Katja Kessler: Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren

Es begann ganz harmlos. Ich wollte lediglich ein Buch von Katja Kessler lesen. Warum? Weil ihre Bücher beliebt sind. Ich bilde mir gerne meine eigene Meinung.

Da zu dem Zeitpunkt Kesslers angekündigtes Buch über ihren einjährigen Aufenthalt in den USA noch nicht erschienen war, wählte ich das bis dato aktuellste: „Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren“. Ich bestellte es nicht wegen, sondern trotz des Titels. Ehrlich. Denn machen wir uns nichts vor, nach über elf Jahren Ehe kann ich unmöglich meinen Mann umerziehen. Dafür ist es eindeutig zu spät.

Der Tag an dem ich beschloss meinen Mann zu dressieren von Katja Kessler

Zur Autorin

Nur kurz, weil sie ohnehin fast jeder kennt: Katja Kessler hat eigentlich einen Doktortitel vor dem Namen stehen, da sie Zahnärztin ist. Zum Glück nichtpraktizierend, wie sie erzählt. Im vorliegenden Buch erfährt man dennoch Näheres zum Studium der Zahnmedizin – äußerst erhellend, versteht sich.

Wenn Frau Kessler von ihrem „Schatzi“ schreibt, dann meint sie Kai Diekmann, mit dem sie seit etwa 12 Jahren verheiratet ist und vier Kinder hat.

Als Journalistin und Frau des BILD-Chefs ist sie regelmäßig in der Promi-Welt unterwegs und lässt uns an dieser teilhaben.

Über Neurosen, Frauen und Männer

Kesslers humorvoll verfasstes Buch wirkt nicht nur wegen des Covers ansprechend. Es enthält zahlreiche Zeichnungen, private Notizen und Fotos sowie Lebensweisheiten berühmter Menschen. Bereits auf den ersten Blick ist erkennbar, dass auch der Inhalt nicht allzu ernst genommen werden sollte. Ein Buch wie ein Augenzwinkern.

Das spiegelt auch das Inhaltsverzeichnis wider, welches als Stichwortverzeichnis fungiert und das Buch scherzhaft zum Nachschlagewerk macht. Es ist unterteilt in die folgenden Themenbereiche:

  • „Was mir zu Männern einfällt … (überschaubar)“
  • „Was mir zu mir einfällt … (umfangreich)“
  • „Die süßen Kleinen“
  • „Die Mami-WikiLeaks (was nur Mütter voneinander wissen)“
  • „Kofferweise schlaue Lebenshilfe“
  • „Überraschungstüte“.

Während der Titel provoziert und nahezu männerfeindlich wirkt, wird bereits auf den ersten Seiten deutlich, dass Frau Kessler es keineswegs böse mit den Männern meint. Gekonnt nimmt sie zunächst sich selbst auf die Schippe. Diplomatisch, wie ich finde. Nicht zuletzt das macht sie so sympathisch, dass man ihr später nichts übel nehmen kann.

Beim Lesen stellte sich für mich zudem die Frage, woher Frau Kessler wohl meinen Gatten kenne. Wenn sie von ihrem Mann schreibt, klingt das an einigen Stellen ganz nach meiner besseren Hälfte. Aber wer weiß, vielleicht hat ja jeder Mann eine Schwäche für ungenießbar bittere Schokolade, wie „zum Beispiel Chili-Pfeffer-Senf-Schokoladen-Tafeln mit einem Kakaoanteil von hundertzwanig Prozent“ (S. 67) und kauft Dinge schon mal – wie Loriot selbst wusste – in Mengen, die nicht einmal eine siebenköpfige Familie innerhalb eines Monats verputzen könnte. Ach, und das mit der Currywurst-Bude stimmt ebenfalls. Denn sogar Männer, die Wert auf gesunde Ernährung legen, täglich Sport treiben und Fastfood kritisieren, bekommen ein Leuchten in den Augen, sobald sie am Baumarkt den Currywurst-Imbiss erblicken.

