Du hast mich begeistert, Bodensee!

Es liegen fünf wunderbar entspannte Tage hinter mir. Ein Kurzurlaub am Bodensee. Da ich direkt in den vollgeladenen Alltag zurückgekehrt bin, fehlt mir aktuell die Zeit für einen längeren Blogbeitrag, doch möchte ich gerne schon mal einige Impressionen und Tipps mit Euch teilen.

Meersburg vom Schiff aus
Meersburg (Blick vom Schiff).

Es ist nicht einfach, kurzfristig eine Ferienwohnung am Bodensee zu ergattern. Wir hatten großes Glück. Dass diese wenigen Tage derart schön waren, lag ….

  • an meinen Mitreisenden: der Familie.
  • an unseren sympathischen Gastgebern: Eheleute Rauber.
  • an der Aussicht vom Balkon unserer Ferienwohnung: Bodensee und verschneite Alpen.
  • am schönen Urlaubsort: Immenstaad.
  • an der märchenhaften Blumeninsel Mainau.
  • an den vergnüglichen Schifffahrten zur Insel und zurück.
  • am interessanten und kinderfreundlich gestalteten Zeppelinmuseum in Friedrichshafen.
  • an der beeindruckenden Wallfahrtskirche Birnau.
  • an den netten und humorvollen Menschen, die am Bodensee leben.
  • natürlich auch am angenehm sommerlichen Wetter im Mai.

IMMENSTAAD

 

MAINAU

 

ZEPPELINMUSEUM

 

Als Wahl-Rheinländerin liebe ich die Region, in der ich lebe, aber den Blick auf Bodensee und Alpen hätte ich gerne hierher mitgenommen.

Digital-Allrounder? Habt keine Angst, seid ehrlich und fragt einfach!

Auch Profis wissen nicht alles. Seit Jahren bin ich aktiv im Netz unterwegs, aber seit einem Jahr beschäftige ich mich besonders intensiv mit dem Thema Digitalisierung und allem, was damit zusammenhängt. Einst dachte ich, Unternehmen, die damit werben, andere Betriebe diesbezüglich zu beraten, hätten auf jeden Fall Ahnung. Inzwischen ist mir klar geworden, dass das nicht zwangsläufig stimmt, denn unheimlich viele tun nur so als ob. Der große Bluff.

Zitat von Steve Job

Und plötzlich macht vieles Sinn

Bis vor wenigen Tagen war ich regelmäßig von Ratgeber-Blogs genervt, in denen Profis ihrer Leserschaft die Digitalisierung erklären. Über meine Abneigung gegenüber Buzzwords habe ich bereits gebloggt. Auch wenn mir der inflationäre Gebrauch dieser Begriffe weiterhin auf die Nerven geht, so habe ich doch inzwischen die Notwendigkeit dessen erkannt. Als netzaffiner Mensch, bewege ich mich automatisch unter Gleichgesinnten, das heißt unter Leuten, die beispielsweise wissen, wie Twitter funktioniert. Jedesmal wenn ich dort las, dass mal wieder jemand darüber gebloggt hat, warum Blogs für Unternehmen sinnvoll sind, verdrehte ich die Augen. Wie oft wollten diese Profis denn noch darüber schreiben?! Inzwischen ist mir klar, dass auch ich mich digital in einer Filterblase bewege, denn die Realität in der Wirtschaft da draußen sieht nunmal anders aus.

Seit fast einem Jahr bin ich als Co-Founder der Initiative Koblenz Digital unterwegs, organisiere Meetups, moderiere die Treffen und besuche diverse Veranstaltungen anderer, zum Beispiel, um unsere Community über das Angebot in der Region auf dem Laufenden zu halten. Letzteres ist nicht neu, denn seit ich in den sozialen Netzwerken aktiv bin, werde ich zu Events eingeladen, die sich (nicht nur) digitalen Themen widmen. Warum? Damit ich darüber twittere. Kein Witz! Immerhin haben die jeweiligen Veranstalter erkannt, dass es Vorteile bringt, Außenstehenden den Blick nach innen zu bieten – sie also in gewisser Weise am Event teilhaben zu lassen. Denn vielleicht kommen sie ja auf den Geschmack und sind beim nächsten Mal auch dabei? Kommen künftig doch mal ins Theater? Bauen einen persönlichen Bezug zum Produkt (z.B. Zeitung) auf? Jedenfalls werden zu diesem Zweck beispielsweise Blogger eingeladen, die die Veranstaltung durchs Netz jagen sollen. Über diese Kunst werde ich demnächst schreiben.

Hier möchte ich lediglich festhalten, dass Ratgeber-Blogs oder Tutorials zu digitalen Themen nicht etwa an Bedeutung verlieren, sondern weiterhin dringend benötigt werden. Das erkennt man spätestens, wenn sogenannte Leute vom Fach im Publikum neben dir sitzen und ständig auf dein Smartphone schielen, um herauszufinden, wie das mit Social Media eigentlich funktioniert. Aber nur die wenigsten von ihnen stehen dazu und fragen nach. Viel lieber werfen sie auf der Bühne mit Fachbegriffen um sich und tun so als ob sie etwas davon verstünden. Hauptsache, sie haben Statistiken und bunte Diagramme dabei.

