Selfmade: #Mastodon – Wenn du mit Twitter unzufrieden bist

Bildschirmfoto 2017-04-06 um 12.37.56Seit gestern geht im Netz die Post ab. Warum diesmal? Weil Twitter angeblich Konkurrenz bekommt. Wieso und von wem? Ein begeisterter Twitter-Nutzer war irgendwann immer unzufriedener und statt zu jammern, entwickelte er eine Alternative.

Für mich ist das ein Grund zum spontanen Bloggen, denn allein schon die Tatsache, dass ein junger (deutscher) Entwickler etwas auf die Beine stellt, das so großen Zulauf bekommt, ist nennenswert. „Nicht reden, machen!“, heißt es doch überall. Aber nur wenige halten sich tatsächlich daran. Insofern: Hut ab, junger Mann, bis dahin ist´s schon mal cool!

Nun muss ich zugeben, dass Twitter mein Liebling unter allen Social-Media-Kanälen ist. Trotzdem sehe ich da keinen Widerspruch, sondern verstehe, dass Leute nach Alternativen suchen. Und Konkurrenz kann sich durchaus positiv auswirken. Da ich selbst (leider) noch nicht zu den Nutzern von Mastodon zähle, kann ich noch nicht aus der entsprechenden User-Perspektive berichten. Denn „mastodon.social platzt derzeit nämlich aus allen Nähten, so dass dort aktuell keine Anmeldungen möglich sind“. (Mobilegeeks)

Dennoch möchte ich euch auf dem Laufenden halten und verweise daher auf einige interessante Artikel zu dem Thema:

Nachtrag

https://octodon.social/@alexandraBin jetzt doch dabei, habe mich nämlich über Octodon angemeldet. Jetzt kann ich schon mal verraten, dass die dezentrale Struktur des Netzwerks gewöhnungsbedürftig für mich ist. (Man findet dort nicht so einfach Kontakte, wie auf Twitter & Co.) Doch es ist schon einiges los in dem Netzwerk. Cat Content inklusive. Bin gespannt, wie sich das entwickelt.

 

 

Tagsüber im Museum

museum-sind-nicht-fur-alle-daNachts ist in Museen bekanntlich mit allem zu rechnen. Ihr wisst schon, mit viel Fantasie – wie in den Filmen. Doch was, wenn die Realität selbst den krassesten Filmplot überbieten würde? Und zwar sogar bei Tageslicht! Kaum zu glauben, aber da scheint sich etwas zu verändern in den deutschen Museen. Etwas, das – so liest man – manche Zuständigen in kalten Schweiß ausbrechen lässt. Na, was könnte das sein?

Von Wegen zum Leben erwachte Statuen, Zombies, Außerirdische oder …. Obwohl, vielleicht wirken Legastheniker, körperlich Beeinträchtigte und *räusper* unterdurchschnittlich Intelligente auf höchst qualifizierte Museumsbosse und extrem fachkundige Besucher so ungewohnt, dass sie quasi als Wesen vom fernen Planeten wahrgenommen werden. Wer weiß? Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass dem so ist, daher brachte mich der kürzlich veröffentlichte Artikel „Deutsche Museen machen es ihren Besuchern nicht leicht. Die Angst vor dem offenen Haus für alle“ ins Grübeln. Denn vor allem die dort zitierte Frage, die der engagierten Museumspädagogin Birgit Baumgart gestellt worden war, schockierte mich beim Lesen. „Wollen Sie diese Leute wirklich im Museum haben?“ hatte man sie gefragt, als „Blinde, Gehörlose und Menschen mit kognitiven Schwierigkeiten“ zur Vernissage gekommen waren. Die Frage kam übrigens von einer Sammlungsleitern. Des Weiteren ist im Artikel zu lesen, dass die Museen zwar Kinder inzwischen als Zielgruppe erkannt hätten, Erwachsene mit gewissen Besonderheiten – wie beispielsweise höherem Alter – jedoch weiterhin nicht oder zu wenig berücksichtig würden. An dieser Stelle fiel mir etwas ein, das ich selbst mal beobachtet hatte.

Als in den Ferien schlechtes Wetter gemeldet war, fuhr ich mit meinen Kids bereits am Morgen ins Museum. Dort wurden zu dem Zeitpunkt die Cover von Die drei ??? ausgestellt. Für mich persönlich von geringem Interesse, aber was tut man nicht alles für den Nachwuchs, nicht wahr? So früh am Tage war in den Räumlichkeiten kaum jemand außer uns. Konkret: Eine Museumsangestellte, die sichtlich nichts von der Ausstellung verstand, zwei Teenager, die bald wieder gingen und eine ältere Besucherin, die sich mit der Thematik sehr gut auszukennen schien. Die große und schlanke alte Dame hatte nach einer Weile Mühe auf den Beinen zu stehen. Sie blickte auf die drei bunten Sitzsäcke, die man auf dem Boden drapiert hatte und erklärte der Museumsfrau: „Wissen Sie, hier ist einiges gut gemacht, aber die Sitzgelegenheiten sind nichts für alte oder geschwächte Leute.“ Wie wahr! Ich fühle mich jung und bin fit, aber die Sitzsäcke waren sichtlich für Kids und Teens gedacht. Sie standen dort, wo man sich per MP3-Player u. a. Interviews mit der Künstlerin Aiga Rasch anhören konnte. Wer sich hinsetzte, lag quasi auf dem Boden. Nebenbei: Mit der Technik kannte sich die (wirklich!) freundliche Mitarbeiterin leider nicht aus. Und versteht mich bitte nicht falsch, ich gebe dieser Frau keine Schuld daran. Die Museumsleitung sollte dafür sorgen, dass alle MitarbeiterInnen auf dem aktuellsten Wissensstand bezüglich betreffender Ausstellungen sind. So war die nette Frau zwar bei allem bemüht, aber zugleich leider überfordert. Eine blöde Situation auch für sie selbst.

