Regenwettergedanken

RegenwetterHeute wachte ich ungewohnt früh auf. Es war noch stockfinster, doch laute Regentropfen erinnerten an das aktive Leben auf der anderen Seite der Fensterscheibe. Während in der Geborgenheit des Raumes alles schlief, erklang draußen eine Melodie, wie es sie schon vor Jahrhunderten und Jahrtausenden gegeben hat. Regen, zunächst leicht, dann hartnäckig.

Wer früh aufwacht, hat mehr Zeit. Es ist, als bekäme man einige Stunden geschenkt. Zeit, die nicht in die 24 Stunden des Tages gerechnet wird. Zeit, die lose im Raum hängt. Man muss nur zugreifen.

So lag ich da und sah zu, wie es heller wurde. Kein Druck, doch noch etwas mehr Schlaf abzubekommen oder an konkrete Dinge zu denken, die heute unbedingt erledigt werden sollten. Einfach nur liegen, entspannen und die Gedanken baumeln lassen. Ist auch mal schön.

Als das erste Tageslicht ins Zimmer fiel, sah ich Legosteine. Fast auf dem Boden liegend, hatte ich sie perfekt im Blick. Grün, gelb, rot und blau standen und lagen sie da als Figuren oder lose verstreut. Manche nennen das Kunst. Sie heißen Kinder und gehören der Gattung an, die ungern aufräumt. „Wir sind Künstler“, behaupten sie.

Nun lagen die Kunstwerke vor mir, bunt im Morgenlicht. Nichts hätte schöner sein können. In den Betten neben mir schliefen meine Kinder wohlig und froh. Das Kind, das in der Nacht Bauchweh gehabt und meine Nähe gebraucht hatte, fühlte sich sichtbar besser. Ich hörte dem Regen zu, genoss die Zeit. Es wurde hell.

Auch jetzt ist es noch früh. Manche fahren bereits zur Arbeit, andere frühstücken vielleicht. Ich sitze auf dem Sofa, trinke Kaffee und höre zu wie allmählich immer mehr Autos die Straße entlang fahren, wie die Regentropfen auf Fensterbretter und Garagendächer fallen, laut in Pfützen platschen.

Guten Morgen.

Let´s talk about: Fehlgeburt

Vermutlich kennen viele von Euch die Sendung frauTV (WDR). Heute wird man sich dort dem Thema Fehlgeburt widmen. Als ich diesen Hinweis in den sozialen Netzwerken las, kamen sofort Erinnerungen in mir hoch.

 

Insbesondere WEIL es sich dabei anscheinend immer noch um ein Tabuthema handelt, OBWOHL es keine Seltenheit ist, habe ich mich dazu entschieden, etwas so persönliches zu bloggen.

Anfang Januar 2007 bestätigte mir meine Gynäkologin, dass ich mein zweites Kind erwartete. Kein guter Zeitpunkt, unter anderem weil es mir gesundheitlich nicht gut ging, aber ich freute mich trotzdem.

Wenige Wochen später, ausgerechnet am Geburtstag meiner Mutter, wachte ich mit starken Unterleibsschmerzen auf. Sie begannen wie Beschwerden vor der Periode, wurden aber zunehmend stärker. Ich machte mir Sorgen ums Ungeborene. Als dann auch noch die Blutung einsetzte, ließ ich mich sofort von meinem Mann ins Krankenhaus fahren.

Eine junge Ärztin führte uns ins Untersuchungszimmer. Ich hatte weiterhin starke Schmerzen und große Angst ums Kind. Es lässt sich nicht in Worte fassen, wie sehr ich hoffte, es nicht zu verlieren. Aber mein Gefühl und Verstand sagten mir, dass da gerade nichts Gutes passierte. Die Ärztin machte einen Ultraschall. „So, Sie sagen also, dass Sie schwanger sind“, richtete sie sich währenddessen an mich. „Ja. Meine Gynäkologin hat das bestätigt.“ – „Tja, aber da ist jetzt nichts mehr.“

