#KulturImWandel: Über Diversität und Toleranz

Bei #KulturImWandel handelt es sich um das anspruchsvollste Thema, mit dem ich mich jemals im Rahmen einer Blogparade beschäftigt habe. Es ist so komplex und interessant, dass man eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit darüber verfassen könnte. Damit kann ich hier im Blog verständlicherweise nicht dienen und halte daher Axel Kopps Idee, eine Blogparade – also eine Ansammlung vieler Texte mit unterschiedlichen Schwerpunkten – daraus zu machen, für spannend und sinnvoll.

Beim Stichwort Kultur denken viele von uns an die hohe Literatur, Theater, Museen und Kabarett. An Orte, an denen man Gehobenes erlebt und sich schlimmstenfalls höllisch langweilt. Für nicht wenige ist Kultur abstrakt. Wie seltsam mag dann die Frage nach der Wirkung von Migranten auf unsere Kultur klingen! Menschen mit Migrationshintergrund sind doch inzwischen Alltag, die sieht man überall – werden nicht wenige denken. Stimmt, und Kultur findet auch im Alltäglichen statt. Unser Leben beeinflusst die Kultur und sie beeinflusst wiederum uns. Krass. Wenn wir also vom Wandel in der Kultur sprechen, dann fängt dieser mitten unter uns an.

Eine kurze Antwort ist nicht möglich

Kurz und einfach formuliert würde meine Antwort lauten: Migranten verändern unsere Kultur, indem sie eigene – uns zunächst fremde – Traditionen, Erfahrungen und Lebenseinstellungen sowie Sichtweisen mitbringen und sich bestenfalls auch auf unsere einlassen. Sie, die Migranten also, passen sich dem Leben hier an, ohne ihr altes Leben ganz aufzugeben. Wir lernen von ihnen und sie von uns. Niemand braucht dafür sich selbst aufzugeben. Gemeinsam schaffen wir hier und da etwas Neues. Künstler tun das. Künstler sind Menschen – und jeder von uns ist sein eigener Lebenskünstler. Klingt gut? Theoretisch könnte es so schön und einfach sein, ist es aber nicht.

Jeder Mensch hat seinen eigenen Charakter – mancher ist offen für Neues, mancher nicht. Bei Migranten spielt die Mentalität auch eine große Rolle. Das weiß jeder, der in einer multikulturellen Familie oder Beziehung lebt. Zwei Menschen zusammen sind schon eine komplizierte Angelegenheit, wenn sie zusätzlich kulturell unterschiedlich geprägt sind, wird es deutlich schwieriger. Kein Wunder also, wenn kulturelle Unterschiede in einer Gesellschaft nicht nur bereichernd sind, sondern auch eine Menge Konfliktpotenzial in sich tragen.

Beim Kochen gilt: Je mehr Zutaten du hast, desto reichhaltiger kann die Mahlzeit werden. In Bezug auf unsere Kultur denken wir das nicht. Immerhin haben wir ja schon eine und müssen keine neue zubereiten. Außerdem würden wir uns dann nur die erlesenen Zutaten aussuchen, um sicherzustellen, dass die Speise am Ende tatsächlich schmeckt. Kultur funktioniert jedoch anders. Mal davon abgesehen, dass sie nicht stillhält, sondern in Bewegung bleibt, können wir uns nicht alles aussuchen, sondern müssen zusehen, dass aus dem, was da ist, etwas Gutes entsteht. Genau das zeichnet auch einen guten Koch aus. Ihr merkt, woran das Beispiel hapert? In der Kultur gibt es keinen Entscheider, der sagt wo es langgeht. Zum Glück, eigentlich. Doch politischen Entscheidungen kommt durchaus eine bedeutende Rolle zu, da sie sich nicht zuletzt auf die Stimmung im Land auswirken und das Miteinander beeinflussen können.

Warum kann die Sache nicht so einfach sein?