Als Otto Normalbesucherin ohne kunsthistorisches Fachvokabular im Hirn, hätte ich mir niemals angemaßt eine Beurteilung der Ausstellung zu äußern. Buchcover in einer scheinbaren Einfachheit wie es nunmal typisch ist für DIE drei ??? ,  betrachte ich eher oberflächlich und entdecke daher nicht sofort deren Besonderheiten. Um es vorsichtig auszurücken. Aber ich habe stets die Absicht, ein Museum schlauer zu verlassen als ich es betreten habe. Daher blätterte ich in besagter Ausstellung ein dickes Buch durch, dessen Herausgeber sich intensiv mit den Covern befasst hatten. Nach der Lektüre war ich nicht wesentlich klüger als zuvor. Um ehrlich zu sein, war das Buch zwar schön gearbeitet, wirkte jedoch nicht übersichtlich genug, um GERNE darin zu recherchieren. Neben dem Buch hatten die fachkundigen Menschen vom Museum einen schnöden schwarzen Ordner hingelegt, der etwa 15 oder 20 in Schutzhüllen gesteckte Seiten enthielt. Von außen unattraktiv und innen wie primitive Collagen gestaltete Blätter. Was soll ich Euch sagen? Allein diesem Ordner habe ich zu verdanken, dass mich die Ausstellung plötzlich tatsächlich zu interessieren begann. Den Rest der Ausstellung betrachtete ich mit anderen Augen. Was der Ordner im Gegensatz zum Buch geboten hatte, möchtet Ihr wissen? Er enthielt beispielsweise Kopien alter Zeitungsausschnitte oder Werbeplakate, von denen sich die Künstlerin hatte inspirieren lassen. Zuerst sah man das ursprüngliche Bild (manchmal waren das mehrere Bilder; samt Quellenhinweis usw.) und dann das Ergebnis, also das entsprechende Buchcover. So simpel und doch so wichtig. Der direkte Vergleich, konkret und übersichtlich.

Jetzt denkt Ihr womöglich, es habe an mir gelegen und das Buch sei in Wahrheit deutlich besser als der blöde Ordner. Tja, das dachte ich auch. Doch dann sah und hörte ich, wie die kluge alte Dame mit der Museumsangestellten sprach. Zu dem Zeitpunkt hatte sie der Mitarbeiterin nicht nur spannende Hintergrundstorys über die Künstlerin erzählt (Wahnsinn, kannte sie sich aus!), sondern hatte sowohl das Buch als auch den Ordner unter die Lupe genommen. Nun standen die beiden Frauen also da und die alte Frau sagte: „Wissen Sie, dieser Ordner ist viel besser als das Buch. Hier wird deutlich, worum es überhaupt geht. Das Buch bringt es nicht rüber.“ Yes! Es lag also nicht an mir! Wenn eine derart bewanderte, intelligente und mit dem Thema vertraute Dame meine Meinung teilte, konnte ich beruhigt sein.

Insofern: Es geht nicht nur um besonders intelligente oder irgendwie benachteiligte Museumsbesucher, sondern um Menschlichkeit und die Frage, ob ein Museum nur zum Schauen oder auch zum Verstehen und Lernen ist. Wenn ein Museumsbesuch zum Erlebnis werden soll, bei dem man etwas vermittelt bekommt und/oder an das man sich später noch erinnert, dann müssen sich die Menschen hinter den Museumskulissen in ihre Besucher hineinversetzen. Und nein, liebe Museumsexpertinnen und Experten, ein Museum sollte nicht für eine ausgewählte Klientel, sondern für alle offen sein. Museen bedeuten Wissen und Bildung – also etwas, auf das jeder ein Anrecht hat. Wir sollten die heutigen Möglichkeiten nutzen und die Türen öffnen.

Um mit einem schönen Beispiel für einen Museumsbesuch abzuschließen, weise ich gerne auf meinen Blogpost über die Nacht der Museen hin. Viel Spaß beim nächsten Museumsbesuch! 🙂

Content, Influencer, Brr, Blabla und Plam

Gehen euch einzelne Wörter manchmal auf die Nerven? Hasst ihr einige vielleicht sogar? Wenn man Begriffe wie Content und Influencer im ganzen Netz muten (also ausblenden) könnte, würde ich es tun. Dann bliebe allerdings nicht mehr viel von den Artikeln, Blogbeiträgen, Tweets und Posts übrig. Denn gleichgültig, auf welcher sozialen Plattform man sich bewegt und welche Online-Magazine man bevorzugt – alles ist mit diesen Worten vollgestopft. Buzzwords, Keywords …. Da wird mir ganz brrrrr. Schreibt doch direkt Blabla oder Plam.

Arbeitest du noch - oder erstellst du schon Content?