Mir wurde schlagartig schlecht. Ich hätte mich übergeben können. Ein Schlag ins Gesicht. Die Ärztin grinste. Das war kein gefühlvolles Lächeln. Vielleicht wusste sie einfach nicht weiter, aber ….. Ich bat um Wasser. „Wir können den Rest direkt veranlassen“, hörte ich sie sagen. „Was meinen Sie?“ Ich konnte kaum klar denken. „Na, sie bekommen eine leichte Narkose und alles wird ausgeschabt.“ Ähm. Plötzlich war ich bei wachem Verstand. „Nein, ich möchte das jetzt nicht“, sagte ich entschieden. Die Ärztin blickte von meinem Mann zu mir. „Sie sollten es aber machen lassen. In den nächsten Tagen muss das gemacht werden – entweder hier oder bei Ihrer Frauenärztin.“ Das war ein gutes Stichwort. „Gut, dann macht das meine Ärztin.“ Wir fuhren nach Hause. (Übrigens blieb mir die Prozedur dann doch erspart.)

Unterschätzt die Männer nicht!

Trauer. Wir standen monatelang neben uns. Es mag für manche Menschen seltsam klingen, denn die Schwangerschaft war noch nicht weit fortgeschritten. Totgeburten sind wirklich schlimm – und der Verlust eines Kindes, das man schon hatte. All das ist tausendmal schlimmer. Aber eine Fehlgeburt ist dadurch nicht bedeutungslos. Sie tut weh – körperlich und seelisch. Ich suchte die Schuld bei mir. Irgendwer musste schließlich schuld sein…. Das ist Blödsinn, aber als diejenige, die das Kind in sich trägt, fühlt frau sich nunmal schnell schuldig. Auch mein Mann litt. Die Sache nahm ihn ziemlich mit. Wir erzählten so gut wie niemandem davon – und unser Umfeld merkte uns bestimmt nichts an. Doch privat sah es anders aus. Wir dachten oft daran.

Aus meinem Studium wusste ich noch (theoretisch), wie sehr Männer beispielsweise im Zusammenhang mit künstlicher Befruchtung ausgeschlossen werden und sich alleingelassen fühlen. Während die Frau mit Kinderwunsch umsorgt wird, kümmert sich niemand um das Gefühlsleben des Mannes an ihrer Seite. Männer werden nicht schwanger und bringen keine Kinder zur Welt, deshalb wird manchmal vergessen, dass auch ihre Gefühle stark sein können. In allen Lebenslagen. Auch bei Fehlgeburten sollte man sie nicht übersehen. Denn viele Männer leiden ohne große Worte.

Wer schon Kinder hat, erhält Lebensfreude.

Als Frau möchte ich klarstellen, dass eine Fehlgeburt körperlich schmerzhafter sein kann als die erfolgreiche Geburt eines Babys. Unfair, aber leider wahr. Und was gegen den seelischen Schmerz hilft? Mir half mein Erstgeborenes. Es ist erstaunlich: Einerseits zeigte mir die Existenz meines Kindes, was ich da Wertvolles verloren hatte und zugleich half sie mir über den Schmerz hinweg. Mein kleines Kind zu Hause hielt mich auf Trab, lächelte mich zuckersüß an und schenkte mir Lebensfreude.

Inzwischen habe ich zwei Kinder. In der dritten Schwangerschaft verlief alles gut, und ich bin täglich dankbar für mein zweifaches Mutterglück.

Es gibt aber viele Frauen, die einen starken Kinderwunsch haben, doch leider immer wieder Fehlgeburten durchmachen. Eine furchtbare Vorstellung. Ich kenne einige, denen es jahrelang so ging. Inzwischen haben fast alle von ihnen Kinder. Ob oder wie oft sie an die schlimmen Erlebnisse von früher denken, weiß ich nicht. Denn jetzt sind sie glücklich.

Nachtrag vom 10.06.16:

„Wir sind noch hier“ (Erfahrungsbericht einer Bloggerin zu Fehlgeburt + Ausschabung)

 

 

 

Werbung im Kino – Eine notwendige Kritik

Bildschirmfoto 2016-01-14 um 10.49.42In den letzten Wochen war ich mehrfach im Kino und habe mich über einiges aufgeregt. Nicht über die Filme, denn die waren gut. Was mich wütend macht, ist der Umgang mit und unüberlegte Einsatz von Werbespots und Trailern, die vor dem eigentlichen Film laufen. Wer bestimmt die Auswahl? Und wie dumm müssen diese Entscheider sein?