Manche haben nicht die Ausstattung – bei anderen ist sie das Einzige

Schon verrückt, wie es hinter den Kulissen so mancher Unternehmen zugeht. Gewiss sitzen dort Leute vom Fach, aber das „Fach“ hat sich geändert und sie hinken den Veränderungen hinterher. Nun könnten sie sich fortbilden, aber digitale Themen liegen nicht jedem. Das vergessen manche Digitalexperten, die online so herrlich professionell auf Defizite hinweisen. Erinnert euch mal an den Matheunterricht in der Schule. Da hat es auch immer MitschülerInnen gegeben, die angestrengt lernten und trotzdem bestenfalls eine 4 bekamen.

Doch ob man kann und will oder nicht, hat man als Geschäftsführer immerhin die Möglichkeit, andere die Mathearbeit für sich schreiben …. digitalen Themen beackern zu lassen. Leute ausbilden und/oder Profis einstellen, ihnen vertrauen, Freiräume gewähren, sie den Rest des Teams coachen lassen – da gibt es eine Menge Optionen. Sogar jemanden von außen könnte man fragen. Aber wer macht das schon? Welche Agentur gibt sich die Blöße, zuzugeben, dass sie in Sachen Social Media so gut wie keine Ahnung hat? Dass Pressemeldungen kein Problem für sie sind, aber Online-PR ein riesiges Fragezeichen für sie darstellt? Wer gibt zu, dass er zwar ein hammermäßiges Equipment hat, super fotografieren und für die Kunden filmen kann, aber nicht weiß, wie die sozialen Netzwerke funktionieren?

Die einen wissen nicht, wie man Content erstellt, andere wiederum nicht, wie man ihn richtig nutzt und verbreitet.

Lasst euch keine Angst machen!

Auf der IT2KO saß ich in einem Vortrag, an dessen Ende der Redner in etwa sagte: „Leider wird bezüglich Digitalisierung viel mit Angst gearbeitet. Wir brauchen keine Angstmacherei, sondern Mut.“ So ist es. Ich freue mich jedesmal, wenn ich jemanden so sprechen höre, denn zum Glück haben es inzwischen einige erkannt. Ständig und überall wird Druck auf die Menschen ausgeübt – auf Betriebe und auf Privatpersonen. Wie wäre es stattdessen mit positiven Beispielen, die Mut machen?

Denn wie wirkt sich Druck auf uns aus? Genau: kontraproduktiv! Welchen Einfluss hat Angst auf uns? Sie blockiert uns! Was wir in Zeiten der Digitalisierung brauchen, ist jedoch keine innere Bremse und Abwehrhaltung, sondern Offenheit, Reflexion und Freiheit. Denn jeder von uns sollte für sich entscheiden dürfen, was er mitmacht und was nicht. Was für sein Unternehmen notwendig ist und was unnötig oder gar kontraproduktiv wäre. Da vieles inzwischen jedoch viel zu komplex ist, um für jeden von uns einfach verständlich zu sein, benötigen wir mitunter Hilfe – nämlich den Rat von Fachleuten. Das können zum Beispiel Menschen sein, die uns erklären, wie wir als Privatpersonen unsere eigenen Daten oder als Unternehmen die Daten unserer Kunden besser schützen könnten. Ganz egal, um welches Thema auf dem Feld der Digitalisierung es sich handelt, entscheidend ist etwas anderes: Vertrauen. Wen können wir tatsächlich fragen, ohne das er uns belügt oder hintergeht? Wer berät eigentlich gut?

Nur da, wo ohne Überheblichkeit miteinander kommuniziert wird und der Fragende Respekt erfährt, kann wirklich von Unterstützung die Rede sein.