Begriffe, die jeden normalen Leser nahezu irre machen…. Ich habe nämlich kürzlich bei Twitter festgestellt, dass ich keine Ausnahme bin. Immer mehr netzaffine Menschen scheinen von Buzzwords gelangweilt, wenn nicht sogar angewidert zu sein. Hey, ihr schlauen Leute da draußen, deren Beruf mit Buzzwords verschmolzen zu sein scheint: Wir mögen Euch und zweifeln nicht an Eurer Kompetenz, sonst würden wir Euch auf Twitter & Co gar nicht folgen. Nur haben wir allmählich genug von dieser Buzzword-Flut. Gebt es doch mal zu, Ihr könnt diese Worte langsam auch nicht mehr sehen. Wenn uns beim Lesen schlecht wird, muss es Euch beim Schreiben bestimmt mindestens genauso übel gehen. Immerhin befasst Ihr Euch seit Jahren damit.

 

INFLUENCER-CONTENT-BASHING

 

Im Studium sprachen wir häufig von Multiplikatoren. Buuh, denken jetzt manche, weil es kein englischer Begriff ist, aber immerhin musste dabei niemand an eine Krankheit denken. Heute ist überall von Influencern die Rede.

Manche verstehen das als Oberbegriff und teilen Influencer in zwei Gruppen: a) Multiplikatoren und b) Meinungsmacher (absatzwirtschaft). Dabei sind beide Begriffe häufig deckungsgleich. Mir scheint, wir erhalten immer mehr überflüssige neue Namen für längst Bekanntes, das bereits einen Namen hat. Nun klingen die englischen Wörter aber viel schöner, oder? Pustekuchen! Nichts klingt gut, wenn man es zu oft liest. Essen wir eine Woche lang dreimal täglich Schokoladenpudding, werden wir es danach nicht einmal mehr sehen wollen. Und wenn dann jemand „Pudding“ sagen würde, zöge sich in uns alles zusammen. Brechreiz. Begrifflichkeiten erzeugen Befindlichkeiten.

 

Schlimm ist vor allem, dass da so gut wie nie etwas Neues zu lesen ist. Zu Content dürfte nun wirklich schon alles gesagt und geschrieben worden sein. Content, Content-Marketing, Content-Management … bis hin zu Content-Vandalismus (golem). Da darf man nach einigen Jahren auf Durchzug schalten. Vorsichtig ausgedrückt. Von der Politikverdrossenheit zur Contentverdrossenheit.

 

VIELE FLIEGEN AUF KACKE

 

Doch kommen wir auf die Influencer zurück. Das sind Menschen, die viele andere Menschen beeinflussen (können). Und lassen wir uns nicht alle grundsätzlich gerne von anderen beeinflussen? Manipulieren? Da kennt man einen netten Blogger, liest seine Texte, vertraut vielleicht sogar auf seine Meinung – und dann wird er als Influencer entdeckt. Okay, ob er dann trotz schöner Geldsummen immer noch so vertrauenswürdig bleibt, ist eine Frage für sich und hängt von vielen Faktoren ab. Noch blöder ist nämlich, dass diese Influencer gar nicht intelligent oder (in echt jetzt) nett sein müssen. Vergessen wir also unseren kompetenten und authentischen Blogger von eben. Denn dieser hat vielleicht gar nicht genug Leser, um als Influencer erkannt zu werden. Was zählt, sind nunmal die Followerzahlen. Egal, wofür Influencer bekannt sind, entscheidend ist lediglich, wie viele Leute sich deren Kram anschauen, anhören oder durchlesen. Dabei müssen sie gar nichts Sinnvolles tun.

Wenn beispielsweise jemand einen Pupskanal führen und mit der Sammlung seiner Fürze viele Klicks generieren würde, wäre ganz schnell Kaffee- oder Bohnenwerbung auf seiner Seite zu sehen. Kurze Zeit später käme Werbung für Mittelchen gegen Verstopfung und Durchfall hinzu. Eine eigene TV-Show? Nicht ausgeschlossen. So läuft das. Das ist in meinen Augen Kackkram.

Vergesst Niveau und Relevanz. Vergesst Können und Anspruch. Es zählen Oberflächlichkeiten. Mehr Schein als Sein.

 

MIST IST GOLD WERT

 

Besonders spannend wird die Sache übrigens, wenn renommierte Verlage und sonstige Unternehmen aus diesem Kackkram Gold zu machen versuchen. Sie haben da etwas gewittert. Kein Wunder – haben Haufen so an sich. Wo sie aber früher weggeschaut oder vielleicht amüsiert hingeschaut und sich gewundert hätten, wie man mit Mist so viele Menschen erreichen kann, möchten sie heute mitmischen – ohne sich dreckig zu machen. Und weil ihre Finger nicht nur sauber bleiben, sondern strahlen sollen, wagen sie den Versuch, den Mist schön zu verpacken und höher zu heben, damit er glänzt. Warum nicht aus Schminktipps Bücher machen? Vielleicht intermedial? Die YouTuberin, die nicht weiß, wann sie zum letzten Mal ein Buch (mit kleinen Buchstaben, ohne Bilder) gelesen hat, weil sie nunmal nichts so gut kann wie Lidschatten aufzutragen, wird zur professionellen Beauty-Beraterin mit dem ultimativen (Ausmal?-)Buch für …. ihre Zielgruppe. Ja, Zielgruppe ist auch ein Wort, das NIEMALS mehr aus unserem Sprachschatz verschwinden wird. Es ist existenziell wichtig. Mindestens.

 

FAZIT: Wer sich im Studium über das stupide Lernen von Fachbegriffen ärgert oder das Vokabular von Medizinern beschimpft, sollte mal ins Neuland schauen. Hier im Netz ist es viel schlimmer. Und ich verrate euch noch etwas: Besonders genervt ist man von diesem Influencer- und Content-Gedöns, wenn man versteht, worum es dabei geht. Denn dann weiß man, dass sich alles auch ohne diese Begriffe sagen lässt – und ohne viel Aufwand. Brrr. Blabla. Plam.