Ich fange mit einem Lob an. Als ich mit meinen Kindern Peanuts schauen war, bekamen wir einen ungewöhnlichen Werbefilm zu sehen, in dem beeindruckende Naturaufnahmen gezeigt werden und die Erde mit uns Zuschauern spricht. Der Spot heißt Mutter Natur und wird von der wunderbaren Hannelore Elsner gesprochen. Im ersten Moment war ich skeptisch, weil die Aufnahmen uns Zuschauer aus einer fröhlichen Stimmung und der Erwartung, gleich von einem mehr oder weniger lustigen Film unterhalten zu werden, regelrecht hinauskatapultierten in eine sehr ernste Thematik. Doch die „Werbung“ für unseren Planeten ist so gut und sinnvoll, dass ich sie Euch nicht vorenthalten möchte.

Was mich also daran stört, wollt Ihr wissen? Mich regt die Tatsache auf, dass mir dieser Spot nur vor „Kinderfilmen“ begegnet. Sollen Kinder die Zielgruppe sein? Im Film heißt es doch, dass wir nicht erst in 10 oder 20 Jahren an die Umwelt denken dürfen, sondern jetzt handeln müssen. Den nachfolgenden Generationen bürden wir schon mehr als genug auf. Sind also Eltern die Zielgruppe? Auch das kann nicht sein, denn die Zukunft von Erde und Mensch hängt nicht nur von Leuten mit Nachwuchs ab, sondern von allen zusammen. Deshalb frage ich mich, warum so ein gelungener Werbefilm nicht auch vor Kino-Hits wie zum Beispiel Star Wars 7 läuft. Weil die Werbung für Horrorfilme, die da abgespielt wird, wichtiger ist? Da wären wir also beim nächsten Punkt.

Star Wars 7 wird für Kids ab 12 Jahren empfohlen. Was bedeutet, dass Kinder ab 6 Jahren den Film sehen dürfen, wenn sie von einem Erwachsenen begleitet werden. Bei einem Kino-Film, der Teil eines so erfolgreichen und umfangreichen Merchandisings ist wie Star Wars, liegt die Erwartung nahe, dass viele Kinder unter 12 mit ihren Eltern in den Kinos sitzen werden. Auf heißen Kohlen vor lauter Vorfreude auf die ersehnte Fortsetzung. Doch gleichgültig ob unter 12 Jahren oder knapp drüber – die Werbespots, die vor diesem Film abgespielt werden, sind an Rücksichtslosigkeit und Desinteresse den Kindern gegenüber nicht zu überbieten. Einerseits wird überall an Kindern verdient – von Shirts über Spielsachen bis hin zum Joghurt. Star Wars sells. Doch ausgerechnet im Kino sollen die Kinder unwichtig sein? Ihr Kino-Leute da draußen wollt, dass Kids und ihre Eltern zu Euch kommen und Eintritt bezahlen, aber ansonsten denkt Ihr überhaupt nicht nach!

Die im Kino anwesenden Kids hielten sich Ohren sowie Augen zu als die Vorschau kam, denn es wurden fast ausschließlich Horrorfilme (wie Unfriend, ab 16J.)  beworben. Natürlich half das nicht, denn die Lautstärke, in der die Vorschau immer abgespielt wird, ist zu hoch. Wo war denn da der Spot für die Erde? Und wo blieben die Komödien? Auch Actionfilme wären besser gewesen als diese Horror-Szenen. Oder glaubt hier ernsthaft jemand, dass Star-Wars-Interessierte ansonsten nur Horrorfilme schauen?! Warum müssen Kinder vor Peanuts mit dem ernsthaften Thema rund um unseren Planeten konfrontiert werden, aber Fans einer Reihe, in der es um fiktive PLANETEN geht, nicht?