Auf sieben Punkte gebracht

  • Unternehmen wollen innovativ sein, aber dafür müssten sie zunächst für Entspannung im Team sorgen und einen guten Umgang miteinander pflegen, um den Mitarbeitern genügend Freiräume zu gewähren. Ohne Freiräume und eigene Verantwortung können keine fruchtbaren Ideen entstehen.
  • Nicht jedes Unternehmen benötigt das, was die anderen haben. Deshalb ist Beratung von außen so sinnvoll. Denn manchmal ist weniger mehr.
  • Schulen sollen Kids auch digital bilden? Prima, aber dafür genügt es nicht, ihnen ein Tablet in die Hand zu drücken. Die Vermittlung von Werten ist in Zeiten „sozialer“ Netzwerke notwendiger denn je. Um nur ein Beispiel zu nennen.
  • Privatpersonen sollen sich unabhängig von ihrem Alter auch digital zurechtfinden? Tja, wer das ernst meint, wem tatsächlich die Alten oder wie auch immer Benachteiligen nicht gleichgültig sind, der sollte etwas für sie tun. Für uns als Gesellschaft also. Und auch hier gilt: Man muss sich auf die Menschen, ihre Probleme und Fragen einlassen.
  • Fragen kostet (zunächst) nichts. Steht dazu, wenn ihr etwas nicht wisst und lasst euch helfen. Denn diejenigen, die euch helfen, mussten früher auch jemanden fragen und werden es morgen wieder tun. Nur so lernt man dazu.
  • Niemand muss alles an der Digitalisierung toll finden! Ein reflektierter Umgang mit allem Neuen und eine kritische Haltung sind auch hier gefragt. Privat und am Arbeitsplatz. Es lohnt sich, Dinge zu testen, bevor man sie als „Mist“ abtut. Zugleich bedeutet das aber nicht, das man auf jede Sau springen muss, die durchs Dorf getrieben wird. (In punkto Informationsquellen wird sich hoffentlich noch so einiges in den kommenden Jahren bewegen. Spreu von Weizen ..)
  • Innovationen werden von Menschen gemacht und sollen uns Menschen dienen. Thematisiert das. Schreibt und diskutiert darüber – und nehmt einander ernst!
  • Es gibt keine Digital-Allrounder. Frei nach Fontane: Digitalisierung ist ein weites Feld. Hier kann jeder auf seinem Gebiet ein Profi sein – und niemand in allem.
  • ❤️ Teamwork.

 

 

Selfmade: #Mastodon – Wenn du mit Twitter unzufrieden bist

Bildschirmfoto 2017-04-06 um 12.37.56Seit gestern geht im Netz die Post ab. Warum diesmal? Weil Twitter angeblich Konkurrenz bekommt. Wieso und von wem? Ein begeisterter Twitter-Nutzer war irgendwann immer unzufriedener und statt zu jammern, entwickelte er eine Alternative.

Für mich ist das ein Grund zum spontanen Bloggen, denn allein schon die Tatsache, dass ein junger (deutscher) Entwickler etwas auf die Beine stellt, das so großen Zulauf bekommt, ist nennenswert. „Nicht reden, machen!“, heißt es doch überall. Aber nur wenige halten sich tatsächlich daran. Insofern: Hut ab, junger Mann, bis dahin ist´s schon mal cool!

Nun muss ich zugeben, dass Twitter mein Liebling unter allen Social-Media-Kanälen ist. Trotzdem sehe ich da keinen Widerspruch, sondern verstehe, dass Leute nach Alternativen suchen. Und Konkurrenz kann sich durchaus positiv auswirken. Da ich selbst (leider) noch nicht zu den Nutzern von Mastodon zähle, kann ich noch nicht aus der entsprechenden User-Perspektive berichten. Denn „mastodon.social platzt derzeit nämlich aus allen Nähten, so dass dort aktuell keine Anmeldungen möglich sind“. (Mobilegeeks)

Dennoch möchte ich euch auf dem Laufenden halten und verweise daher auf einige interessante Artikel zu dem Thema:

Nachtrag

https://octodon.social/@alexandraBin jetzt doch dabei, habe mich nämlich über Octodon angemeldet. Jetzt kann ich schon mal verraten, dass die dezentrale Struktur des Netzwerks gewöhnungsbedürftig für mich ist. (Man findet dort nicht so einfach Kontakte, wie auf Twitter & Co.) Doch es ist schon einiges los in dem Netzwerk. Cat Content inklusive. Bin gespannt, wie sich das entwickelt.

 

 

Slides: Empathie ist kein Hashtag

Bildschirmfoto 2017-03-29 um 17.16.21BarCamps sind eine feine Sache. Über meine erste Teilnahme an einer derartigen „Unkonferenz“ habe ich euch vor fast einem Jahr hier berichtet, doch etwas Wesentliches habe ich noch nachzuholen. Was es ist? Die Folien zur Session, die ich beim BarCamp Koblenz gehalten habe. Titel: Empathie ist kein Hashtag. Digitale Kommunikation und reale Gefühle. Zweifellos ein Thema, das weiterhin aktuell ist.

Um keinen langweiligen Vortrag zu halten, sondern die Session möglichst lebendig zu gestalten, habe ich beispielsweise Videos eingebaut – ein großartiges zum Unterschied zwischen Empathie und Sympathie (Folie 21) und ein Musikvideo (Folie 35). Außerdem bekommt ihr  exklusive Emojis zu sehen, die nicht grundlos der Kabarettistin Gerburg Jahnke ähneln. 🙂

Na, Lust auf ein BarCamp bekommen? Hier gibt es eine Liste aller BarCamps 2017.

Interview: Hier kannst du niemanden wegklicken

Die sozialen Netzwerke zeigen fortwährend, dass es hierzulande schlecht um die Gesprächskultur steht. Doch nicht nur Shitstorms, Hater oder andere Kommunikationsprobleme im Netz machen stutzig. Auch in Schulen und am Arbeitsplatz beklagen Lehrer und Vorgesetzte, dass es immer mehr Jugendlichen beziehungsweise Mitarbeitern an der Fähigkeit fehlt, sich tatsächlich auf Gespräche einzulassen, zu argumentieren und vor allem auch zuzuhören.

Der Salon ist ein Ort, an dem Sprachkultur gefördert wird.