Auch wenn Frau Kessler von ihrem Gatten als Gentleman schreibt, muss ich lachend nicken. Was zuvorkommend ist, kann nämlich zugleich witzig sein: „Beim armen Schatzi ist das Scheitern programmiert. Seit Beginn unserer Ehe verwechselt er mich nämlich mit Flip, dem Grashüpfer. Heißt: Wo er den Mantel hinhält, gern Höhe dritter Halswirbel, haben normale Humanoiden gar keine Arme.“ (S. 72) Tja, das Schicksal kleiner Frauen. Ich weiß.

Ob sie mit den unterschiedlichen Muttertypen (wie z.B. die „Generalstabs-Mutti“, „Tussi-Mutti“ oder „Vati-Mutti“ …) abrechnet, sich an misslungene Promi-Partys erinnert oder vom Leben mit ihrer ganz eigenen Familie schreibt – Frau Kessler unterhält uns Leser/innen aufs Feinste. Sie lässt uns über Beobachtungen des Alltags und der Unterschiede zwischen Mann und Frau lachen, wagt aber auch, Dinge klar auf den Punkt zu bringen, die sich nicht jeder auszusprechen traut – insbesondere in puncto Emanzipation:

Ein schlauer Mensch sagte mal: »Emanzipation ist der Versuch der Frau, die Männer kleinzukriegen, aber nicht an der falschen Stellle.« Genau! Wie soll eigentlich der Typ im Schlafzimmer den Säbelzahntiger in sich entdecken, wenn wir tagsüber einen verschreckten Hamster züchten?“ (S. 68).

Und insgesamt?

Katja Kessler teilt ein wenig aus, aber fair. Sie schmunzelt über Männer und hält uns Frauen einen Spiegel vor. Witzig und überspitzt, aber auch lebenserfahren und tiefgründig. Solche Bücher kann nur schreiben, wer sich fürs Menschliche interessiert und mit offenen Augen durchs Leben geht. Alles weitere ist Geschmackssache.

Ich habe das Buch als sehr unterhaltsam und entspannend empfunden. Beides, Unterhaltung und Entspannung, können insbesondere Ehefrauen und Mütter gut gebrauchen. Zwischendurch. Außerdem lacht sogar der Ehemann mit.

Wer mag, kann sich den Trailer zum Buch anschauen. Allerdings finde ich ihn – im Gegensatz zur Lektüre – nicht wirklich ansprechend.

 

P.S.: Vorgestern kam ein Paket vom Bücherladen an. Schulbücher – aber ganz oben lag das aktuelle Buch von Katja Kessler.

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Ich wollte doch nur bloggen

Heutzutage muss man flexibel sein. Flexibel ist der Bruder von Multitasking. Zwei Viren, blutsverwandt und sehr gefragt. Jeder Personalchef verlangt nach ihnen. Vermutlich, weil er selbst sie noch nicht hat. Dummerweise fragt er ausgerechnet diejenigen, die besonders viel davon in sich tragen, vergleichsweise selten, ob sie nicht für ihn arbeiten …ähm… ihn damit anstecken möchten: Mütter.

Bloggerzone - Ideen, Multitasking, FlexibilitätBleiben wir einfach beim Jetzt und Hier. Es ist Freitagabend. Eigentlich möchte ich gerade über ein sehr interessantes Thema bloggen. Ich sitze seit wenigen Minuten auf dem Wohnzimmersofa, tippe vor mich hin und plötzlich: 1. Der Backofen piept, um mich daran zu erinnern, dass die Muffins vermutlich fertig sind. 2. Meine Tochter ruft: „Mama, ich brauche Nasentropfen! Ma-ma!“ Und gerade als ich im Kinderzimmer stehe und die mit einem Tropfen gefüllte Pipette in der Hand halte, fängt – drittens – mein Handy in der Küche an, Harfenklänge von sich zu geben. Die wunderschöne Melodie soll mich daran erinnern, dass ich selbst ein Medikament einnehmen muss. Kaum dass ich wieder auf dem Sofa sitze – viertens -, ruft mein Sohn: „Mama, ich habe eine Feder in meinem Bett gefunden!“ Wenn Ihr mich fragt, haben Daunenkissen gewisse Nachteile. Okay, mein Sohn verlangt nicht, dass ich die Feder holen komme. Er bringt sie selbst vorbei. Was man eben nicht alles so macht als Kind, um nicht schlafen zu müssen.