„Kids, man darf nie die ernsten Dinge des Lebens vergessen! Aber hey, ihr Erwachsenen da draußen, ihr dürft euch von einem coolen Film unterhalten lassen und hier – wir geben euch schon mal einen Vorgeschmack auf krasse Szenen aus echt starken Thrillern und Horrorfetzen. Klar, dass ihr keinen Bock auf Umwelt und so ´nen Scheiß habt. Jetzt lasst uns die Laserschwerter schwingen!“ Glauben die „Kino-Bestimmer“ tatsächlich, dass Star-Wars-Begeisterte so dämlich sind? Ach was, Wirtschaft und Geld gehen nunmal vor Menschlichkeit, Rücksicht und Logik. Vielleicht sollten wir Kindern das über unsere Welt sagen, aber sie sind schlau genug und nehmen die Dummheiten der Erwachsenen wahr.

Von Retro-Eis bis Klatschblasen: Opa-Enkel-Geschichten

20151002_190116In einer Zeit, in der Väter werktags kaum Zeit für ihre Kinder haben, Mütter ohnehin alles tun, es an Kindergärten und Grundschulen fast ausschließlich weibliches Personal gibt und der Alltag ein schnelles Tempo vorgibt, sind entspannte Opas gefragter denn je.

Mal ehrlich, wer von Euch erinnert sich nicht gerne an seine Großväter? Die meisten Leute, die ich kenne, erinnern sich gerne an die Geschichten, die ihnen ihre Opas erzählten. Anekdoten aus Kindheit und Jugend. Okay, mindestens die Hälfte davon war erfunden, aber das spielt keine Rolle. Meine Großeltern starben leider früh. Daher bin ich dankbar, dass meine Kinder noch alle Großeltern haben.

Mein Vater ist inzwischen Rentner und hat viel Zeit. Das heißt, er KÖNNTE Freizeit haben, doch seine Enkelkinder wissen ja, dass er zu Hause ist. Daher möchte ich mich heute auf den „Rentner-Opa“ konzentrieren. Macht er etwas anders, als es der Kindesvater täte? Spielt der Generationsunterschied dabei eine Rolle – und ist das gut? Ich lasse einige Bilder sprechen.

Retro-Eis

Eines Tages kam mein Vater mit Waffeln und zwei Packungen Eiscreme zu uns. „Wisst ihr Kinder“, sagte er, „als ich so alt wie ihr war, gab es noch keine Eiscafés. In dem Ort, an dem ich damals lebte, stand ein Büdchen mit einem kleinen Fenster, durch das wir Kinder Eis kaufen konnten. Dort gab es nur Eis zu kaufen, aber es standen nicht viele Sorten zur Auswahl. Wir wählten zwischen Kakao- und Vanillegeschmack. Dann nahm der Mann hinter dem Fenster zwei kleine Waffeln in die Hand und platzierte eine Kugel Eis – manchmal auch zwei – zwischen die Waffeln. So aßen wir damals Eis.“ Meine Kids hörten gespannt zu und stellten viele Fragen. Es ist ja auch schwierig, sich eine Zeit ohne Eiscafés vorzustellen. Und so ganz ohne fertig verpackte Eisvariationen im Supermarkt. Schließlich probierten sie es selbst aus und nannten das Ergebnis „Retro-Eis“.

Not macht erfinderisch. Zugegeben, es muss nicht immer die große Not sein. Bei Kindern genügt schon, dass mal das Seifenblasenequipment nicht zu finden ist…. Ihr wisst schon, was ich meine: kleine Seifenblasenbehälter mit gewöhnlicher Pustevorrichtung, herzförmige, runde, ovale, große und kleine Pusteförmchen, Barbies mit Seifenblasenfunktion und alles, was man sich in unserer Kindheit nicht hätte vorstellen können. Tja, was macht man, wenn all diese tollen Sachen irgendwo in einer Stofftasche sind, die man …. verlegt hat? Ich verrate es Euch: Fliegenklatschen und ein Eimer mit Wasser samt Spülmittel genügen. Wirklich. Wir haben es ausprobiert – also meine Kids und deren Opa. Ergebnis: Viel schönere Seifenblasen als mit dem supertollen Equipment aus dem Laden!

Bastelbücher sind eine großartige Sache. Vor allem die Exemplare, die tatsächlich für Kinder machbare Bastelideen enthalten. Wie praktisch, wenn man einen Opa hat, der diese Dinge mit einem umsetzt! Und seien wir mal ehrlich, gemütlich mit dem Großvater zu basteln macht mehr Spaß, als wenn Mama zwischendurch andere Dinge erledigen muss. Außerdem gehen Männer anders an solche Dinge ran. Übrigens lassen sich mit dem Opa auch ohne Vorlage ganz spannende Sachen basteln, völlig spontan:

Ja, so ein Opa in Rente hat auch mitten in der Woche Zeit, um mit seinen Enkeln einen Schneemann nicht nur zu bauen, sondern diesen auch auf dem Schlitten zu ziehen. Durch den halben Ort.