Ich hatte das große Glück, den Zukunftsgestalter Franz-Josef König kennenzulernen, der sich aus Hingabe für die Gesprächskultur einsetzt. Vor 10 Jahren gründete er im Schloss Liebieg einen Salon und bietet dort seitdem Salongespräche an. Was das genau ist und warum ihm so viel daran liegt, obwohl er beruflich mehr als genug zu tun hat, habe ich ihn im folgenden Interview gefragt. #longread

Lächelnd im Interview

AK: Franz-Josef, erzähl uns bitte als Erstes, was ein Salon überhaupt ist.

FJK: Ein Salon hat eine lange Tradition. Die Salons wurden gegründet von Frauen der gehobenen Gesellschaft, um sich in guter Atmosphäre mit anderen unterhalten zu können. Früher war der Salon Treffpunkt für Menschen aus unterschiedlichen Schichten der Gesellschaft, um sich über aktuelle Themen in der Gesellschaft und der Politik auszutauschen. Das ist auch die Idee, die mich inspiriert hat, vor zehn Jahren den Salon im Schloss zu gründen. Ich wollte diesen Gedanken wieder aufleben lassen und damit das gut wird, den Salon hier einrichten.

Im Salon geht es darum, dass man in eine Kommunikation mit den Menschen, die hier sind, einsteigt, Argumente austauscht, eine Meinung hat und diese hier auch vertritt.

AK: Also hast du dir diese Zeit bewusst dafür genommen, obwohl du ohnehin schon als Unternehmer viel um die Ohren hattest.

FJK: Ja, ich war oft in Kontakt mit Unternehmern und merkte, dass wenn man sich ein wenig näher kennenlernt, man sehr schnell auch über andere Dinge spricht – über Dinge, die die Menschen bewegen. Da habe ich mir gedacht: Warum kann man das nicht auch außerhalb von Businessgesprächen machen? Und so ist es dann dazu gekommen.

AK: Und jetzt machst du das seit fast zehn Jahren. Hast du im Laufe der Jahre eine Veränderung festgestellt? Wie hat sich das alles entwickelt?

FJK: Ja, ich habe in den 10 Jahren Veränderungen festgestellt, insbesondere im Kommunikationsverhalten. Ich erlebe, dass Menschen sich schwerer damit tun, miteinander ins Gespräch zu kommen – das mag im Zusammenhang mit der Digitalisierung sein – aber auch, dass Menschen mehr konsumieren möchten. Und hier im Salon geht es ja darum, sich aktiv einzubringen. Hier kann man nicht zuhören und sich vielleicht amüsieren, erstaunen oder beeindrucken lassen, sondern im Salon geht es darum, dass man in eine Kommunikation mit den Menschen, die hier sind, einsteigt, Argumente austauscht, eine Meinung hat und diese hier auch vertritt – zu einem bestimmten Thema, zu dem hierher eingeladen wird.

AK: Wenn du zurückblickst, gab es da Themen, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

FJK: Mich hat immer sehr beeindruckt, wenn es um persönliche Themen des Menschen ging. Also zum Beispiel „Krise als Chance“ ist so ein Thema gewesen. Das haben wir einige Male hier schon gehabt. Und es hat mich zum Teil sehr beeindruckt, wie Menschen in diesen Gesprächen berichtet haben von ihren persönlichen Krisen, von beruflichen Krisen und wie sie dann doch gestärkt aus diesen Krisen herausgegangen sind – und sich zum Teil völlig verwandelt haben, andere Menschen waren und andere Berufe ausgeübt haben. Dann haben wir einige Male über das Thema „Umgang mit Komplexität“ gesprochen. Und auch das hat mich immer wieder fasziniert – wie Menschen diese komplexe Welt, in der wir sind, erleben und wie sie sich darin verhalten.

Salonkultur zeichnet sich durch Werteorientiertheit, Redefreiheit und Verschwiegenheit aus.

AK: Das heißt, die Gesprächsteilnehmer gehen sehr aus sich heraus?

FJK: Ja, wir haben hier die Salonkultur, symbolisiert auch durch das Kreuz, das für die christlichen Werte steht, für Ethik. Dann durch den Narren, also die Narrenfreiheit – die Redefreiheit, die hier herrscht. Und die Schweigerose über der Tür, die besagt, dass alles, was im Raum besprochen wird, auch hier bleibt. Das ist die Salonkultur und wird vor jedem Gespräch nochmal erläutert. Immer wieder kommt es vor, dass sich Teilnehmer von Salongesprächen auf die Salonkultur beziehen, darauf hinweisen und sehr vertrauliche, persönliche Informationen über sich preisgeben.

AK: Und wie ist das Feedback der Teilnehmer, wenn sie vorher so viel über sich erzählt und ihre Meinung kundgetan haben? Kriegst du da Rückmeldungen?