Und solltet Ihr nun davon ausgehen, dass ich gerade gelassen durchatme, dann täuscht Ihr Euch. Das war ein genervtes Luftholen. Warum? Soeben verlangte mein Mann, dass ich aufstehe und mich zu ihm an den großen Esstisch begebe, damit er mir einen Filmtrailer aus der Rubrik „Crowdfunding“ zeigen kann. „Der ist cool, musst du dir ansehen!“ Ich habe aber keine Lust, weil ich in den zehn Minuten, in denen ich hier sitze, schätzungsweise 6 Mal aufgestanden bin.

Der Trailer war absoluter Trash. Das habe ich auch ausgesprochen. „Ja, aber das ist cooler Trash. Die 80er Jahre absichtlich cheesy dargestellt und deshalb witzig“, erklärt mir meine bessere Hälfte, obwohl ich die Worte des Filmemachers selbst gehört habe. „Cheesy….blabla…trash….blabla….cool and funny.“ Auch ich verstehe Englisch. „Stell dir vor“, ergänzt mein Mann,“ der Film wurde größtenteils in der Green-Box gedreht.“ Ja, das sieht man!

Nun sitze ich wieder auf dem Sofa. Meine viel zu guten Ohren vernehmen den Klang von Kinderfüßen auf dem Laminatboden im Flur. Das lässt mich erahnen… Kurz bevor der erste Satz dieses Textes hier getippt war, hatte nämlich eines meiner Kinder nach einem Glas Wasser verlangt. Wir leben nunmal in der Wüste und der Durst ist sehr groß. Jetzt brauche ich daher nur eins und eins zusammenzählen… Schon fällt die Toilettentür zu.

Inzwischen kühlen die Muffins auf dem Küchentisch ab, unsere Süßen schlafen, mein Mann arbeitet an seinem MacBook und ich tippe – zum wievielten Mal? – weiter. Trotz der Unterbrechungen habe ich den Text verfasst, den ich mir vorgenommen hatte – und diesen hier. Den vorliegenden Beitrag veröffentliche ich morgen (für Euch ist das also jetzt), obwohl er ungeplant war. Bin ja flexibel. Nun gehe ich in die Küche und schwinge meinen Zauberstab, um die Muffins in Cupcakes zu zaubern.

 

Kleiner Ausflug: Reichsburg Cochem

Zum ersten Mal besichtigte ich als Grundschülerin die Reichsburg Cochem. Unser damaliger Klassenlehrer unternahm gerne Wanderungen und Busausflüge mit uns – ganz besonders zu Burgen. Das bot sich auch an, denn wir lebten an der Mittelmosel – einer Region, die für ihre Burgen bekannt ist.

Reichsburg Cochem
Reichsburg Cochem

Nach vielen Jahren, in denen ich hin und wieder Verwandten die schöne Reichsburg zeigte, war ich gestern zum ersten Mal mit meinen Kindern dort. Für sie war das ein kleines Abenteuer – in mehrfacher Hinsicht.  Denn das Besondere ist nicht nur die Burg selbst, sondern auch der Weg dorthin. Die Burg steht auf einem Weinberg, sodass man zu Fuß einen recht steilen Weg hochlaufen muss, der an Winzerkellern und Weinreben vorbeiführt. Wunderschön.