Schön, dass Männer anders ticken als Frauen und Opas ein wenig anders sind als die Väter. Ab und zu sollten wir ihnen dennoch eine Pause gönnen. So lange die Enkelkinder das zulassen …. 😉

Für ihre Töchter machen sich Väter zum Affen, oder: Wenn Männer im Gully fischen

Dass Töchter ihre Väter problemlos um den Finger wickeln können, war mir als Tochter schon lange bekannt. Immerhin bin ich selbst sehr gut darin. Inzwischen weiß ich es jedoch auch als Mutter.

Als mein Mann heute früh unsere Kinder auf dem Weg zur Schule begleitete, fiel unserer Tochter ein Ring vom Finger und landete – wie sollte es auch anders sein – im Gully. Dem folgte (natürlich) lautes Geheule, das sich nicht mehr bremsen ließ. Bittere Tränen verließen die großen Augen und kullerten über die süßen Wangen. Da wurde Papas Herz ganz weich und er versprach, im Gully nach dem Ring zu fischen. „Gut, und wenn du es nicht schaffst, Papi, dann bitte ich den Lehrer darum“, meinte Töchterchen. Damit war alles klar.

PlastikringKaum, dass mein Mann zurück nach Hause kam, um seine Tasche zu nehmen und sich auf den Weg zur Arbeit zu machen, verschwand er im Schlafzimmer. „Es ist etwas Unfassbares passiert“, erwähnte er im Vorbeigehen. Mir wurde schlagartig heiß. War etwas mit unseren Kids? Dann stand er mit einem Kleiderbügel aus der Reinigung vor mir und begann die dünnen Drähte zu verbiegen. „Nichts, worüber du dir Sorgen machen müsstest.“ Na, den Satz kannte ich leider auch aus Situationen, die dann doch zu Sorgen geführt hatten. Zum Glück erzählte er sofort weiter. „Unserer Kleinen ist der Ring in den Gully gefallen und sie hat sehr geweint.“

Unter uns: Kleine Mädchen schaffen es, Barbies in ihren Ranzen zur Schule zu schmuggeln, obwohl Mamas es verbieten – und sie tragen ständig irgendwelche Ringe und Armbänder, die sie grundsätzlich irgendwo verlegen oder verlieren. Wir Mütter werden dann als Suchmaschinen beauftragt, denn: „Männer finden sowieso nichts, Mami!“ Tja, diesmal war wohl der Vater dran. Und ich glaubte es kaum, denn meine bessere Hälfte ließ seine Aktentasche einfach in der Ecke stehen und fummelte weiter am Drahtgestell herum. „Schau mal!“ Er hielt mir den Bügel hin, der nun zu einem langen Hacken geformt war. „Diese Billigdinger von der Reinigung sind ja praktisch. Damit werde ich den Ring bestimmt aus dem Gulli angeln.“ Kaum gesagt, schon war er weg.

Ich lache jetzt noch innerlich, wenn ich mir vorstelle, dass vielleicht jemand aus einem der Häuser, die in der Nähe des besagten Gullys stehen, durch die Fensterscheibe blickte. Das muss wie in einer Komödie ausgesehen haben: Ein groß gewachsener Mann in auffällig schicker Kleidung (Preppy-Style) hockt am Gullydeckel und stochert mit einem verbogenen Kleiderbügel in den Löchern herum.

Als ob das nicht absurd genug wäre, wurde es sogar noch getoppt! Stellt Euch Folgendes vor: Mein Mann fischte den Ring tatsächlich heraus und brachte ihn nach Hause. Töchterchen dachte aber, er habe ihn nicht gefunden und weinte in der Schule weiter. Die Tränchen verfehlten ihre Wirkung auch beim Lehrer nicht. (Männer!) Jetzt dürft Ihr raten, was die Bewohner der Häuser am Gully in der großen Pause zu sehen bekamen. Ja! Nun hockte der Lehrer über dem Gully und fischte mit einer Zange in den Öffnungen herum. „Alte Kaugummis hatten wir da rausbekommen, aber von einem Ring war nichts zu sehen“, erzählte mir der Lehrer später. Armer Mann, der Ring hatte längst gesäubert in unserem Badezimmer gelegen.