FJK: Was ich durchweg immer wieder an Rückmeldungen höre, ist wie angenehm die Menschen die Atmosphäre im Salon einschätzen. Wie sie es genießen, beachtet zu werden, respektiert zu werden, dass jemand zuhört und auf ihre Argumente eingeht. Da es eine Atmosphäre ist, wo es nicht um das Ego geht. Wo es nicht darum geht, sich zu präsentieren und es nicht um eine persönliche Performance geht, sondern wo ich als Mensch so bin, wie ich bin und nicht irgendjemandem etwas beweisen muss.

AK: Das ist im Grunde das, was in unserer Gesellschaft zu fehlen scheint. Wenn man sich in die sozialen Netzwerke begibt und schaut, wie da miteinander kommuniziert wird, dann habe ich den Eindruck, täte so manchem ein Salongespräch gut.

FJK: Ja, ich halte es für unbedingt wichtig. Einmal natürlich, um den Menschen, für die das wichtig ist, die Möglichkeiten zu geben und den Raum zu schaffen und sowas anzubieten. Aber mittlerweile sehe ich auch den Salon als einen Ort, an dem Sprachkultur gefördert wird, überhaupt erlebbar wird. Ich glaube, manch einer, der hierhin kommt, wird vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben überhaupt in so eine Situation kommen, wo in dieser Art und Weise, wie hier im Salon, miteinander umgegangen wird – in Respekt und Wertschätzung miteinander kommuniziert wird.

In dieser Atmosphäre können wir sehr respektvoll und wertschätzend miteinander kommunizieren – und das macht uns stark, um dann auch in anderen Situationen unsere Meinung zu vertreten.

AK: Ja, das kann ich bestätigen. Ich durfte ja auch schon dabei sein und habe das sehr genossen. Aber vielleicht erzählst du mal, wie so ein Salongespräch überhaupt abläuft.

FJK: Ein Salongespräch ist fast ein Ritual. Und ich glaube, dass das wichtig ist. Denn es bedeutet nämlich, dass Menschen, die einmal hier waren und wieder hierhinkommen, sofort wieder auch in diesem Spirit des Salons sind.

Es nehmen in der Regel sieben bis acht Gäste am Salongespräch teil. Mehr geht auch nicht und macht auch keinen Sinn, weil man sonst nicht miteinander kommunizieren kann. Als Erstes geht es also darum, die Geschichte, die Philosophie und die Kultur des Salons vorzustellen und dann stelle ich das Thema kurz vor, aber wirklich nur in einer halben Minute, um nicht gleich schon zu viel Input zu geben. Und dann wird jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin darum gebeten, sich persönlich vorzustellen und schon mal zwei, drei Hinweise zu geben, was sie oder ihn besonders an dem Thema interessiert. So macht es dann die Runde und ich nehme in dem Moment schon Argumente auf, höre was die Positionen der Teilnehmer zum Thema sind und greife das dann hinterher im moderierten Gespräch immer wieder auf. So ergibt sich eine lebhafte Diskussion, die ungefähr anderthalb Stunden dauert. Dazu gibt es immer Wein, natürlich Riesling hier aus der Region, und es gibt auch Wasser und Brot dazu. Die Kulinarik steht aber im Hintergrund.

Am Ende läute ich die Schlussrunde ein, es gibt noch einen Eintrag ins Gästebuch und seit einigen Jahren hat es sich eingebürgert noch eine Klangmeditation zu machen. Ich habe auch einen Meditationsraum hier im Schloss. Das ist dann nochmal ein kleiner Höhepunkt – zum Abschluss in einer Klangmeditation das Gespräch zu reflektieren und sich beschwingt auf den Heimweg zu machen.

AK: Würdest du sagen, dass das eine der Besonderheiten dieses Salons ist – die Klangmeditation danach?

FJK: Ja, ich glaube, das gesamte Paket, so nenne ich das jetzt mal, ist etwas Besonderes. Einmal den Salon hier zu erleben, einmal die Nähe zu erleben, die die Menschen zum Teil zu den anderen haben, die sie vorher nie gesehen haben – und trotzdem merkt man, da entsteht eine Verbundenheit. Das macht sicherlich der Raum hier und die Atmosphäre, in der wir hier sind. Und danach dann noch die Gongmeditation zu erleben, ist etwas ganz Besonderes. Mich sprechen manchmal Menschen an, die schon vor Jahren mal hier waren, das erlebt haben und sagen „Das ist mir immer noch präsent, dass ich damals diese Gongmeditation erleben durfte“.

AK: Wer sind die Gäste, die hierher kommen?

FJK: Dadurch, dass wir Menschen einladen, die in der Gesellschaft in irgendeiner Form Verantwortung übernehmen – ob es im Rahmen eines Unternehmens ist, einer Organisation, in einem Verein oder in einer Schule oder wo auch immer, sind es meist Menschen, die irgendeiner Verpflichtung nachgehen. Überwiegend geht es ihnen darum, sich über ein bestimmtes Thema auszutauschen und zu erfahren, ob es andere Menschen gibt, die vielleicht so wie sie über dieses Thema denken. Bedeutend ist, dass sich der Salon sehr stark an seine Werteorientierung hält, also hier geht es wirklich um Werte, Ethik, um Offenheit, um Respekt, Wertschätzung und Toleranz. Wenn wir zum Beispiel über Arbeiten 4.0 sprechen oder über das Thema Populismus, dann ist es natürlich wichtig für mich und für andere zu erfahren: Wie wird denn auf meine Meinung reagiert? Wie argumentiere ich denn? Wenn wir nicht hier im Salon lernen zu argumentieren – in dieser Atmosphäre -, wie soll es dann funktionieren, wenn wir draußen sind, am Arbeitsplatz, in der Familie oder im Freundeskreis anfangen über unsere Meinung zu sprechen? Hier können wir das sehr respektvoll und wertschätzend tun – und das macht uns stark, um dann auch in anderen Situationen unsere Meinung zu vertreten.