Ist man oben angekommen, belohnt einen der herrliche Ausblick auf Cochem und die Mosel.

Die Mosel vom Burgeingang aus gesehen.

Glücklicherweise findet etwa alle 10 Minuten eine Burgführung statt. Niemand muss lange warten. Wer jedoch eine Verschnaufpause einlegen möchte, kann dies in der Schänke der Reichsburg tun.

Der Burgführer erläutert die einzelnen Bauepochen.
Der Burgführer erläutert die einzelnen Bauepochen.

Neben den üblichen Führungen werden auch Kinderführungen angeboten. Doch auf Kinder wird hier immer eingegangen. Sie dürfen einen Geheimgang betreten, eine Kanonenkugel halten und – Geheimnis! – eine goldene Münze aus der Schatzkammer mitgehen lassen. (Wundert Euch also nicht, wenn plötzlich alle anwesenden Kinder Schokolade naschen.)

Innenhof der Reichsburg Cochem

Zu den Besonderheiten dieser Burg zählen die Decken, denn jede ist anders. Keine Decke gibt es zweimal.

Das Jagdzimmer
Das Jagdzimmer

Im Jagdzimmer stehen Weinkrüge aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Damals wurde deutlich mehr Wein getrunken als heute. Ein Krug entsprach etwa einer Tagesration Wein pro Kopf.

Weinkrüge aus dem 13. und 14. Jahrhundert.
Weinkrüge aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Tipp: Auf der Homepage der Reichsburg werden zahlreiche Innenansichten geboten, auf denen man Möbel und Wände bestaunen kann.

Louis Fréderic Jacques Ravené mit Ehefrau und Kindern.
Louis Fréderic Jacques Ravené mit Ehefrau und Kindern.

Louis Fréderic Jacues Ravené war es, der 1868 die Reichsburg Cochem kaufte und sich 10 Jahre lang mit ihrem Wiederaufbau befasste. Möglicherweise widmete er diesem Hobby allzu viel Zeit, denn kaum dass seine Frau ihr drittes Kind geboren hatte, brannte sie mit einem Benkier durch, den sie wenige Jahre später heiratete. Mehr geschichtliche Daten erfährt man zum Beispiel hier.

 

Die Mosel von oben. Ausblick vom Burgbalkon.
Die Mosel von oben. Ausblick vom Burgbalkon.

Der Burg-Rundgang führt unter anderem auf einen Balkon mit beeindruckender Aussicht.

Innenhof der Reichsburg Cochem

 

Diese Burg ist einen Ausflug wert – nicht zuletzt wegen des schönen Ortes Cochem, der zweitkleinsten Kreisstadt Deutschlands. Viel Spaß!

Programmieren für Kinder

Im Ausland längst ein Thema, kommt die Einsicht jetzt auch langsam bei uns an: Programmieren können schon Kinder lernen. Können? Dürfen! Möchten. Jeder Softwareentwickler weiß, dass es Spaß macht, eigene Programme zu erstellen – und die meisten Eltern sehen täglich wie gerne ihre Kinder an Computerspielen sitzen. Schon kleine Kinder greifen vergnügt zum Tablet und wischen was das Zeug hält. Intuitiv scheinen sie zu wissen wie diese Geräte und ihre jeweiligen Programme funktionieren. Da stellt sich nicht ohne Grund die Frage, ob ein stupides Benutzen nicht schade ist und es nicht sinnvoller wäre, Kindern zu zeigen, WIE sie selbst etwas entwickeln können.