Hättet Ihr gedacht, dass Männer all das machen würden? Wegen eines Plastikringes für 50 Cent?

Zahnärzte fordern: Esst mehr Süßes!

Das Leben ist eine Sitcom. So kommt es mir manchmal vor. Kennt Ihr diese typischen Sitcom-Familien? Für Außenstehende ein wenig verrückt, aber dennoch sympathisch? Seit Jahren scheine ich hin und wieder in deren Kulissen zu geraten, mitten in eine Szene.

Zum Heulen

Ein Wohnungsflur. Kind sitzt auf der Schuhtruhe und weint laut. Die Mutter, sagen wir eine nette Brünette, möchte ihr Kind in den Kindergarten bringen und versucht es zu trösten. Mit einem Taschentuch tupft sie ihrem Kind die Tränen weg. Daraufhin das Kind wütend:

„Ich will meine Träne zurück haben!!!!“

Und dann gibt es diese Momente, in denen die Familie beisammen sitzt und das Kleinkind plötzlich sagt: „Wir sind gute Leute.“

Erfinder gibt es in jeder Familie

Wenige Monate nach der Geburt meiner Tochter, kam ihr älterer Bruder auf eine fantastische Idee. Kaum, dass er mit dem Frühstück fertig war, holte er mehrere Legosteine an den Tisch und baute ein längliches Etwas. Schließlich erklärte er, dies sei eine Fernbedienung, mit der er seine Schwester „bedienen“ wolle, damit diese aufhöre zu schreien. Wie jeder Erfinder, wagte er unzählige Versuche.

Der Fluch der Werbespots

In einigen europäischen Ländern sind Werbeunterbrechungen auf Kinderkanälen verboten. Das habe ich jedenfalls mal irgendwo gelesen. Wie klug! Denn Hand aufs Herz: Lernen nicht so gut wie alle Kinder Werbespots auswendig? Wie Schwämme saugen sie Sprüche und Dialoge auf. Wie die Väter. Schlimm.

Irgendwann sitzt du beim Abendbrot, die TV-Kiste ist aus, aber deine Familie liefert sich einen Wettbewerb im Spot-Vortragen ab. Und beim Zähneputzen albern die Kleinen samt Vater herum, spielen mit den Texten. Ja, ja. Du erzählst von Karies und sie erfinden einen neuen Werbespot: „Zahnärzte fordern: Esst mehr Süßes!“

Esst mehr Süßes

Neue Namen für die Wissenschaft

Mit Zahlen ist es so eine Sache. Wir Erwachsenen sollten offener für neue Bezeichnung werden. Mein Großer, damals noch Kleiner, sagte beim ersten Anblick der Zahl 20 voller Überzeugung: „Das ist die Nullundzwanzig!“

Einleuchtend, oder? Wenn gilt: 21 = einundzwanzig und 22 = zweiundzwanzig, dann muss 20 folgerichtig nullundzwanzig heißen. Klar.

 

Lesen ist gefährlich

Kaum nähert sich das Kind dem schulpflichtigen Alter, schon können es viele Eltern kaum erwarten, dass es lesen kann. Denn leider scheint sich eine Nebenwirkung des Lesens noch nicht rumgesprochen zu haben: Sobald Kinder anfangen zu lesen, lesen sie alles und überall. Du bist mit dem Auto unterwegs und bekommst jedes – JEDES! – Schild vorgelesen. Selbst wenn du aufs Gaspedal drückst, erkennt das Kind die Leuchtreklame in mehreren hundert Metern Entfernung: „Schau mal, da steht E-ro-tik!“

Du hustest und schaltest ein Hörspiel ein, in der Hoffnung, dir bleibt die Frage erspart, was denn Erotik sei. Schon erklingt das Lied „Bobo, Bobo – Lautes, Leises. Bobo, Bobo – Schwarzes, Weißes ….“ und raubt dir den Verstand. (Nur fürs Protokoll: Ich mochte diesen Einspieler, doch es soll Väter geben, die unter einer furchtbaren Allergie gegen dieses Lied leiden. Mir macht eher „Benjamin, du lieber Elefant ….“ zu schaffen.)