Das ist ein großer Unterschied zu den digitalen sozialen Netzwerken: Wenn hier jemand deine Meinung nicht teilt, kannst du ihn nicht einfach wegklicken.

AKWürdest du sagen, dass ein Salongespräch einem Kraft geben kann? Und kann es auch sein, dass man mit neuen Argumenten wieder rausgeht?

FJK: Ja, unbedingt. Es gibt einmal Kraft, weil ich natürlich eventuell Bestätigung bekomme, doch es kann vielleicht auch im ersten Moment sein, dass ich denke „Hoppla, meine Meinung ist hier auf Widerstand gestoßen“. Aber auch das ist ja gut, weil ich dann nochmal überprüfen kann: Bin ich mit meinen Gedanken auf einem guten Weg? Und des Weiteren nehme ich auch Argumente mit auf. Und das ist der Unterschied zum Beispiel zu der Kommunikation in den digitalen Medien. Wenn da jemand meine Meinung nicht akzeptiert, dann klicke ich ihn weg oder hetze nochmal und beleidige ihn vielleicht, aber ich setze mich nicht mehr mit ihm auseinander. Ich umgebe mich nur noch mit den Menschen, die meine Meinung bestätigen. Und das ist im Salon nicht der Fall. Es geht hier niemand einfach raus, weil ihm die Gesellschaft nicht passt, sondern hier findet eine Auseinandersetzung statt, die ja sehr wichtig ist.

AK: Du moderierst die Salongespräche. Was sind da die Herausforderungen für dich?

FJK: Die Herausforderung ist, jeden Menschen, der hier sitzt, zu ermutigen, seine Meinung kundzutun. Wir haben hier einerseits Menschen, die rhetorisch sehr begabt sind. Denen fällt das leicht. Aber wir haben hier auch Menschen, die ihre Meinung haben, aber denen es schwerfällt, sie auszudrücken, in Worte zu fassen. Diejenigen dabei zu unterstützen und zu ermutigen das zu tun, ist auch wichtig. Hier gibt es keine Rangordnung zwischen Menschen, die sich vielleicht besser ausdrücken können und anderen. Mich persönlich interessiert die Vielfalt der Meinungen. Letztendlich möchte ich auch diesen Ort entwickeln und pflegen, damit diese Kommunikationskultur erhalten bleibt.

AK: Der Salon ist in seinem zehnten Bestehungsjahr und du hast mir erzählt, dass das Gästebuch voll ist. Das heißt, ein neues wird angelegt und passend dazu soll es auch einen neuen Themenfokus geben?

FJK: Ja, bisher haben wir die Salongespräche im Kontext von Unternehmen organisiert. Natürlich haben wir auch immer Randthemen angesprochen, aber es war stark auf Führungskräfte und Unternehmer fixiert. Der Salon im Schloss hieß ja auch im zweiten Namen Unternehmersalon. Diese Grenze möchte ich aufheben, das heißt auch mehr Menschen ansprechen, die etwas zu dem Thema zu sagen haben und sich zu dem Thema Gedanken machen, das wir ansprechen – unabhängig davon, ob sie unternehmerisch tätig sind. Wer etwas zu dem Thema zu sagen hat, ist hierher eingeladen, egal aus welchem Bereich er kommt. Entscheidend ist, dass er die Werte des Salons akzeptiert.

AK: Wie siehst du die Zukunft des Salons?

FJK: Das ist eine gute Frage. Ich selbst bin ja auch als Zukunftsgestalter. Für mich ist es wichtig zu erfahren und zu erleben, dass meine Vision, die ich mit dem Salon verbinde, auf die Menschen stößt, die nach so etwas suchen. Da stehe ich zum Teil noch am Anfang und brauche auch Unterstützung und suche nach Gleichgesinnten, die den Salon und seinen Gedanken weiterentwickeln und mittragen möchten. Den Salon wird es immer geben, davon bin ich überzeugt. Dieser Raum inspiriert, macht nachdenklich. Hier finden andere Gespräche statt, als vielleicht in einem Restaurant oder einem Konferenzraum, deshalb ist es mir wichtig, diesen Raum auch weiter zu nutzen, anzubieten und auch den Menschen, die sich für diese Art der Gespräche interessieren, zu erhalten.

AK: Ich finde das sehr spannend, bin davon überzeugt, dass das eine gute Sache ist und wünsche dir weiterhin viel Erfolg. Vielen Dank für das Gespräch.

