Let´s talk about: Fehlgeburt

Vermutlich kennen viele von Euch die Sendung frauTV (WDR). Heute wird man sich dort dem Thema Fehlgeburt widmen. Als ich diesen Hinweis in den sozialen Netzwerken las, kamen sofort Erinnerungen in mir hoch.

 

Insbesondere WEIL es sich dabei anscheinend immer noch um ein Tabuthema handelt, OBWOHL es keine Seltenheit ist, habe ich mich dazu entschieden, etwas so persönliches zu bloggen.

Anfang Januar 2007 bestätigte mir meine Gynäkologin, dass ich mein zweites Kind erwartete. Kein guter Zeitpunkt, unter anderem weil es mir gesundheitlich nicht gut ging, aber ich freute mich trotzdem.

Wenige Wochen später, ausgerechnet am Geburtstag meiner Mutter, wachte ich mit starken Unterleibsschmerzen auf. Sie begannen wie Beschwerden vor der Periode, wurden aber zunehmend stärker. Ich machte mir Sorgen ums Ungeborene. Als dann auch noch die Blutung einsetzte, ließ ich mich sofort von meinem Mann ins Krankenhaus fahren.

Eine junge Ärztin führte uns ins Untersuchungszimmer. Ich hatte weiterhin starke Schmerzen und große Angst ums Kind. Es lässt sich nicht in Worte fassen, wie sehr ich hoffte, es nicht zu verlieren. Aber mein Gefühl und Verstand sagten mir, dass da gerade nichts Gutes passierte. Die Ärztin machte einen Ultraschall. „So, Sie sagen also, dass Sie schwanger sind“, richtete sie sich währenddessen an mich. „Ja. Meine Gynäkologin hat das bestätigt.“ – „Tja, aber da ist jetzt nichts mehr.“

Mir wurde schlagartig schlecht. Ich hätte mich übergeben können. Ein Schlag ins Gesicht. Die Ärztin grinste. Das war kein gefühlvolles Lächeln. Vielleicht wusste sie einfach nicht weiter, aber ….. Ich bat um Wasser. „Wir können den Rest direkt veranlassen“, hörte ich sie sagen. „Was meinen Sie?“ Ich konnte kaum klar denken. „Na, sie bekommen eine leichte Narkose und alles wird ausgeschabt.“ Ähm. Plötzlich war ich bei wachem Verstand. „Nein, ich möchte das jetzt nicht“, sagte ich entschieden. Die Ärztin blickte von meinem Mann zu mir. „Sie sollten es aber machen lassen. In den nächsten Tagen muss das gemacht werden – entweder hier oder bei Ihrer Frauenärztin.“ Das war ein gutes Stichwort. „Gut, dann macht das meine Ärztin.“ Wir fuhren nach Hause. (Übrigens blieb mir die Prozedur dann doch erspart.)

Unterschätzt die Männer nicht!

Trauer. Wir standen monatelang neben uns. Es mag für manche Menschen seltsam klingen, denn die Schwangerschaft war noch nicht weit fortgeschritten. Totgeburten sind wirklich schlimm – und der Verlust eines Kindes, das man schon hatte. All das ist tausendmal schlimmer. Aber eine Fehlgeburt ist dadurch nicht bedeutungslos. Sie tut weh – körperlich und seelisch. Ich suchte die Schuld bei mir. Irgendwer musste schließlich schuld sein…. Das ist Blödsinn, aber als diejenige, die das Kind in sich trägt, fühlt frau sich nunmal schnell schuldig. Auch mein Mann litt. Die Sache nahm ihn ziemlich mit. Wir erzählten so gut wie niemandem davon – und unser Umfeld merkte uns bestimmt nichts an. Doch privat sah es anders aus. Wir dachten oft daran.

Aus meinem Studium wusste ich noch (theoretisch), wie sehr Männer beispielsweise im Zusammenhang mit künstlicher Befruchtung ausgeschlossen werden und sich alleingelassen fühlen. Während die Frau mit Kinderwunsch umsorgt wird, kümmert sich niemand um das Gefühlsleben des Mannes an ihrer Seite. Männer werden nicht schwanger und bringen keine Kinder zur Welt, deshalb wird manchmal vergessen, dass auch ihre Gefühle stark sein können. In allen Lebenslagen. Auch bei Fehlgeburten sollte man sie nicht übersehen. Denn viele Männer leiden ohne große Worte.

Wer schon Kinder hat, erhält Lebensfreude.

Als Frau möchte ich klarstellen, dass eine Fehlgeburt körperlich schmerzhafter sein kann als die erfolgreiche Geburt eines Babys. Unfair, aber leider wahr. Und was gegen den seelischen Schmerz hilft? Mir half mein Erstgeborenes. Es ist erstaunlich: Einerseits zeigte mir die Existenz meines Kindes, was ich da Wertvolles verloren hatte und zugleich half sie mir über den Schmerz hinweg. Mein kleines Kind zu Hause hielt mich auf Trab, lächelte mich zuckersüß an und schenkte mir Lebensfreude.

Inzwischen habe ich zwei Kinder. In der dritten Schwangerschaft verlief alles gut, und ich bin täglich dankbar für mein zweifaches Mutterglück.

Es gibt aber viele Frauen, die einen starken Kinderwunsch haben, doch leider immer wieder Fehlgeburten durchmachen. Eine furchtbare Vorstellung. Ich kenne einige, denen es jahrelang so ging. Inzwischen haben fast alle von ihnen Kinder. Ob oder wie oft sie an die schlimmen Erlebnisse von früher denken, weiß ich nicht. Denn jetzt sind sie glücklich.

Nachtrag vom 10.06.16:

„Wir sind noch hier“ (Erfahrungsbericht einer Bloggerin zu Fehlgeburt + Ausschabung)

 

 

 

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