Spätestens seit die Flüchtlingspolitik auf der Tagesordnung steht, sind Reaktionen in der Bevölkerung zu beobachten, die sich vorher überwiegend unterschwellig abspielten. Menschen bemängeln ihre eigene soziale Situation, fühlen sich von der Politik unfair behandelt und äußern Sorgen um die (abendländische) Kultur. Ihre Bedenken – und ich meine damit keine ohnehin längst radikal gestimmten Menschen – werden als Hysterie, Dummheit und Fremdenfeindlichkeit abgestempelt und wie ein lästiges Dokument beim Amt in eine dunkle Schublade gesteckt. Was man wegpackt, muss nicht bearbeitet werden. Eine erbärmliche Vorgehensweise, die fatal für unsere Kultur ist. Wir wissen, dass immer mehr Menschen in unser Land kommen werden, deren Sozialisation sich stark von unserer unterscheidet. Viele von ihnen haben möglicherweise ein ganz anderes Weltbild, leben uns fremde Traditionen und sprechen nicht unsere Sprache. Mit ihnen kommen zweifellos große Herausforderungen auf uns zu – finanziell und menschlich.

Wir wissen zugleich, dass es in Deutschland schon vorher mehr als genug Probleme gab: Kinderarmut, soziale Ungerechtigkeit (z.B. gegenüber Alleinerziehenden und ganzen Berufsgruppen), Steuerhinterziehung durch Wohlhabende (während der kleine Bürger sich dämlich zahlt) …. Wer sich zudem schon vor Jahren mit den „einfachen Bürgern“ unterhielt, konnte schnell feststellen, dass sich diese von der Politik benachteiligt fühlten und den Eindruck hatten, Ausländer hätten es leichter. Ich habe das vor allem in Gesprächen über die Schule und Ausnahmesituationen wie Hochwasser beobachtet. „Mein Kind hat Probleme beim Lesenlernen, darf aber nur am schulischen Förderunterricht teilnehmen, wenn wir es ärztlich testen lassen. Alle Kinder, deren Eltern oder Großeltern irgendwann aus dem Ausland nach Deutschland kamen, dürfen automatisch zum Förderunterricht – wegen Migrationshintergrund“, beklagte sich mal eine junge Mutter bei mir. Eine ältere Dame erzählte, wie schwer ihre Familie einst vom Hochwasser geschädigt war. Alles hatten sie neu besorgen müssen, aber den Nachbarn nebenan hatte man kostenlos eine neue Waschmaschine und andere Geräte gebracht – „weil Menschen mit Migrationshintergrund entlastet werden müssten, hieß es damals“. Bis heute fühlt sich die Familie ungerecht behandelt. An dieser Stelle ist nicht entscheidend, ob all das hundertprozentig stimmt, sondern was es mit den Menschen macht. Sie erleben etwas, empfinden Benachteiligung, schließen ihre Rückschlüsse und prägen sich die negativen Gedanken ein. Mit Migranten verbinden sie Ungerechtigkeit und nehmen sich selbst in der Opferrolle wahr. Was wir in der Flüchtlingskrise erleben, ist lediglich die Zuspitzung dessen, was schon lange weniger auffällig wuchs. Der erste Schritt zur Vorbeugung einer Eskalation ist, sich mit diesen Problemen zu beschäftigen – also den Menschen zuzuhören, sich dem Stichwort Ungerechtigkeit zu stellen und zu fragen, wie man sich eine intakte tolerante Gesellschaft vorstellt.