 

Lesbares:

Nachrichtensender und Journalismus aus Konsumentensicht

Bau dirBei Attentaten und anderen Tragödien wird besonders deutlich, wie gut oder schlecht Nachrichtensender (und Medien insgesamt) arbeiten. Ich habe mich in den letzten Tagen über so manchen dieser TV-Sender geärgert. Der Umgang mit den furchtbaren Nachrichten aus Paris ließ nicht nur zu wünschen übrig, sondern war teilweise unprofessionell und geschmacklos.

Mit meiner negativen Meinung scheine ich nicht alleine dazustehen, denn auch von journalistischer Seite war der Wunsch nach einem ordentlichen Nachrichtensender zu hören.

Der Journalist meint damit die Reaktionsfähigkeit der Nachrichtenredaktionen (aktuell im Hinblick auf Paris). ARD und ZDF können mit ihren Nachrichten nicht derart „up to date“ sein, wie die 24-Stunden-Nachrichtensender. Während Bouhs sich eine schnellere Reaktionsfähigkeit wünscht, hätte ich gerne vor allem unter dem Aspekt Seriosität einen neuen Nachrichtensender, weil N24 und EuroNews kaum zu ertragen sind und n-tv auch besser sein könnte. Vorsichtig ausgedrückt. Obwohl ich viel im Web unterwegs bin und mir hier die meisten Informatinonen hole, muss ich gestehen, dass ich mich im Falle derartiger Tragödien vor dem TV wiederfinde. Ausnahmezustand total. Meine Ansprüche gelten jedoch sowohl für herkömmliche TV-Nachrichten als auch für die Berichterstattung in Presse und Web.

Ein Attentat – drei Nachrichtensender – drei Spezialitäten

EuroNews grenzt sich insbesondere durch einen bemerkenswerten Spezialeffekt ab: Klavierklänge. Da werden schlimme Bilder gezeigt und mit Klavergeklimper untermalt. Was soll das? Bei aller Liebe zum Musikinstrument, in diesen Zusammenhang gehört es nicht hin. Die Nachrichten sind entsetzlich genug, da braucht es weder Geklimper noch Gedudel, um zusätzlich auf die Tränendrüse zu drücken. Es ist keine Beerdigung, wir Zuschauer sind keine Trauergäste und die Nachrichtensprecher keine Geistlichen. Auch ein Spielfilm ist es nicht. Leider. Doch selbst ohne Hintergrundgedudel fühlt man sich als Zuschauer nicht ernst genommen. So werden beispielsweise Bilder gezeigt und die Stimme der dazu vortragenden Sprecherin klingt, als sei sie noch im Halbschlaf oder würde hauptberuflich beim Sextelefon arbeiten. Da wundert man sich nicht mehr, wenn zwischendurch Essgeräusche zu hören sind. „Das ist (Pause) heute (Pause) früh in Paris …. mampf, schmatz …. passiert.“

N24 hat ganz andere Qualitäten. Der Sender besticht mit Bildern. Leider mit besonders geschmacklosen Bildern in Endlosschleife. Während die Nachrichtensprecherin zum vierten Mal innerhalb von weniger als 20 Minuten einer Reporterin die gleiche Frage stellt, läuft im Hintergrund ein kurzes Filmchen: Ein Sanitäter schiebt einen zweifellos leblosen und in weiße Tücher gepackten Körper in den Krankenwagen. Kaum ist diese (wenige Sekunden lange) Aufnahmesequenz zu Ende, fängt sie von vorne wieder an. Wozu? Weil Bilder mehr sagen sollen als Worte? Vermutlich, denn kluge Worte haben die Nachrichtensprecher ohnehin nicht auf Lager. Entschuldigung.

n-tv unterscheidet sich von der oben genannten Konkurrenz tatsächlich durch einige positive Auffälligkeiten. Jedenfalls war es in der von mir beobachteten Zeitspanne der Fall. Nehmen wir einfach den furchtbaren Freitag: Die ältere Nachrichtensprecherin stellte der Reporterin vor Ort Fragen, die einem als Zuschauer auch in den Sinn kamen. Während die Reporter bei N24 ständig wiederholten, wo wieviele Polizisten standen, erfuhr man bei n-tv, dass die Journalisten vor Ort nur wenige Informationen (seitens der Polizei) erhielten. Ihnen wurde wenig zugespielt – und genau das ist grundsätzlich eine Erwähnung wert. Zusätzlich erklärte die Reporterin, es hätten sich angeblich so und so viele Attentäter selbst in die Luft gejagt, aber die Zahl sei fraglich, da ….. Diese Frau stellte sich nicht hin und verkaufte ihre Informationen als Tatsache, die sie immer und immer wieder von vorne runterleierte. Nein, sie sagte, welche Informationen man an sie weitergegen hatte, von welcher Seite und wie sie das als Person vor Ort einordnet. Das heißt, der Zuschauer konnte sich selbst ein Bild von dieser Informationskette machen. Gerne auch kritisch. Ein Punkt für diesen Sender. An diesen Tagen, aber ob grunsätzlich?

Wenn ich online lese, dass sich ein TV-Sender, wie kürzlich die ARD in puncto Tagesschau, vorgenommen hat, pures Wissen (statt Spekulationen?) zu liefern, kann ich das nicht ernstnehmen. Wer seriös rüberkommen möchte, darf keine Versprechen äußern, die so nicht realisierbar sind. Natürlich wird es immer auch Spekulationen und einen Mangel an Wissen in Bezug auf bestimmte Geschehnisse geben. Niemand kann alles wissen. Das wäre ja geradezu anmaßend.