Glücklicherweise muss weder Mama noch Papa ein begnadeter Entwickler sein, denn das Online-Angebot an kostenlosen Programmierkursen nimmt stetig zu. t3n hat bereits 2013 einige Tools vorgestellt, die Kindern den Einstieg erleichtern. Ergänzend dazu möchte ich auf „The Hour of Code“ verweisen. Dabei handelt es sich um Tutorials, in denen Kinder von Leuten wie Bill Gates (der „If statements“ erläutert) und Marc Zuckerberg ins Programmieren eingeführt werden und beispielsweise kleine Spielrunden mit Angry Birds selbst entwickeln können. Ich durfte mehrfach dabei zusehen und kann bestätigen, dass es Kindern großen Spaß macht. Den Trailer zum Projekt könnt Ihr hier sehen:

 

Das aktuellste Angebot hat es jedoch auch in sich: Programmieren lernen mit Shaun, dem Schaf! Ein eigenes Shaun-Spiel entwickeln zu können, ist bestimmt für viele Kids eine tolle Vorstellung. Wo genau das geht? Bei Shauns Game Academy. Hier ein kleiner Spot dazu:

 

Wer jetzt sagt, Programmieren sei mehr als nur Spiele zu entwickeln, dem stimme ich absolut zu. Doch die bekanntesten Softwareexperten haben als Kind beziehungsweise Teenager mit eigens programmierten Spielen angefangen. Übrigens, auch Erwachsene können es ausprobieren! 😉

 

Der Tag ist im Eimer

Der Tag ist im EimerMorgens wachst Du auf und denkst: „Ach, könnte ich mich doch einfach auf die andere Seite drehen.“ Dann stehst Du trotzdem auf. Schlafmangel kennen wohl die meisten von uns. Kein Thema.

Gut, Du bist also wach und optimistisch. Doch noch bevor du dir sagen kannst, dass der Tag ganz gut werden wird, stellt sich heraus, dass du dich irrst.

So erging es mir heute. Wochenlang hatte ich gegen eine Erkrankung gekämpft, die mich sehr einschränkte. Seit es mir besser geht, begegnet mir täglich die Aufforderung: „Alexandra, mach dir keinen Stress. Mach langsam.“ Klingt gut und – mal davon abgesehen, dass ich absolut nicht der langsame Typ bin – setze ich normalerweise gerne gute Tipps um. Das ist jedoch schwierig, wenn der Tag gegen einen arbeitet.

Müdigkeit hin oder her, mit super Laune und praktisch auf dem Sprung zur Arbeit … Einem meiner Kinder ging es plötzlich gar nicht gut. Nach längerer Anwendung diverser Methoden, die Mütter mit bestem Willen aber medizinischer Ahnungslosigkeit nunmal so anwenden: keine Besserung in Sicht. An einer Planänderung des Tages führte daher kein Weg vorbei. Nennen wir sie einfach Planänderung Teil 1.

Das hieß: Anruf in der Kinderarzt-Praxis, um noch am selben Tag einen Termin zu bekommen. Dem folgte große Freude, weil es geklappt hat, obwohl Mittwoch ist.

Dieses kleine Hoch der Gefühle hielt jedoch nicht lange an, da mir ein Schritt ins Badezimmer eine weitere Überraschung offenbarte: Einer der Schränke stand unter Wasser. Wer Kinder hat, weiß, dass so etwas möglich ist. Da ich wenige Minuten davor, meine Jüngste mit Wasser spielen gehört hatte, nahm ich an, sie sei der Grund für die Überflutung gewesen. Leider war das ein Irrtum.

Denn nach meiner Aufwisch-Aktion (Ihr versteht sicher), stand der besagte Schrank wieder unter Wasser. Ich meine, er war richtig durchnässt – einschließlich der darin liegenden Elektrogeräte. Eine schnelle, oberflächliche Kontrolle der Wasserrohre offenbarte mir, dass eine handwerkliche Betätigung für den heutigen Abend eingeplant werden sollte. Kurz: Rohr kaputt.