Toleranz und Akzeptanz nützen einseitig nichts

Je mehr Menschen mit unterschiedlichem Background zusammenleben, desto mehr Toleranz und Akzeptanz ist vonnöten. Allerdings auf beiden Seiten! Das ist der entscheidende Punkt, in dem wir als Gesellschaft zu scheitern drohen. Was akzeptieren wir und was sollen bitte die anderen an uns akzeptieren? Ich habe den Eindruck, dass der zweite Teil dieser Frage in der Öffentlichkeit mit Intoleranz gleichgesetzt wird. „Wir müssen tolerant sein!“, heißt es so schön und schon backen die ersten Helferinnen arabisches Gebäck als Willkommensgruß für die Flüchtlinge. Eine nette Geste, oder etwa nicht? Und was hat das überhaupt mit unserem Thema zu tun? Nun, zunächst einmal ist gegen Aufmerksamkeit nichts zu sagen. Dennoch hat all das nichts mit Toleranz zu tun, sondern ist – in meinen Augen – Ausdruck eines Missverständnisses. Ein Teil der engagierten und ehrenamtlich tätigen Menschen hierzulande weiß nicht, wie es ist, in ein fremdes Land zu fliehen und tut im Grunde das, was den anderen vorgeworfen wird: handelt nach (positiven) Vorurteilen. „Wir müssen deren Kultur entgegenkommen“, hörte ich mal jemanden sagen. Mit Speisen nach den Rezepten aus ihrem jeweiligen Herkunftsland? Aber sie sind doch jetzt in Deutschland. Klingen meine Worte für Euch fremdenfeindlich? Glaubt Ihr an dieser Stelle, dass ich etwas gegen mir fremde Kulturen habe? Ich kann Euch beruhigen, dem ist nicht so. Als Neunjährige habe ich über ein Jahr lang mit Leuten unterschiedlicher Herkunft zusammengelebt und denke noch heute gerne an diese Zeit zurück. Ich habe erlebt, was Menschen, die neu in dieses Land kommen, denken und fühlen. Eines ist klar: Deutschland ist für sie wie das Paradies. Jedenfalls stellen sie sich das in ihrem Heimatland so vor. Das hat etwas mit den Medien zu tun, die sie konsumieren – und mit ihrer Fantasie bzw. mit optimistischen Klischees. Dann gelingt ihnen die Flucht. Sie kommen hier an und wollen dieses großartige Land erleben, es kennenlernen und sich hier ein neues Leben aufbauen. Essen aus ihrer Heimat können sie sich früher oder später selbst kochen. Was für sie viel interessanter ist, ist unsere Küche, unsere Lebensweise. Das möchten sie sehen – auch wenn sie es später nicht unbedingt so übernehmen. Aber das Unbekannte und Neue ist genau das, weshalb sie hierher kommen. Das Deutschland, zu dem viele Deutsche nicht stehen. Das Deutschland, zu dem sich die meisten meiner Generation nicht bekennen wollen, weil sie glauben, die Fehler ihrer Ahnen sühnen zu müssen. Sie wollen nicht stolz auf dieses Land sein. Die Fremden hingegen, die in ihrer Heimat ein paradiesisches Bild von Deutschland hatten, verstehen das nicht. Ich beobachte, dass ein großer Teil der Leute, die zum Beispiel in den 90ern aus dem Osten oder Süden Europas in die BRD kam, viel offener zu diesem Land steht, als Deutsche ohne Migrationshintergrund. Je integrierter sie sind, desto mehr sorgen sie sich aktuell um die hiesige Kultur. Warum? Weil sie wissen, dass Anpassung und gegenseitiges Lernen, Toleranz und Akzeptanz keine Selbstverständlichkeit sind. Ihnen ist klar, dass jeder seine eigenen Traditionen mitbringt und es am Einzelnen liegt, ob er dazu bereit ist, einen Teil davon zugunsten der hiesigen Traditionen möglicherweise aufzugeben oder zu verändern und sich überhaupt für die deutsche bzw. europäische Kultur zu öffnen. Jeder, der einst selbst diesen Weg gegangen ist, weiß, welche Herausforderungen sich ergeben und ist nicht grundlos besorgt.

Ich halte es für essentiell, für Realismus auf beiden Seiten zu sorgen: „Neuankömmlingen“ sollte verständlich gemacht werden, dass es auch hierzulande arme Menschen gibt und Deutschland auch für Deutsche kein Paradies ist, sondern sich jeder hart sein Brot verdienen muss und deshalb manche nicht Hurra rufen, wenn noch mehr Hilfsbedürftige ins Land kommen. Für die deutsche Bevölkerung wiederum ist es wichtig zu sehen, dass sie – vor allem diejenigen, denen es ohnehin nicht gut geht – durch die Unterstützung von Migranten nicht noch mehr benachteiligt oder gar vergessen werden.

Wie stehen bereits integrierte Migranten zu diesem Thema?