Hinzu kommt, dass ich beim Lesen des betreffenden Artikels (Interview mit Tagesschau-Chef Kai Gniffke) an die Kindernachrichten logo! denken musste. Ist das ein Vorbild für die Tagesschau? Immerhin, selbst die komplexesten politischen Sachverhalte werden dort gut und kindgerecht erläutert. Das ist zweifellos eine großartige Leistung. Dennoch: Nachrichten für Erwachsene müssen den Zuschauern das Denken überlassen und ihnen nicht eine Meinung verkaufen. Aufklärung schön und gut, aber ich bezweifle die Sachlichkeit dabei.

Storytelling und investigativer Journalismus

Das Schlagwort Storytelling macht schon lange die Runde im Web. Häufig ist die Rede davon, wie wichtig dieses Storytelling für den innovativen Journalismus sei. Mehr davon!, heißt es. Ein anderer Begriff dafür ist übrigens „narrativer Journalismus“. Keine Frage, etwas muss sich ändern, damit mehr Leser erreicht werden, aber wenn der Begriff als Freibrief für Berichte à la „Ich drück´ mal auf die Tränendrüse“ verstanden und entsprechend umgesetzt wird, regt mich das auf. Grundsätzlich bereitet mir der Satz „Wir müssen auf die Leser hören und für sie schreiben“ ein wenig Sorgen. Das ist auch immer öfter zu lesen und klingt möglicherweise für die meisten von Euch positiv. Aber ich denke dabei an das TV-Programm, von dem es immer heißt, es würde das ausgestrahlt werden, was die Zuschauer wollten. Stichwort Einschaltquote. Und was heißt das? Schrott im Fernsehen! Die guten Sendungen laufen, wenn die meisten Menschen schlafen. Qualität nur für Nachteulen? Da frage ich mich ganz automatisch, was das für den Journalismus und die Zeitungen zu bedeuten hat. Werden wir Schrott lesen, weil Schrott gekauft wird? Ich glaube nicht, dass die Bevölkerung so dumm ist, aber Menschen lassen sich nunmal leicht manipulieren, wenn man ihnen gekonnt Lügen als Tatsachen verkauft. Und wer weiß tatsächlich, wo die Wahrheit zu finden ist?

Von Beruf bin ich nicht Journalistin, aber was mit Schreiben und Informieren zu tun hat (also auch Journalismus), liegt mir am Herzen. Daher bin ich gespannt, wie sich die mediale Erarbeitung und Verbreitung von Informationen in Print und Web weiter entwickeln wird. Im Spiegel-Artikel „Warum wir im Leser mehr sehen sollten als zahlende Kunden“ bringt Cordt Schnibben sehr schön auf den Punkt, was auch meiner Meinung entspricht:

„Journalisten sollten sich als Lieferanten sehen, die heranschleppen, was ihre Leser vielleicht in ihre Köpfe hereinlassen. Und das bedeutet: transparent zu arbeiten, Grenzen und Widersprüche ihrer Recherchen aufzuzeigen; um Wahrheit zu ringen, aber nicht zu glauben, im Besitz der Wahrheit zu sein. Und vor allem: im Meinungsaustausch mit den Lesern die Story weiterzuschreiben.“ (Cordt Schnibben)

Allerdings kommt es auf die Umsetzung an. Zum Glück gibt es großartige Journalistinnen und Journalisten, auf deren Arbeitsergebnisse man sich regelrecht freuen kann. Als Leserin bin davon überzeugt, dass in Zukunft die einzelnen Mitarbeiter eine größere Rolle spielen werden als eine Zeitung insgesamt. Genauer: Zeitungen können nur so gut und stark sein, wie ihre Mitarbeiter. Dafür müssen die Entscheider ihrer schreibenden Zunft gewisse Freiräume gewähren, weil jeder seine eigene Art hat, die Leserschaft zu erreichen. Das ist jetzt schon, zum Beispiel an den erfolgreich bloggenden Journalisten, erkennbar und wird noch an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig wird es umso wichtiger werden, für Teamgeist innerhalb der Redaktionen zu sorgen und hinter den eigenen Leuten zu stehen. Doch das ist ein anderes Thema.

Nicht erst heute muss man als Leser kritisch sein und sich die Rosinen selbst herauspicken. Abgesehen von sportlichen Ereignissen und internationalen Erfolgen, sind Katastrophen und andere besonders unheilvollen Nachrichten DIE Top-Themen schlechthin. Zu diesen Zeitpunkten lässt sich die Spreu vom Weizen besonders gut trennen. Aber seid nicht enttäuscht, wenn am Ende deutlich mehr Spreu als Weizen übrig bleibt.

Die Zukunft des Journalismus liegt in den Händen der Leser

Zeitungen sterben, Journalisten verlieren an Aufträgen und diejenigen, die sie noch haben, müssen sich nicht selten an Vorgaben halten, die ihrem Berufsethos widersprechen. Pech für den Berufsstand, Pech für den Leser. Denn im Grunde sitzen alle im gleichen Boot: Journalisten möchten investigativ arbeiten und die Leser sehnen sich nach gehaltvollen Informationen.

