Mancherorts ist Frau am Laptop eine Exotin

Was in San Francisco, Berlin, Köln und anderen Metropolen zum alltäglichen Anblick gehört, ist in einer wunderschönen Stadt an zwei Flüssen noch DER Hingucker. Worum es geht? Alles begann damit, dass es fürchterlich regnete, ich in eine Starbucks-Filiale im Zentrum von Koblenz flüchtete und überraschenderweise eine Männerdomäne sprengte.

arbeiten-im-starbucks
Bloggen im Starbucks.

Regennass, mit einem prallen blauen Leinenrucksack bepackt und einer zweifellos nicht zum Wetter passenden Pilotenbrille auf dem Kopf, betrat ich die einzige Starbucks-Filiale in …. Koblenz-City. In meiner Hosentasche steckte das Smartphone – jederzeit zum Schießen Twittern bereit. Rechts von mir hoben sich die Köpfe. Es waren Männer. Genauer: Männer an Laptops. Sie sahen mich an und ein irritierter Ausdruck umwehte ihre Gesichtszüge. (Okay, sie wirkten verdutzt, Mensch.) Ich ließ die Tür hinter mir zuknallen sich vollautomatisch schließen und schritt zur Theke. Dahinter arbeiteten nur Frauen. Drei an der Zahl. Sie bedienten die Kasse und den Kaffeeautomaten. Ein weiterer Blick durch den Raum verriet mir, dass alle Kundinnen bei Kaffee und Kuchen Konversation betrieben, während die männliche Kundschaft an Kaffeebecher und Laptop hing. Ich erspähte einen freien Platz in der Nähe mehrerer Steckdosen, kaufte schnell einen Becher Zimt-Latte (wer will denn schon bei Starbucks gewöhnlichen Kaffee trinken?!) und eilte zum kleinen Tischchen. Für Ortskundige: Ich meine einen der runden Tische, an denen immer der freundliche britische Student fleißig am Laptop lernt.

Becher auf den Tisch, MacBook aus dem Sack und zack an die Steckdose – schon konnte die Arbeit losgehen. Links neben mir der netzaffine britische Jüngling, rechts von mir vier Frauen meines Alters, die sich über Probleme mit ihren Männern und die Langeweile auf Spielplätzen unterhielten. Aus den Starbucks-Lautsprechern erklang angenehmer Jazz und ich stellte mir vor, ich sei Hemingway in einer verrauchten Kneipe. Allein der Zimt-Latte wollte so gar nicht nach Whiskey schmecken. Unter diesen Umständen konnte ich unmöglich einen weltbewegenden Roman verfassen.

Während ich auf der Holzbank saß und am Laptop arbeitete, wurde ich immer wieder angestarrt wie ein Ufo. Die Altersgenossinnen neben mir schienen sich zu wundern, warum ich statt mit einer Freundin, mit dem Gerät am Tisch saß. Sie betonten so laut, sie seien ja schließlich Mütter, dass ich mir ein Lächeln nicht verkneifen konnte. Mutter bin ich auch, und zwar an allererster Stelle. Trotzdem kann ich zum Beispiel Texte verfassen und mich für spannende Projekte einsetzen, während meine Kinder die Schulbank drücken.

Dass mein Anblick jedoch tatsächlich ungewöhnlich sein musste, wurde mir klar, als sich zwei große Teenager-Mädchen neben mich setzten. Mit weit aufgerissenen Augen beobachteten sie, was ich tat. Diesmal waren es offenkundig bewundernde Blicke. Unfassbar, aber für sie war ich cool. Vermutlich wirkte ich auf sie wie die Geeks in irgendwelchen Startup-Filmen. Die ebenfalls an Laptops arbeitenden Herren meiner und höherer Altersklassen wirkten übrigens auch noch irritiert, als ich den Raum verließ. Ich bin in den Stunden dort die ganze Zeit über die einzige am Laptop arbeitende Frau gewesen.

FAZIT: Starbucks würde den Bechdel-Test nicht bestehen.

Advertisements

3 Gedanken zu “Mancherorts ist Frau am Laptop eine Exotin

  1. Wunderbar humorvoll und bildhaft geschrieben! Der erste Text den ich auf deinem Blog gelesen habe und die anderen werden direkt folgen 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s