Content, Influencer, Brr, Blabla und Plam

Gehen euch einzelne Wörter manchmal auf die Nerven? Hasst ihr einige vielleicht sogar? Wenn man Begriffe wie Content und Influencer im ganzen Netz muten (also ausblenden) könnte, würde ich es tun. Dann bliebe allerdings nicht mehr viel von den Artikeln, Blogbeiträgen, Tweets und Posts übrig. Denn gleichgültig, auf welcher sozialen Plattform man sich bewegt und welche Online-Magazine man bevorzugt – alles ist mit diesen Worten vollgestopft. Buzzwords, Keywords …. Da wird mir ganz brrrrr. Schreibt doch direkt Blabla oder Plam.

Arbeitest du noch - oder erstellst du schon Content?

Begriffe, die jeden normalen Leser nahezu irre machen…. Ich habe nämlich kürzlich bei Twitter festgestellt, dass ich keine Ausnahme bin. Immer mehr netzaffine Menschen scheinen von Buzzwords gelangweilt, wenn nicht sogar angewidert zu sein. Hey, ihr schlauen Leute da draußen, deren Beruf mit Buzzwords verschmolzen zu sein scheint: Wir mögen Euch und zweifeln nicht an Eurer Kompetenz, sonst würden wir Euch auf Twitter & Co gar nicht folgen. Nur haben wir allmählich genug von dieser Buzzword-Flut. Gebt es doch mal zu, Ihr könnt diese Worte langsam auch nicht mehr sehen. Wenn uns beim Lesen schlecht wird, muss es Euch beim Schreiben bestimmt mindestens genauso übel gehen. Immerhin befasst Ihr Euch seit Jahren damit.

 

INFLUENCER-CONTENT-BASHING

 

Im Studium sprachen wir häufig von Multiplikatoren. Buuh, denken jetzt manche, weil es kein englischer Begriff ist, aber immerhin musste dabei niemand an eine Krankheit denken. Heute ist überall von Influencern die Rede.

Manche verstehen das als Oberbegriff und teilen Influencer in zwei Gruppen: a) Multiplikatoren und b) Meinungsmacher (absatzwirtschaft). Dabei sind beide Begriffe häufig deckungsgleich. Mir scheint, wir erhalten immer mehr überflüssige neue Namen für längst Bekanntes, das bereits einen Namen hat. Nun klingen die englischen Wörter aber viel schöner, oder? Pustekuchen! Nichts klingt gut, wenn man es zu oft liest. Essen wir eine Woche lang dreimal täglich Schokoladenpudding, werden wir es danach nicht einmal mehr sehen wollen. Und wenn dann jemand „Pudding“ sagen würde, zöge sich in uns alles zusammen. Brechreiz. Begrifflichkeiten erzeugen Befindlichkeiten.

 

Schlimm ist vor allem, dass da so gut wie nie etwas Neues zu lesen ist. Zu Content dürfte nun wirklich schon alles gesagt und geschrieben worden sein. Content, Content-Marketing, Content-Management … bis hin zu Content-Vandalismus (golem). Da darf man nach einigen Jahren auf Durchzug schalten. Vorsichtig ausgedrückt. Von der Politikverdrossenheit zur Contentverdrossenheit.

 

VIELE FLIEGEN AUF KACKE

 

Doch kommen wir auf die Influencer zurück. Das sind Menschen, die viele andere Menschen beeinflussen (können). Und lassen wir uns nicht alle grundsätzlich gerne von anderen beeinflussen? Manipulieren? Da kennt man einen netten Blogger, liest seine Texte, vertraut vielleicht sogar auf seine Meinung – und dann wird er als Influencer entdeckt. Okay, ob er dann trotz schöner Geldsummen immer noch so vertrauenswürdig bleibt, ist eine Frage für sich und hängt von vielen Faktoren ab. Noch blöder ist nämlich, dass diese Influencer gar nicht intelligent oder (in echt jetzt) nett sein müssen. Vergessen wir also unseren kompetenten und authentischen Blogger von eben. Denn dieser hat vielleicht gar nicht genug Leser, um als Influencer erkannt zu werden. Was zählt, sind nunmal die Followerzahlen. Egal, wofür Influencer bekannt sind, entscheidend ist lediglich, wie viele Leute sich deren Kram anschauen, anhören oder durchlesen. Dabei müssen sie gar nichts Sinnvolles tun.

Wenn beispielsweise jemand einen Pupskanal führen und mit der Sammlung seiner Fürze viele Klicks generieren würde, wäre ganz schnell Kaffee- oder Bohnenwerbung auf seiner Seite zu sehen. Kurze Zeit später käme Werbung für Mittelchen gegen Verstopfung und Durchfall hinzu. Eine eigene TV-Show? Nicht ausgeschlossen. So läuft das. Das ist in meinen Augen Kackkram.

Vergesst Niveau und Relevanz. Vergesst Können und Anspruch. Es zählen Oberflächlichkeiten. Mehr Schein als Sein.

 

MIST IST GOLD WERT

 

Besonders spannend wird die Sache übrigens, wenn renommierte Verlage und sonstige Unternehmen aus diesem Kackkram Gold zu machen versuchen. Sie haben da etwas gewittert. Kein Wunder – haben Haufen so an sich. Wo sie aber früher weggeschaut oder vielleicht amüsiert hingeschaut und sich gewundert hätten, wie man mit Mist so viele Menschen erreichen kann, möchten sie heute mitmischen – ohne sich dreckig zu machen. Und weil ihre Finger nicht nur sauber bleiben, sondern strahlen sollen, wagen sie den Versuch, den Mist schön zu verpacken und höher zu heben, damit er glänzt. Warum nicht aus Schminktipps Bücher machen? Vielleicht intermedial? Die YouTuberin, die nicht weiß, wann sie zum letzten Mal ein Buch (mit kleinen Buchstaben, ohne Bilder) gelesen hat, weil sie nunmal nichts so gut kann wie Lidschatten aufzutragen, wird zur professionellen Beauty-Beraterin mit dem ultimativen (Ausmal?-)Buch für …. ihre Zielgruppe. Ja, Zielgruppe ist auch ein Wort, das NIEMALS mehr aus unserem Sprachschatz verschwinden wird. Es ist existenziell wichtig. Mindestens.

 

FAZIT: Wer sich im Studium über das stupide Lernen von Fachbegriffen ärgert oder das Vokabular von Medizinern beschimpft, sollte mal ins Neuland schauen. Hier im Netz ist es viel schlimmer. Und ich verrate euch noch etwas: Besonders genervt ist man von diesem Influencer- und Content-Gedöns, wenn man versteht, worum es dabei geht. Denn dann weiß man, dass sich alles auch ohne diese Begriffe sagen lässt – und ohne viel Aufwand. Brrr. Blabla. Plam.

 

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6 Gedanken zu “Content, Influencer, Brr, Blabla und Plam

  1. Habe ich sehr gerne gelesen – und mich gefragt, ob nicht auch „Buzzword“ auf die Liste der Wörter wandern könnte, die ich nur noch im Notfall lesen möchte …

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