Content ist eines der Wörter, die mir seit Langem so häufig begegnen, das ich sie fast nicht mehr hören und lesen mag. Doch genau das ist, was wir als Leser möchten: Inhalt mit Mehrwert. Wir möchten aufgeklärt werden über Sachverhalte, denen wir persönlich nicht nachforschen können. Wir möchten ein Thema aus mehreren Blickwinkeln vorgestellt bekommen – nicht nur aus der Perspektive eines bestimmten Verlages. Wer nicht nur deutsche, sondern auch ausländische Zeitungen liest, weiß dass beispielsweise politische Themen im Ausland häufig ganz anders dargestellt werden als bei uns. Auch wer politisch mehr rechts oder mehr links orientiert ist, wählt seine Tageszeitung dementsprechend aus. Das alles ist bekannt, doch ich stelle mir guten Journalismus anders vor und schreibe vom „Wir“, weil ich mit diesen Wünschen nicht alleine bin.

Die große Chance

Es tut sich was im Journalismus. Martin Hoffmann erklärt in seinem Artikel „Journalismus: die neuen Nachrichtenkonkurrenten im Netz“ treffend, warum Neuerungen auf diesem Gebiet längst notwendig sind:

„Die Zukunft der Nachrichten kommt nicht aus Deutschland, sondern wird woanders erfunden.

  • Hierzulande wurde lange kaum in Innovationen im Journalismus investiert.
  • Die Zukunft des Journalismus ist mobil.
  • Der Artikel hat ausgedient – und wird gerade völlig neu erfunden.“

Traurige Entwicklungen wie das Zeitungssterben lassen sich nicht schönreden, aber etwas Positives haben sie durchaus bewirkt: Mut zur Veränderung. Plötzlich – so scheint es – tun sich engagierte und motivierte Journalisten zusammen, um Neues auszuprobieren. Wie lassen sich Informationen online verkaufen? Was wollen die Leser tatsächlich lesen? Diese mutigen und optimistischen Menschen stellen sich viele Fragen und wagen es, neuen Boden zu betreten. Um ihre Ideen verwirklichen und überhaupt ausprobieren zu können, was möglich ist und wo die Grenzen des Machbaren liegen, benötigen sie allerdings Unterstützung. Da Unabhängigkeit zu den zentralen Aspekten all dieser Projekte zählt, wenden sich die Journalisten an ihre (potenziellen) Leser und bitten um kleine Spenden. Crowdfunding nennt sich diese Methode und genau deshalb kommt der Begriff Crowd (Menschenmenge, Publikum) in vielen der Projektnamen vor.

Crowdspondent

An dieser Stelle möchte ich als Erstes das Projekt zweier Journalistinnen vorstellen, die für ihre Leser in Deutschland unterwegs sein und als deren „persönliche Reporterinnen“ den gewünschten Fragen nachgehen möchten. Ihr Projektname setzt sich aus Crowd und Korrespondent zusammen. Erfahrungen auf diesem Gebiet haben Lisa Altmeier und Steffi Fetz  bereits letztes Jahr in Brasilien machen können. Hier stellen sie sich vor:

Mehr zu diesem Projekt findet man bei Twitter, Facebook und im Crowdspondent-Blog.

Krautreporter

Im Namen des vermutlich bekanntesten Projektes wird mit der Bezeichnung Crowd gespielt: Es nennt sich „Krautreporter„. Online aktive Menschen verstehen die Anspielung im Namen, doch sogar unter ihnen wird der Wortwitz kritisch betrachtet und führte bei Twitter nicht selten zu Diskussionen. Die Krautreporter erklären es simpel: „Ihr seid die Crowd, wir sind die Reporter. Zusammen sind wir Krautreporter.“

Vergessen wir Kraut und Rübe. Viel interessanter ist, wer hinter dem Projekt steckt und was diejenigen erreichen möchten. Kurz: Ziel ist es, gemeinsam mit den Lesern ein Online-Magazin zu schaffen. Interessant daran ist zudem, dass das Team aus bekannten, professionellen Journalisten wie Alexander von Streit und Rico Grimm besteht – um wenigstens zwei von ihnen zu nennen. Hier stellen sie sich und ihr Projekt vor:

 

Neugierig geworden? Zurecht! Konkrete Themenvorschläge gibt es nämlich auch schon. Ob Konflikte in Israel und Bosnien, Themen wie Transparenz von Fernseh- und Rundfunkräten oder Rohstoff- sowie Umweltprobleme – die Krautreporter wollen allem nachgehen. Purer Ernst ohne Platz für Humor? Nicht unbedingt, denn der erfolgreiche Journalist Richard Gutjahr hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Magazin mit Comics zu bereichern. Ein Vorgeschmack:

Comic von Gutjahr

Ein Problem scheinen die Crowdfunding-Projekte leider zu haben: Sie sind innerhalb gewisser Kreise (Stichwort Filterblase) bekannt, aber nicht darüber hinaus. Das erschwert ihre Verwirklichung, denn bevor ein Online-Magazin wie Krautreporter entstehen kann, benötigt es eine große Leserschaft, die bereit ist, dieses Vorhaben mitzufinanzieren. (Im besagten Falle wären das 5 Euro pro Monat.) Es ist allerdings nicht Sinn der Sache, dass Journalisten sich gegenseitig sponsern. Entscheidend ist es daher, möglichst vielen Menschen von den innovativen Projekten zu erzählen und ihnen die damit verbundenen Möglichkeiten zu erläutern.

Ich weiß nicht, ob das alles gelingen und wie es weitergehen wird, aber es ist höchste Zeit genau das herauszufinden.

Ist St. Martin out?

