramann.. Ich liebe es, mir ihre Werke anzusehen oder sie in Aktion zu erleben und zu wissen: Mit ihm/ihr bin ich mal zur Schule gegangen. Wenn ich eine alte Freundin als Schauspielerin im TV sehe oder einen Kommilitonen in einer Gameshow wiedererkenne und ihm die Daumen drücke, ist das vergleichbar mit einem Sieg bei der Fußball-EM. Vielleicht liegt es daran, dass wir nicht in Berlin – wo inzwischen viele von uns leben – die Schulbank gedrückt haben, sondern in einer deutlich weniger bekannten, aber viel schöneren Stadt: Koblenz. Dann denke ich nämlich: Schaut her, Koblenzer haben was drauf!

Umso mehr freue ich mich, dass mein alter Schulkamerad Axel einen Film über die wunderschöne Stadt an zwei Flüssen gemacht hat. Der fröhliche Kerl hat eine Firma auf die Beine gestellt, die sich mit ihren Filmen einen Namen gemacht hat: NANDOO.

Das Video ist von 2015, aber es kam mir jetzt wieder in den Sinn, weil ich kürzlich das Making Of davon gesehen habe. Während also viele von uns nicht mehr in Koblenz, sondern in deutschen und ausländischen Metropolen leben, können wir uns in den sozialen Netzwerken miteinander austauschen und uns gemeinsam zum Beispiel dieses Video anschauen. Das empfinde ich als sehr schön.

Und wie seht Ihr das? Habt Ihr noch Kontakt zu Leuten, mit denen Ihr die Schulbank gedrückt habt?