FJK: Vielen Dank auch für deine Fragen, Alexandra.

Links:

write, print, scan …. repeat

Alle sprechen von Digitalisierung und großartigen technischen Errungenschaften. Sie nennen es Fortschritt und nutzen diesen zur Vereinfachung von Arbeitsabläufen in ihren Unternehmen. Oder etwa nicht? Müsste man eigentlich glauben, doch die folgenden Storys zeugen, sagen wir mal ganz vorsichtig, vom Gegenteil.

Online-Bewerbungen haben ihre Vorzüge. Eigentlich.

Eine Freundin von mir bewarb sich mal bei einem IT-Unternehmen per E-Mail, weil das so erwünscht war. Wenige Wochen später steckte ein DINA4-Umschlag in ihrem Briefkasten. Verwundert öffnete sie das Kuvert und hielt einen Stapel Papier mit ihrer ausgedruckten Bewerbungsmappe in der Hand. Darauf lag das Anschreiben von der Firma, bei der sie sich online beworben hatte: „Hiermit schicken wir Ihnen Ihre Bewerbungsunterlagen zu unserer Entlastung zurück.“ Meine Freundin:

Ich war so froh, dass sie mich abgelehnt haben!

Gewöhnlicher Büro-Alltag früher und heute

Stellen wir uns die folgende Szene vor: Der junge Chef eines großen Unternehmens verfasst ein Rundschreiben an alle Mitarbeiter und mailt es seiner Sekretärin. Die Sekretärin druckt das Schreiben aus und geht mit dem Blatt zum Chef, damit dieser unterschreibt. Mit dem signierten Blatt geht sie zum Scanner und scannt das Schreiben ein. Nun hat sie es wieder schön digital und mailt es an sämtliche Mitarbeiter. So war es 1996. Büroalltag 2017.

papier_digitalisierung_2017

Nicht genug? Na gut. Take this:

„Also wenn bei uns eine interne Veranstaltung geplant wird, läuft Kollegin XY durch die Gänge und sammelt Unterschriften. Wer kommt zum Event? Mit wie vielen Personen? Ist die Tabelle erstmal ausgefüllt, wird der Inhalt abgetippt, digital bearbeitet und dann zum Aushängen wieder ausgedruckt.“

(verzweifelter Informatiker)

 

Tagsüber im Museum

museum-sind-nicht-fur-alle-daNachts ist in Museen bekanntlich mit allem zu rechnen. Ihr wisst schon, mit viel Fantasie – wie in den Filmen. Doch was, wenn die Realität selbst den krassesten Filmplot überbieten würde? Und zwar sogar bei Tageslicht! Kaum zu glauben, aber da scheint sich etwas zu verändern in den deutschen Museen. Etwas, das – so liest man – manche Zuständigen in kalten Schweiß ausbrechen lässt. Na, was könnte das sein?

Von Wegen zum Leben erwachte Statuen, Zombies, Außerirdische oder …. Obwohl, vielleicht wirken Legastheniker, körperlich Beeinträchtigte und *räusper* unterdurchschnittlich Intelligente auf höchst qualifizierte Museumsbosse und extrem fachkundige Besucher so ungewohnt, dass sie quasi als Wesen vom fernen Planeten wahrgenommen werden. Wer weiß? Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass dem so ist, daher brachte mich der kürzlich veröffentlichte Artikel „Deutsche Museen machen es ihren Besuchern nicht leicht. Die Angst vor dem offenen Haus für alle“ ins Grübeln. Denn vor allem die dort zitierte Frage, die der engagierten Museumspädagogin Birgit Baumgart gestellt worden war, schockierte mich beim Lesen. „Wollen Sie diese Leute wirklich im Museum haben?“ hatte man sie gefragt, als „Blinde, Gehörlose und Menschen mit kognitiven Schwierigkeiten“ zur Vernissage gekommen waren. Die Frage kam übrigens von einer Sammlungsleitern. Des Weiteren ist im Artikel zu lesen, dass die Museen zwar Kinder inzwischen als Zielgruppe erkannt hätten, Erwachsene mit gewissen Besonderheiten – wie beispielsweise höherem Alter – jedoch weiterhin nicht oder zu wenig berücksichtig würden. An dieser Stelle fiel mir etwas ein, das ich selbst mal beobachtet hatte.