Egal, Gegenstände sind nicht so wichtig, Kinder gehen vor. Daher Planänderung Teil 2: Mit meinen Eltern versuchte ich auszumachen, dass ich schnell zur Arbeit fahren, besonders dringende Aufgaben erledigen, dann meinen Erstgeborenen bei ihnen abholen und mit ihm zum Arzt fahren würde, um danach wieder zurück ins Büro zu düsen. Berufstätige Mütter kennen das vermutlich. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass meine Eltern in der Nähe wohnen und mein Vater bereits im Ruhestand ist. Das bietet viele Vorteile. Er war es daher auch, der mir folgenden Vorschlag unterbreitete: „Mach dir keinen Stress. Fahr du einfach zur Arbeit, ich hole dich später samt Patient ab und lasse euch beide an der Praxis raus. Dann brauchst du keinen Parkplatz zu suchen. Danach bringen wir dich wieder zur Firma.“ Ja ja, ich weiß mein Glück zu schätzen. Die Sache war abgemacht, der Plan stand.

Um zehn Uhr hätte ich am Bürogebäude abgeholt werden müssen. So war der Plan. Doch – genau – dann kam Planänderung Teil 3. Gegen 9:50 Uhr erhielt ich einen Anruf. Das Auto meines Vater sprang nicht an. Ein eigentlich einwandfreies supertolles Fahrzeug. Eigentlich. Kommentar meiner Kollegen: „Mach dir keinen Stress.“ 

Nun gut, heute muss man flexibel sein. In diesem Fall bedeutete es, dass ich zum Parkplatz laufen, in meinen Wagen springen und zurück nach Hause fahren musste. Mal schnell Sohnemann und meinen Vater abholen. Da bis zum Arzttermin nicht mehr viel Zeit blieb, musste das alles zügig vonstatten gehen. Kein Problem, mein Fahrstil ist ohnehin gewöhnungsbedürftig – unter uns gesagt.

Für diejenigen, die nicht mehr ganz folgen können: Ich fuhr vom Büro zurück nach Hause, holte die beiden ab, fuhr zur Praxis, stieg mit Kind aus und ging zum Arzt – während mein Vater im Auto wartete, um mich dann zurück zur Arbeit zu fahren. Warum? Weil er aufgrund eigener Termine meinen Wagen brauchte, solange seiner defekt war.

Etwa eine Stunde später saß ich wieder im Büro und ging meinen Aufgaben nach. Der Tag war (ist noch?) verrückt. Denn eine defekte Toilettenspülung, mein plötzlich nicht mehr funktionierendes Smartphone (geht inzwischen wieder) sowie zwei weitere Überraschungen, erspare ich Euch an dieser Stelle. Froh bin ich, weil es meinen Kindern gut geht.

Und ist mal Euer Tag im Eimer: Macht Euch keinen Stress.

 

Große Probleme erfordern einfache Lösungen

Erwachsene neigen dazu, Dinge komplizierter zu machen, als sie sind. Das scheinen jedenfalls Kinder häufig zu denken. Sie haben selbst für große Probleme einleuchtend einfache Lösungen.

Beispiel: Am Mittag erklärte ich meinen Kindern, dass ich heute einen Fachartikel zu einem komplexen Thema schreiben müsse. Ich erwähnte, dass es sich dabei um Tipps für Lehrer handle, wie sie Kinder, die den Unterricht stören, zur Mitarbeit bewegen und der gesamten Klasse den Lernstoff vermitteln könnten.

Daraufhin mein Sohn: „Aber das ist doch ganz einfach, Mama!“ Ich staunte. „So?“

„Ja“, beteuerte er. „Die Lehrer brauchen doch nur Micky Maus macht Schule zu bestellen und alle Kinder werden mitmachen!“

Ich schaute skeptisch, doch Sohnemann fuhr enthusiastisch fort.

„Das ist ein Sonderheft der Micky Maus. Dann können die Kinder Comics lesen und lernen noch dabei!“ Er warf mir einen intensiven Blick zu und hob den Zeigefinger. „Sogar von Dirk Müller, dem Finanzexperten!“

In dem Moment fiel mir ein, was er meinte. Neuerdings gibt es ein Projekt, in dem die Micky Maus mit einem Sonderheft, einer Finanzspritze von 3000 Euro sowie einer Doppelstunde von Dirk Müller Schulen unterstützt. Die Werbung dafür hatte ich in einem der Comic-Hefte meines Sohnes bereits vor Wochen gesehen.