Von Kindern im Kindergarten gebackener Weckmann.
Von Kindern im Kindergarten gebackener Weckmann.

Seit Tagen ist das St. Martinsfest ein Thema in den Medien und Web-Foren. Überall wird erörtert, ob es abgeschafft beziehungsweise umbenannt werden soll. In The Huffington Post kann man nachlesen, welchem Ärger ein Kindergarten ausgesetzt war, in dem seit Jahren anstelle von St. Martin ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ veranstaltet wird. Auch die Frage der politischen Korrektheit kam in diesem Rahmen auf. Man müsse auf Andersgläubige Rücksicht nehmen, hieß es. Und während sich so mancher Politiker um die muslimischen Bürger sorgte und Eltern bei Facebook und Twitter diskutierten, verkündete der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek: „Muslime können St. Martin mitfeiern“. Und: „Das Leben von St. Martin ist doch geradezu vorbildlich, auch für Muslime.“  

Realität im Web

Wie es um dieses Fest – im realen Leben – steht, konnte ich gestern bei Twitter lesen. Und ich war überrascht, denn im sonst vergleichsweise strengen Bayern scheint diese Tradition an Bedeutung zu verlieren.

St. Martin oder Rakete? Foto. Twitter

Fassen wir zusammen: Die Meinungen diverser Politiker sind uns bekannt, die unterschiedlichen Reaktionen unter den Eltern sowie die Einstellung des Zentralrats der Muslime ebenfalls. Doch wie denken Kinder darüber? Am besten schaut man sich die Jüngsten an, die noch nicht – wie später in der Schule – nach Glaubensrichtung teils getrennt unterrichtet werden.

St. Martin-Vorbereitungen im Kindergarten

 Gestern war Bastelstunde im Kindergarten. Alle Eltern unserer Gruppe wurden eingeladen, um mit ihrem Kind eine Laterne zu basteln. So kamen wir Christen, Muslime, Atheisten und alle sonst wie Gläubigen bzw. Ungläubigen und setzten uns beisammen. Wie zu allen anderen Festen auch. Gerne.

Bevor es an die Arbeit ging, trugen uns die Kinder einen Auftritt vor. Ein Tanz und mehrere Lieder sorgten für Begeisterung bei uns Eltern – von denen die meisten das iPhone hochhielten und alles filmten. Danach wurde uns das Leben des St. Martin anhand von Dias präsentiert. Dabei saßen alle Kinder auf dem Boden und hörten gebannt ihrer Erzieherin zu. Mich wunderte das, denn immerhin wurden sie bereits seit Tagen auf dieses Fest vorbereitet. Dennoch wirkte kein Kind gelangweilt.

Später arbeiteten wir an Gruppentischen, schnitten, klebten und unterhielten uns bei Brezeln und Getränken. Religionen waren kein Thema. Man unterhielt sich über die Kinder, den Kindergarten und die Laternen sowie das Fest. Ganz neutral, aber mit großer Vorfreude seitens der Kinder. Es war schön zu sehen, wie viele Eltern sich bereitwillig Zeit nahmen, um eine Papp-Laterne zu basteln.

Ausländische Feste im Kindergarten

Da ich Menschen mag und mich gerne mit Leuten unterhalte, die andere Kulturen kennen und eventuell auch nach anderen als den hiesigen Traditionen leben, weiß ich, dass es Eltern gibt, die ihren Kindern die Teilnahme am St. Martinsfest verbieten. Das finde ich zwar schade, toleriere und akzeptiere es aber. In unserem Kindergarten werden auch ausländische Feste – wie z. B. das Zuckerfest – thematisiert und den Kindern vorgestellt, obwohl es eine katholische Einrichtung ist. Niemand wird unterdrückt.

Regelmäßig wird zum „internationalen Elterncafé“ eingeladen. Dann sitzen wir (meist nur) Mütter am langen Tisch, trinken Tee oder Kaffee, essen Spezialitäten aus unterschiedlichen Ländern und unterhalten uns über Familie sowie Erziehung. DAS ist interessant. DAVON müsste es mehr geben.

Kinder heute

Die Kinder von heute wachsen mit den Unterschieden auf und das halte ich für richtig. Es ist zudem gar kein Problem, Hackfleischbällchen aus Rind zu machen und Haribo-Süßkram im türkischen Laden zu kaufen, wenn man sich mit muslimischen Kindern trifft, die das gerne essen. Genauso wird allseits respektiert, dass Kinder von Zeugen Jehovas keine Geburtstage feiern. Niemand kann sie dazu zwingen.

Im Leben gilt: Es ist ein Geben und Nehmen. Fremde Traditionen müssen nicht übernommen werden, aber es ist schön, wenn man sie kennt. Mir sagte mal eine junge Frau mit iranischem Hintergrund: „Wir leben hier in Deutschland, in einem christlichen Land, und ich halte es für wichtig, dass die Kinder wissen, was christlich leben bedeutet.“ Ihre Worte beeindruckten mich, denn sie sagte es nicht nur, sie meinte das tatsächlich. Positiv.

Warum schauen wir es uns nicht einfach von den Kleinen im Kindergarten ab und akzeptieren Unterschiede? Trauen wir uns nicht mehr zu den eigenen Traditionen zu stehen? Immerhin wäre eine Umbenennung lächerlich und purer Selbstbetrug. Sind diese Feste fremdenfeindlich? Und wenn ja, wer sind diese Fremden dann überhaupt? Menschen, die hier leben, sollen doch keine Fremden sein, oder? Ich dachte, wir wären schon deutlich weiter, als das.