Kinder lernen schnell und haben es vor allem auf Werbung abgesehen. Werbeplakate am Straßenrand sind der Horror. Da gibst du dir als Erwachsener Mühe, all diese (meist) schlechten Slogans auszublenden, aber dein Nachwuchs liest sie dir vor. Es wird nämlich nicht nur die fett gedruckte Überschrift vorgelesen, sondern sämtliche Sprechblasen und überhaupt.

Auch Einkäufe dauern dann schon mal länger. Schließlich will der Name eines jeden Produktes vorgelesen werden. Laut. Mit Fettgehalt und allem, was du manchmal lieber nicht so genau wissen willst. Insofern ist Lesen doch nicht gefährlich, sondern rettet deine Gesundheit. Oder so.

Kleine Umweltaktivisten und Nachwuchsmediziner

In Schulen gibt es zunehmend großartige Projekte, die Kindern einen sinnvollen Umgang mit der Umwelt sowie Wissen über den menschlichen Körper vermitteln. Was ist gesund für uns, was nicht? Wie verarbeitet unser Körper das Essen? Was ist schädlich für die Natur? Wie gehen wir mit Müll um? All das und noch viel mehr. Sehr gut, denke ich und freue mich über derartige Aktionen. Bei Kindern kommen sie ebenfalls erstaunlich gut an. Schon die Kleinen finden derartige Themen deutlich interessanter als Buchstabensalat. Allerdings hat auch das gewisse Nebenwirkungen.

„Mama, ich will nicht, dass wir im Globus einkaufen.“

„Warum nicht?“

„Weil das die Konkurrenz vom Edeka ist. Die machen Edeka kaputt! Aber Edeka ist gut für die Tiere und die Umwelt!“

„Wieso ist Edeka gut für die Umwelt?“

„Na, die arbeiten doch mit dem WWF zusammen!“

 

Neulich waren wir im Globus einkaufen und als ob die Kassiererin alles wüsste, übergab sie plötzlich meinen Kindern Geschenke. Kleine Mitbringspiele, keinen Schrott. Freude kam auf, doch die Sache mit dem WWF wiegt schwerer.

Was wohl für den modernen Umwelt- und Ernährungsunterricht spricht, erfährt, wer Gespräche unter Kindern „belauscht“.

„Du solltest etwas trinken, sonst trocknen deine Nieren aus.“ Wow! Oder:

„Besser wir essen heute keine Süßigkeiten mehr. Zu viel Süßes ist ungesund.“

 

Was wiederum weniger gut ankommt, ist, wenn dein Kind eine Raucherin anspricht: „Vom Rauchen bekommt man gelbe Zähne.“

Alles hat zwei Seiten. Mindestens.

Wer Kinder hat, lernt nie aus

Selbstgebastelte Geschenke sind die besten.
Selbstgebastelte Geschenke sind die besten.

„Mama, ist das ein Mann oder eine Frau?!“, ruft Dein Kind durch den Supermarkt und zeigt mit dem ausgestreckten Finger auf eine Person. Die Menschen ringsum starren Dich an. Dein Kind ist noch klein und dass man mit dem Finger nicht auf angezogene Leute zeigen soll, ist jetzt nicht Dein größtes Problem.

„Jedes Kind ist eine Wundertüte“, sagte mir vor Jahren ein Bekannter, dessen Frau ihr drittes Kind erwartete. Damals war ich noch keine Mama, glaubte ihm aber sofort. Kürzlich hörte ich mich selbst diesen Satz zu jemandem sagen, dessen Partnerin zum ersten Mal schwanger war. Es stimmt nämlich: Jedes Kind ist anders – und man weiß nie, was alles auf einen zukommt. Das ist durchaus positiv, denn langweilig ist es mit Kindern nie. Sie sorgen stets für schöne, rührende und lustige Überraschungen. Ich habe da einiges gesammelt. Alles, was ich hier schreibe, ist wirklich passiert.

Gelassenheit ist Trumpf – oder?