Micky Maus macht Schule

„Na, wenn das keine Lösung ist!“, bejahte ich daher. Zumindest für den trockenen Mathematikunterricht wäre das gar nicht mal schlecht. Donald, Dagobert und Dirk – so muss rechnen doch Spaß machen. Oder etwa nicht?

Jetzt muss ich mich trotzdem an den Artikel setzen, aber falls die Sache nicht läuft, habe ich definitiv etwas in der Hinterhand …

Kinder, spielt mit Autoreifen!

GefahrenzeichenDieser Monat ist dem Spielzeug gewidmet. Zumindest auf „BerlinFreckles„, denn dort findet eine von Tollabox geförderte Blogparade zum Thema „Zeug zum Spielen vs. Spielzeug“ statt. Als ich davon las, war mir sofort klar, dass ich mich daran beteiligen würde. Es ist ein wichtiges Thema, das man fröhlich angehen, aber auch kritisch auslegen kann. Ich habe mich für Letzteres entschieden.

Wer will mit einem Spiderman aus unlackiertem Holz spielen?

Spielsachen bereichern das Kinderleben. Oder etwa nicht? In den letzten Jahren wurden immer mehr Untersuchungsergebnisse publik, die besagen, dass viele Spielsachen Schadstoffe (Blei, Arsen, Pthalate, etc.) enthalten. Einige der Stoffe sind krebserregend, andere verändern das Erbgut oder führen zu Hautveränderungen – um nur einige Beispiele der Folgen zu nennen. Wer glaubt, seine Kinder schützen zu können, indem er online recherchiert, jedes Spielzeug unter die Lupe nimmt oder sich an Tipps der Verbraucherzentrale hält, dem sei nur ein Wort genannt: Kita. Man kann (vielleicht) auf antibiotikahaltiges Fleisch und Eier unglücklicher Hühner verzichten, aber selbst Kinder, denen Kohlrabi-Suppe mit Tofustreifen schmeckt, kommen mit schadstoffhaltigem Spielzeug in Berührung. Nicht nur einmal. In Kindergärten durchgeführte Urinproben wiesen diese Stoffe nach.

Regelmäßig tauchen in den Medien folgende Tipps auf:

  • Kein stinkendes Spielzeug kaufen.
  • Je weicher das Plastik, umso schädlicher ist es.
  • Holzspielzeug ist besser als Plastik.
  • Zu deutschen Produkten greifen!
  • Finger weg von Billigware!

Dumm nur, dass….

  • …. Plastik und Gummi häufig stinken.
  • …. fast alle Plastikfiguren biegsam sind und somit Weichmacher enthalten.
  • …. Holzspielzeug nicht selten mit schädlichen Farben lackiert ist und Kinder zudem so gar nicht auf Holz-Spidermänner stehen.
  • …. inzwischen auch „deutsche“ Produkte im Ausland hergestellt werden.
  • …. auch in teuren Produkten zu hohe Werte an Schadstoffen gefunden worden sind.

Als Mutter, die ihren Kindern die Freude am Spielen nicht nehmen möchte, aber zugleich großen Wert auf gute Produkte legt, schaue ich mir das Spielzeug an, bevor ich es kaufe und gebe zu, deutsche Sachen zu bevorzugen. Dennoch bin ich bereits mehrfach auf die Nase gefallen. Da kauft man ein teures Holzeisenbahn-Set aus angesehenem europäischen Hause, um wenige Monate später zu erfahren, dass ausgerechnet dieses Produkt ausnahmsweise im fernen Ausland hergestellt und versehentlich mit giftigen Farben lackiert worden war. Dumm nur, dass ein zweijähriges Kind nicht so lange braucht, um die Farbe davon abzulutschen.