In TV-Talkshows wie dem Kölner Treff habe ich häufig Prominente mit Migrationshintergrund sagen gehört, sie seien für den Blick von außen dankbar. Nazan Eckes – um nur ein Beispiel zu nennen – erklärte, dass sie Deutschland und die hiesige Kultur sowohl von innen heraus kennt, als auch von außen (aus türkischer Sicht) darauf blicken kann und dies für eine Bereicherung hält. Ich verstehe das gut. Wer aus mehreren Perspektiven darauf schaut, weiß nämlich auch, wie wertvoll unsere vielfältigen Besonderheiten sind. Man hat sowohl die Schwächen als auch die Stärken eines Landes besser in Sicht und sieht die Unterschiede sowie die Gemeinsamkeiten zwischen den Menschen beider (oder mehrerer) Länder. Wie sich die kulturelle Kombination auf ihr persönliches Leben auswirkte, erzählte die TV-Moderatorin mal in der Sendung Bettina und Bommes.

Als nach den schlimmen Ereignissen in der Kölner Silvesternacht Bettina Böttinger einen Live-Talk mit dem Titel „Nach Köln: Was muss sich ändern?“ moderierte, fiel mir genau das auf, was ich auch im Alltag wahrnehme: Die Mehrheit der Deutschen sprach sich für Toleranz aus, während die Migranten mehr Anpassung seitens neuer Zuwanderer verlangten. Konkret: Im Publikum saßen überwiegend deutsche Bürger und Bürgerinnen, die für mehr Toleranz gegenüber Flüchtlingen und Ausländern im Allgemeinen plädierten. Irgendwann meldete sich ein junger Marokkaner zu Wort und stellte klar: In Marokko würden sich diese Kriminellen gar nicht trauen zu stehlen, weil die Strafen dort viel härter sind. In Deutschland ist das alles zu lasch und sie lachen nur darüber. Hier sollte es härtere Strafen geben! (Ich habe das jetzt in meinen Worten wiedergegeben, aber wer sich das Video anschaut, wird wissen, dass es sich inhaltlich deckt.) Kurz: Während die Front der Deutschen Toleranz für Rücksichtnahme einstand, verlangten Migranten nach härteren Gesetzen und konsequenter Bestrafung. Denkt mal darüber nach, welche der beiden Seiten wohl besser einschätzen kann, was notwendig ist. Eine tolerante Gesellschaft, die unterschiedliche Kulturen in sich trägt, kann nur funktionieren, wenn für alle gültige Regeln bestehen und diese von allen Seiten eingehalten werden. Mir scheint, dass viele Menschen diesen Grundsatz mit Intoleranz verwechseln – und gleichzeitig die eigene Kultur, in der sie aufgewachsen sind, ablehnen. Da ist unfassbar viel Gesprächsbedarf auf allen Seiten.

Wurzeln sind wichtig – und Vielfalt ist schön

Blicken wir zurück in die Küche. Nicht alle Zutaten passen zusammen. Dennoch hat sich im Laufe der Jahre herausgestellt, dass Erdbeeren und Pfeffer ein besonderes Geschmackserlebnis bieten und Buttermilch mit Zitronengeschmack keinen Brechreiz auslöst. Klar, ist alles Geschmackssache, aber grundsätzlich ist vieles möglich und stellt sich im Nachhinein als eine Bereicherung für den Gaumen heraus.

Theoretisch können wir durch die Erweiterung unseres Erfahrungs- und Kulturschatzes viel dazugewinnen, allerdings nur, wenn man von uns nicht verlangt, dass wir einen Teil unseres alten Schatzes wegwerfen. Ich liebe die vielfältige deutsche Kultur. Die regionalen Besonderheiten, die sich nicht unbedingt nach den Bundeslandgrenzen richten, sind wertvoll. Dialekte, diverse Traditionen – all das zeichnet dieses Land aus. Ich möchte nichts davon missen, sondern wünsche mir, dass alle Menschen, die hierher kommen, sehen, was uns als Land ausmacht. Unsere Feste haben bereits Namen – sie zu ändern, damit Migranten sich nicht daran stören, halte ich für irrsinnig und bezweifle, dass irgendein Migrant das wirklich möchte. Zum Thema Sonne-Mond-und-Sterne habe ich mal unter dem Titel „Ist St. Martin out?“ gebloggt und viel Zustimmung erhalten.