Lasst uns die Feste feiern. Sie sind nichts Böses, kein Krieg, keine Unterdrückung. Es sind Zeichen der Freude und Nächstenliebe. Und sie sind freiwillig.

#RZ_FB_Abend – Leser im Druckhaus

Am vergangenen Freitagabend durfte ich mit 14 weiteren Facebook-Freunden der Rhein-Zeitung zu Gast im neuen Druckhaus sein. Zum Glück, denn die Nachfrage war groß. Kaum hatte ich bei Twitter von dem Treffen erfahren, meldete ich mich per Facebook an und bereits zwei Minuten später galt die Veranstaltung als ausgebucht. Alles spontan und digital.

Die Zeitungen sind fertig

Das Treffen verlief in überraschend angenehmer und lockerer Atmosphäre mit lauter interessanten und humorvollen Menschen. Beinahe hätte ich vergessen, dass es sich dabei um keinen Plausch unter alten Freunden, sondern um eine Informationsveranstaltung handelte. Eine Tatsache, die zweifellos für die Professionalität unserer Gastgeber spricht. Chefredakteur Christian Lindner führte uns gemeinsam mit Digital-Chef Marcus Schwarze und Social-Media-Redakteur Lars Wienand durch den Abend. Unter dem passenden Hashtag #RZ_FB_Abend konnte das Treffen bei Twitter und Facebook ein wenig mitverfolgt werden.

An dieser Stelle könnte ich darauf hinweisen, dass die Rhein-Zeitung 1995 die erste regionale Zeitung war, die online ging und bereits seit 2009 in sozialen Netzwerken aktiv ist. Keine Frage, damit erfüllt sie eine Vorbildfunktion, doch all diese Daten lassen sich bei wikipedia nachlesen. Viel interessanter ist ein Blick in die Zukunft.

„Die digitale Entwicklung hat uns auf die Frage nach dem Kern unseres Tuns gebracht.“ (Lindner)

Der Chef

Der Chefredakteur und seine Mitarbeiter standen für Fragen offen und gewährten Einblicke in ihre Arbeit sowie die Zukunft der Rhein-Zeitung. Entscheidend seien die Inhalte, sagte der Chefredakteur und erläuterte, man nehme den Lesern nichts weg, wenn man zusätzlich zur Print-Ausgabe auch eine App anbiete und online in sozialen Netzwerken unterwegs sei. Die digitale Komponente diene der Informationsvertiefung, erklärte er weiter und wies darauf hin, dass sich beispielsweise Videos nicht drucken lassen. „Jeder Leser kann selbst entscheiden, ob er auf diese zusätzlichen Angebote zugreifen möchte oder nicht“, so Lindner weiter.

Mir gefiel auch sein Hinweis darauf, dass man sich online auf „Augenhöhe mit den Lesern“ bewege.

„Heute wird das Personal anders ausgewählt.“ (Schwarze)

Die drei Herren

Von Digital-Chef Marcus Schwarze (li., mit Kollege Lars Wienand) erfuhren wir Genaueres zum Wandel innerhalb der Online-Redaktion. So sei es für die heutigen Redakteure wichtig, sich mit Social Media auszukennen. Umgekehrt bedeutet es jedoch auch, dass Journalisten aufgrund der aktiven Mitwirkung der RZ-Redakteure auf die Rhein-Zeitung aufmerksam werden und sich um eine Stelle bewerben. Eine interessante Entwicklung, wie ich finde.

Uns internetaffinen Lesern sind die Vorteile des Netzes längst klar, dennoch stellte sich heraus, dass viele der Anwesenden großen Wert auf die gedruckte Ausgabe legen. „Das Haptische ist mir auch sehr wichtig“, verriet einer der Besucher. Umso interessierter schlenderten wir anschließend durch die Räumlichkeiten des Druckhauses. Vom Papierrollen-Keller, in dem sich Gabelstapler eigenständig durch den Raum bewegten, über den Drucksaal, in dem täglich 3 Tonnen Farbe verbraucht werden bis hin zu den fertigen Zeitungen, die über ein Band im Lieferfahrzeug verschwanden, durften wir uns alles ansehen. Wir fotografierten und filmten was uns unter die Linse kam. Dabei entstanden viele wunderbare Fotos sowie Videos und ich freue mich außerordentlich, dass ich Euch hier einige Bilder des Fotografen Olaf Pohling präsentieren darf, der ebenfalls zu den Gästen zählte.

Die meisten von uns

Im Papierrollen-Keller

Transport der Papierrolle

Es wird gedruckt

Da fliegen die Zeitungen

Von allen Räumlichkeiten hat mich am meisten der Raum beeindruckt, in dem die fertigen Zeitungen von einer schweizer „Achterbahn“ transportiert werden. Das letzte Bild zeigt diese Konstruktion und steht, in meinen Augen, auch für das Image der Rhein-Zeitung. So wie sich die Print-Ausgaben durch den Raum bewegen, um die Kurven biegen, ohne hinunterzufallen – so scheint auch die ganze RZ in Bewegung zu sein. Fest im Sattel, zielstrebig und zu neuen Wegen bereit. Wir dürfen gespannt sein.

Wer mehr über die Arbeit eines Social-Media-Redakteurs wissen möchte, sollte sich das folgende Video mit Lars Wienand anschauen.

Der #RZ_FB_Abend war nicht nur informativ, sondern eine rundum interessante Erfahrung für mich und ich kann derartige Treffen nur weiterempfehlen.