Selbst wenn man als Mutter oder Vater auf alles achtet, das Kind einen der wenigen deutschen Kindergärten besucht, in denen auf „gutes“ Spielzeug Wert gelegt wird, gibt es noch Verwandte und Bekannte, die möglicherweise…. Ach, ich höre auf, so macht das ganze doch gar keinen Spaß! Ernsthaft, ich dachte immer, Spielsachen seien zum Spaßhaben da.

Bisschen Gift kann nicht schaden – das ist wie mit Schokolade.

Inzwischen haben EU-Politiker reagiert und neue Gesetze verabschiedet, die Veränderungen in den Grenzwerten beinhalten. Leider scheinen die netten Damen und Herren etwas falsch verstanden zu haben. Denn beispielsweise die Grenzwerte für schädliche Kohlenwasserstoffe (PAK) liegen bei Kinderspielzeug weit über denen von Autoreifen. Logische Konsequenz: Kinder mit Autoreifen spielen lassen.

Wäre es unverschämt, die Politiker dazu aufzufordern, nicht auf irgendwelche Lobbys, sondern ihren (gesunden?) Menschenverstand zu hören? Oder zumindest an die Kinder – unsere Zukunft – zu denken? Ach was, die Lobbyisten haben ihnen bestimmt sehr eindrücklich erklärt, wie es sich mit den Giften verhält: wie mit Süßigkeiten. Bald wird es nicht „Ein Stück Schoki und vier Gummibärchen – mehr nicht!“ heißen, sondern:

„Heute nur das bleihaltige Spielzeug – die krebserregenden Sachen morgen, Paulchen!“

Zwar hat die Bundesregierung gegen die neuen EU-Richtlinien geklagt, aber zu einer Entscheidung wird es nicht vor 2014 kommen und wie diese dann aussehen wird, kann keiner sagen.

Manchmal frage ich mich, wie das in meiner Kindheit war. Haben wir in den 70ern und 80ern auch mit belastetem, Erbgut veränderndem Zeug gespielt? Kinderhasser (ja, die gibt es!) würden bestimmt sagen: „Schaut man sich die Kids von heute an, muss es ja stimmen.“

Ehrlich, ich weiß es nicht. Zumindest war das Plastik damals härter, enthielt somit möglicherweise keine oder weniger Weichmacher – die nachweislich gesundheitsschädigend sind. Unabhängig davon, ist eines klar: Unsere Eltern wussten nicht Bescheid. Gifte im Spielzeug waren kein Thema. Damals rauchten ja auch fast alle. Das war selbstverständlich und absolut gewöhnlich. Wer anders sein wollte, griff nicht zur Zigarette, sondern zur Pfeife oder Zigarre. Das war´s.

Mit dem Wissen kam die Verantwortung. Verdammt!

Heute wissen wir mehr, doch wäre es nicht wesentlich bequemer, weniger informiert zu sein? Könnte man das Leben dann nicht viel mehr genießen?

Und: Wollen wir unwissend tun oder die Industrie in die Knie zwingen? Ha!  Ja, ja, ich weiß, wie das klingt. Eltern, die sich an die Eingangstüren großer Spielzeugfabriken ketten, will keiner sehen. Vor allem, weil es unsinnig wäre, das zu tun. Und nein, ich habe nichts gegen den globalen Handel, wohl aber gegen skrupellose westliche Firmen, die nur am eigenen Profit interessiert sind. Doch das ist ein anders Thema.

Lassen wir das und kaufen die sechste Stoffpuppe, in der Hoffnung, der Stoff möge unbelastet sein, nicht aus Bangladesch kommen und das Püppchen von Kinderhänden genäht worden sein. Reden wir uns die neue Action-Figur aus Plastik schön. Denn was haben wir für eine Wahl? Bei einem Glas Wein – oder drei – sieht die Welt gleich schöner aus und das Leben wird leicht.