Vater und kleiner Sohn stehen in einer Warteschlange. Vor dem Vater steht der Sohn und vor dem Sohn steht eine hübsche junge Frau. Kleiner Sohn packt der Frau plötzlich an den Po. Einfach so. Frau dreht sich um und … knallt dem Vater eine? Nein, sie bemerkt den Jungen und lacht. Junge Frauen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

So fröhlich und unbefangen Kinder sein können, so sehr können sie sich auch ärgern und weinen. Ich habe da ein bestimmtes Bild vor Augen. Eines meiner Kinder saß einmal (im Kleinkindalter) auf der Schuhbank im Flur und weinte vor Wut. An den Auslöser kann ich mich nicht mehr erinnern – nur daran, dass mein Kind sehr wütend war und dicke Tränen über seine Wangen kullerten. Mein Herz wurde weich und ich tupfte eine Träne weg. Daraufhin mein Nachwuchs: „Ich will die Träne zurück haben!!!!“

Wer Kinder hat, braucht viel Platz für Kunstwerke.
Wer Kinder hat, braucht viel Platz für Kunstwerke.

In einem Haushalt mit Kindern können die seltsamsten Dinge geschehen. Zum Beispiel kann es sein, dass du den Toilettendeckel hebst und ein großes Blatt daran klebt, auf dem „Kein Trinkwasser!“ steht. In Kinderschrift. Ebenso kann es passieren, dass du die Kühlschranktür öffnest und – genau! – dich auch hier ein Zettel anlacht: „Futtern verboten!“ Ich habe das selbst erlebt und unter uns: Mütter sind wie Detektive. Die Handschrift verriet das eine, die Menge Tesafilm das andere Kind. Nichts geht über Teamwork.

Man kann nie genug Buntstifte zu Hause haben.
Man kann nie genug Buntstifte zu Hause haben.

Wähle Kinderbücher mit Bedacht!

Wer sich fragt, wie meine Kinder auf die Idee mit den Zetteln in Toilette und Kühlschrank kamen, dem sei nur ein Stichwort genannt: Micky Maus-Hefte. Dass Literatur beeinflusst, wissen wir Erwachsenen bereits. Doch dass dies auch auf „einfache“ Comics zutrifft, ist vermutlich noch nicht jedem bekannt.

Vor einigen Jahren kramte ich die alten Asterix & Obelix-Hefte aus dem Keller und präsentierte sie meinem Sohn. Er las vergnügt eines nach dem anderen. Als wir das nächste Mal im Supermarkt waren, lief er sofort zur Fleischtheke und bewunderte die Auslage, danach sah ich ihn zur Kühltheke gehen. Ich gebe zu, etwas irritiert gewesen zu sein, als er plötzlich mit einem verpackten Braten vor mir stand und voller Begeisterung „Super, hier gibt es Wildschweinbraten!“ verkündete. Augenblicklich war ich froh, dass Asterix und seine Kumpanen keine Frösche aßen.

Mit Kindern weiß man immer, welche Jahreszeit ist.
Mit Kindern weiß man immer, welche Jahreszeit ist.

Das Leben ist eine Sitcom

Oder ist es andersherum? Egal. Der Familienalltag zeichnet sich durch zahlreiche witzige Situationen aus. Hier eine Kostprobe: Es ist Feiertag. Ein kleiner Junge spielt auf dem Balkon seiner Großeltern Polizist. Es ist sehr warm und die Sonne scheint direkt auf das Kind. Der Opa gießt Wasser ins Glas und Oma sagt zum Enkelkind: „Trink bitte etwas.“ Darauf der Junge: „Ich bin doch Polizist und kein Trinker!“

Die Liste lustiger Situationen im Alltag mit Kindern ist lang. Jeder, der Kinder hat oder aus beruflichen Gründen viel Zeit mit ihnen verbringt, weiß das. Doch auch als Außenstehender kann man derartige – mitunter seltsame – Begebenheiten erleben. Einmal stand ich an der Kasse – vor mir eine Frau mit Kleinkind im Einkaufswagen. Das Kind sah mir intensiv ins Gesicht, wandte sich dann an seine Mutter und verkündete laut: „Mama, diese Frau hat auch unter den Augen Wimpern!“