Als in den Ferien schlechtes Wetter gemeldet war, fuhr ich mit meinen Kids bereits am Morgen ins Museum. Dort wurden zu dem Zeitpunkt die Cover von Die drei ??? ausgestellt. Für mich persönlich von geringem Interesse, aber was tut man nicht alles für den Nachwuchs, nicht wahr? So früh am Tage war in den Räumlichkeiten kaum jemand außer uns. Konkret: Eine Museumsangestellte, die sichtlich nichts von der Ausstellung verstand, zwei Teenager, die bald wieder gingen und eine ältere Besucherin, die sich mit der Thematik sehr gut auszukennen schien. Die große und schlanke alte Dame hatte nach einer Weile Mühe auf den Beinen zu stehen. Sie blickte auf die drei bunten Sitzsäcke, die man auf dem Boden drapiert hatte und erklärte der Museumsfrau: „Wissen Sie, hier ist einiges gut gemacht, aber die Sitzgelegenheiten sind nichts für alte oder geschwächte Leute.“ Wie wahr! Ich fühle mich jung und bin fit, aber die Sitzsäcke waren sichtlich für Kids und Teens gedacht. Sie standen dort, wo man sich per MP3-Player u. a. Interviews mit der Künstlerin Aiga Rasch anhören konnte. Wer sich hinsetzte, lag quasi auf dem Boden. Nebenbei: Mit der Technik kannte sich die (wirklich!) freundliche Mitarbeiterin leider nicht aus. Und versteht mich bitte nicht falsch, ich gebe dieser Frau keine Schuld daran. Die Museumsleitung sollte dafür sorgen, dass alle MitarbeiterInnen auf dem aktuellsten Wissensstand bezüglich betreffender Ausstellungen sind. So war die nette Frau zwar bei allem bemüht, aber zugleich leider überfordert. Eine blöde Situation auch für sie selbst.

Als Otto Normalbesucherin ohne kunsthistorisches Fachvokabular im Hirn, hätte ich mir niemals angemaßt eine Beurteilung der Ausstellung zu äußern. Buchcover in einer scheinbaren Einfachheit wie es nunmal typisch ist für DIE drei ??? ,  betrachte ich eher oberflächlich und entdecke daher nicht sofort deren Besonderheiten. Um es vorsichtig auszurücken. Aber ich habe stets die Absicht, ein Museum schlauer zu verlassen als ich es betreten habe. Daher blätterte ich in besagter Ausstellung ein dickes Buch durch, dessen Herausgeber sich intensiv mit den Covern befasst hatten. Nach der Lektüre war ich nicht wesentlich klüger als zuvor. Um ehrlich zu sein, war das Buch zwar schön gearbeitet, wirkte jedoch nicht übersichtlich genug, um GERNE darin zu recherchieren. Neben dem Buch hatten die fachkundigen Menschen vom Museum einen schnöden schwarzen Ordner hingelegt, der etwa 15 oder 20 in Schutzhüllen gesteckte Seiten enthielt. Von außen unattraktiv und innen wie primitive Collagen gestaltete Blätter. Was soll ich Euch sagen? Allein diesem Ordner habe ich zu verdanken, dass mich die Ausstellung plötzlich tatsächlich zu interessieren begann. Den Rest der Ausstellung betrachtete ich mit anderen Augen. Was der Ordner im Gegensatz zum Buch geboten hatte, möchtet Ihr wissen? Er enthielt beispielsweise Kopien alter Zeitungsausschnitte oder Werbeplakate, von denen sich die Künstlerin hatte inspirieren lassen. Zuerst sah man das ursprüngliche Bild (manchmal waren das mehrere Bilder; samt Quellenhinweis usw.) und dann das Ergebnis, also das entsprechende Buchcover. So simpel und doch so wichtig. Der direkte Vergleich, konkret und übersichtlich.

Jetzt denkt Ihr womöglich, es habe an mir gelegen und das Buch sei in Wahrheit deutlich besser als der blöde Ordner. Tja, das dachte ich auch. Doch dann sah und hörte ich, wie die kluge alte Dame mit der Museumsangestellten sprach. Zu dem Zeitpunkt hatte sie der Mitarbeiterin nicht nur spannende Hintergrundstorys über die Künstlerin erzählt (Wahnsinn, kannte sie sich aus!), sondern hatte sowohl das Buch als auch den Ordner unter die Lupe genommen. Nun standen die beiden Frauen also da und die alte Frau sagte: „Wissen Sie, dieser Ordner ist viel besser als das Buch. Hier wird deutlich, worum es überhaupt geht. Das Buch bringt es nicht rüber.“ Yes! Es lag also nicht an mir! Wenn eine derart bewanderte, intelligente und mit dem Thema vertraute Dame meine Meinung teilte, konnte ich beruhigt sein.

Insofern: Es geht nicht nur um besonders intelligente oder irgendwie benachteiligte Museumsbesucher, sondern um Menschlichkeit und die Frage, ob ein Museum nur zum Schauen oder auch zum Verstehen und Lernen ist. Wenn ein Museumsbesuch zum Erlebnis werden soll, bei dem man etwas vermittelt bekommt und/oder an das man sich später noch erinnert, dann müssen sich die Menschen hinter den Museumskulissen in ihre Besucher hineinversetzen. Und nein, liebe Museumsexpertinnen und Experten, ein Museum sollte nicht für eine ausgewählte Klientel, sondern für alle offen sein. Museen bedeuten Wissen und Bildung – also etwas, auf das jeder ein Anrecht hat. Wir sollten die heutigen Möglichkeiten nutzen und die Türen öffnen.

Um mit einem schönen Beispiel für einen Museumsbesuch abzuschließen, weise ich gerne auf meinen Blogpost über die Nacht der Museen hin. Viel Spaß beim nächsten Museumsbesuch! 🙂