Wenn wir unsere Kultur leben und andere Menschen (wie Migranten) daran teilhaben lassen, werden sie bestenfalls einen Teil davon übernehmen, ihren eigenen kulturellen Background erweitern und unserem mehr oder weniger anpassen, was wiederum unsere Kultur durch ihre neuen Impulse bereichert. Das funktioniert aber nur dann, wenn wir Toleranz nicht mit Verleumdung der eigenen Kultur verwechseln, sondern unsere eigenen Traditionen kennen und schätzen. Die Türen nicht verschließen, aber gewisse Anpassung fordern und zugleich offen für kulturellen Austausch sind. Darin besteht kein Widerspruch. Bloß einfach ist das alles nicht. Vor allem, weil keine allgemeingültige Einverständnis darüber besteht. An diesem Punkt spielen sowohl Politik und Medien als auch jeder Einzelne von uns (als Vorbild) eine bedeutende Rolle. Im Alltag prägen wir „kleinen Leute“ die neuen Ankömmlinge und deren Einstellung unserem Land gegenüber. Ihr Verhalten beeinflusst wiederum unser Gesamtbild von ihnen. Beides ist verständlich und zugleich unfair, weil sowohl sie als auch wir von wenigen Menschen auf ganze Bevölkerungsgruppen schließen. Das lässt sich jedoch nicht verhindern und muss uns allen daher klar sein.

Was bedeutet das für die Kunst?

Die Herausforderungen, mit denen Europa und in unserem Fall speziell Deutschland zurechtkommen muss, sind prädestiniert dazu, künstlerisch verarbeitet zu werden. In den kommenden Jahren werden gewiss spannende Kunstwerke zum Thema Flucht und multikulturelle europäische Gesellschaft zu bestaunen sein. Ausstellungen, Bücher – wir werden es in vielfacher Form erleben (manches gibt es bereits). Ob das speziell gefördert werden muss? Diese Frage können Fachleute besser beantworten. Ich denke, dass wir alle Kids fördern müssen – Migranten UND Kinder aus Familien ohne Migrationshintergrund, weil auch sie etwas zu erzählen haben.

Einige Museen bieten Flüchtlingskindern die Möglichkeit, in ihren Räumen zu malen und auf diese Weise traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Das ist großartig. Langfristig halte ich es für sinnvoll, keine Unterschiede zwischen den gesellschaftlichen Gruppierungen zu machen. Wenn Kindergärten und Schulklassen die Angebote kultureller Einrichtungen wahrnehmen, bauen sie damit die Scheu vor derartigen Besuchen ab. Dann sind Theater und Co. den Kids nicht mehr fremd und sie gehen womöglich auch mit ihrer Familie hin.

Wer heute nach Deutschland kommt, kennt sich in der Regel mit dem Internet und den sozialen Netzwerken aus. Für kulturelle Einrichtungen bedeutet es daher, dass sie in diesem Bereich aktiv sein müssen, wenn sie die Menschen erreichen möchten. Das hat vielmehr mit Altersgruppen zu tun, denn mit Herkunftsländern. Wenn man Kids im Schulalter erreicht, werden sie als Erwachsene keine Berührungsängste mit dem Theater oder Museum haben. Die Vernetzung zwischen den jungen Leuten ist inzwischen so gut, dass sie beispielsweise ihre Besuche von kulturellen Veranstaltungen in Social Media teilen und die Kontakte darauf aufmerksam machen. Fördert man dies, erhält man mehr Reichweite und möglicherweise auch mehr Besucher. Hier und da gelingt es Kindern, ihre Eltern in Räumlichkeiten zu locken, die ihnen kulturell noch fremd sind und sie Überwindung kosten. Das ist jedoch bestimmt nicht die Regel. Daher halte ich es für deutlich komplizierter, erwachsene Migranten auf die hiesige Kultur aufmerksam zu machen und sie zum Mitwirken zu mobilisieren.

Als tolerantes Land (und das sind wir) können wir uns auf den Kopf stellen – wenn jemand sich nicht integrieren möchte, wird er es nicht tun. Will ein Erwachsener lieber nur Freunde haben, die seine Muttersprache sprechen, lebt er irgendwann in einer Subkultur innerhalb Deutschlands. Das ist schlecht für ihn und uns. Doch jeder von uns muss sich an die eigene Nase packen. Menschen, die sich auf der einen oder der anderen Seite verschließen, schaden der Kultur. Ich sehe es so: Kultur ist Bewegung und Bewegung ist Reibung. Auch ist entscheidend, wo und wie man bremst oder wohin man lenkt. Vorwärts.

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