Damals, als ich ein Brautkleid gewonnen habe ….

Das Leben ist schräger als jedes Drehbuch. Ihr kennt das bestimmt. Auch mir passieren immer wieder verrückte Geschichten. Da die Hochzeitssaison vor der Tür steht, erzähle ich Euch eine dazu passende (und wahre!) Story aus meinem Leben.

Brautkleid gewonnen„Was ich brauche, ist ein Zeichen, damit ich weiß, dass diese Hochzeit wirklich eine gute Idee ist“, sprach ich leise vor mich hin und schaltete den PC ein. Kaum, dass ich mein E-Mail-Programm geöffnet hatte, fiel mir eine Nachricht mit seltsamem Betreff auf: TRAUMKLEID GEWONNEN! Ich bin kein leichtgläubiger Mensch, aber irgendwas veranlasste mich dazu, diese E-Mail nicht sofort zu löschen, sondern zu öffnen. Wahnsinn! Was soll ich sagen? Die Nachricht kam vom Brautmodegeschäft aus Köln und ICH HATTE MEIN BRAUTKLEID GEWONNEN!!!! Ein mehr als passables Zeichen von oben, findet Ihr nicht auch?

Spiel mir das Lied vom Brautkleid

Ich habe mich nie für Brautkleider interessiert. Schon als Kind galt mein Interesse nicht so sehr Prinzessinnen, sondern eher Zorro und Robin Hood. Dann stellte ich mir vor, ich sei ein weiblicher Zorro. Feminin, hübsch und sportlich, aber auch kämpferisch und schlagfertig. Ein Rüschenkleid mit Reifrock hätte nicht wirklich dazu gepasst. Meine Auseinandersetzung mit dem Thema Brautmode beschränkte sich daher auf kritische, aber ehrliche Kommentare beim Schauen der TV-Show Traumhochzeit (mit Linda de Mol) – in den 90ern! Das war in meinen Teenager-Jahren und lag Welten zurück. Insofern stand ich als Braut vor einer riesigen Herausforderung: Finde DAS Kleid!

Zum Glück hatte ich Unterstützung. Mein Berater-Team bestand aus meiner Mutter und meiner Schwester. Ich fürchte, sie hatten es nicht leicht mit mir. Den ersten Brautladen, den wir gemeinsam betraten, verließ ich nach geschlagenen zwei Minuten. Im zweiten Geschäft drehte ich mich schon im Eingang auf dem Absatz um. Sobald ich auch nur drei kitschige Kleider sah, musste ich sofort raus. Meine Mutter, eine Frau mit Geschmack und exzellenten Beratungsfähigkeiten, stellte mich schließlich vor vollendete Tatsachen: „Wir fahren nach Köln.“ Dem hatte ich nichts entgegenzusetzen. „Im Internet habe ich gesehen, dass es dort einen Laden mit wunderschönen Brautkleidern gibt“, verriet sie mir noch. Ich fand die professionelle Website ebenfalls ansprechend. Außerdem blieb mir nichts anderes übrig, wenn ich nicht nackt vor dem Traualtar erscheinen wollte. Obwohl sich das an dieser Stelle zweifellos spektakulärer erzählen ließe.

Im Ladeninneren hatte ich zum ersten Mal nicht das Bedürfnis, sofort wieder kehrt zu machen. Eine nette Verkäuferin zeigte uns die neuste Kollektion. Die Stoffe fühlten sich herrlich an, die Schnitte gefielen mir und die Qualität der Kleider war unverkennbar besser als in den Geschäften zuvor. Ich probierte exakt drei Kleider an. Zwei, die mir spontan gefielen und eines, das mir zu unscheinbar erschien, aber meine Mutter und Schwester toll fanden. Alle drei waren schön, doch eines davon passte perfekt zu mir. Jetzt ratet mal, welches Kleid das war. Genau. Das, was ich meinem Team zuliebe angezogen hatte. Die anderen Bräute im Laden seufzten, als der Vorhang meiner Umkleide aufging. Ein Moment, den ich in Hollywood-Filmen unfassbar nervig finde. So übertrieben tränenreich und kitschig. In dem Augenblick traf jedoch nichts davon zu. Mein Kleid war nicht kitschig und die Frauen im Raum wirkten einfach nur sehr nett und aufrichtig erfreut. „Dieses Kleid passt so gut zu Ihnen, als sei es für Sie entworfen worden“, sagte eine zu mir. Es war weiß, schlicht, in A-Linie, schmal in der Taille, mit wunderschönem Brustteil und ungewöhnlich geschnittenen 3/4-Ärmeln aus besonderer Spitze. Keine Steinchen und ganz ohne Glitzer, denn all das hätte nicht zu mir gepasst. Von Unscheinbarkeit konnte dennoch keine Rede sein. Am Körper zeigte das Kleid seine Wirkung. Ich entschied mich sofort dafür. Plötzlich wollten auch die anderen Kundinnen von meiner Mutter beraten werden. Wir gingen trotzdem.

Doch zuvor suchte ich noch den passenden Schleier aus und vereinbarte weitere Termine mit der Schneiderin. Am Ausgang hielt mir die Verkäuferin eine langstielige, künstliche, aber wunderschöne Pfingstrose hin. „Wir feiern heute ein Jubiläum“, klärte sie mich auf. Dann reichte sie mir eine Karte. „Füllen Sie das aus, um an unserem Gewinnspiel teilzunehmen. Der Hauptpreis ist das Brautkleid Ihrer Wahl, der zweite Preis ist eine Reise und ….“ Ich nahm einen Kugelschreiber entgegen und füllte die Karte gedankenverloren aus. Mein Kopf war voller Eindrücke und Gedanken an das Kleid, die bevorstehende Feier und alles drumherum. Beim Verlassen des Geschäftes, hatte ich das Gewinnspiel bereits vergessen.

Wenn die Braut sich doch nicht traut

Einige Wochen später saß ich ganz allein im Rechnerraum der Uni. Es war erst kurz nach 8:00 Uhr morgens, doch mir schwirrte bereits der Kopf. Ein großes Fragezeichen verfolgte mich in Gedanken. Ich war mir nicht mehr sicher, ob ich überhaupt heiraten wollte. Hatte ich wirklich DEN Mann fürs Leben gefunden? Und war ich die Richtige für ihn? Hey, wer heiratet heute denn schon mit 23?! In unserem Freundeskreis war noch niemand verheiratet – und ich studierte noch. Solche Zweifel hat jeder vor seiner Hochzeit, sagte ich mir zwischendurch. Das hätte vielleicht sogar geholfen, wenn mir mein Verlobter nicht verraten hätte, dass er keinerlei Zweifel hegte. „Ich habe dir einen Antrag gemacht und weiß, was ich will“, erklärte er. Während ich also allein in der Uni saß, gingen mir allerlei seltsame Gedanken durch den Kopf. Dann schaltete ich den PC ein und entdeckte eine ungewöhnliche E-Mail …. Den Rest kennt Ihr ja schon.

 

(Da mir meine Eltern das Kleid spendiert hatten, überwies ihnen das Geschäft die Summe zurück und berechnete „nur“ die zusätzliche Arbeit der Schneiderin. Ich sagte übrigens tatsächlich Ja – vor fast 13 Jahren.)

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Ein Gedanke zu “Damals, als ich ein Brautkleid gewonnen habe ….

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