Zu Besuch in der alten Uni

„Seit wann laufen so viele Studierenden über den Campus? In den Semesterferien!“ Das war einer meiner ersten Gedanken, als ich kurz vor Ostern meiner alten Uni einen Besuch abstattete.

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Im Grunde ist das die neue Uni beziehungsweise der neue Campus, denn während meines Studiums zog die Universität von einem Stadtteil in einen anderen um. Raus aus verfallenden Bauten – rein in frisch sanierte und neu gebaute Gebäude mit moderner Technik, einer schönen Bibliothek und anderen Vorzügen. Auf dem alten Campus hatten einige meiner politikwissenschaftlichen Seminare stets mit einem kurzen Gebet seitens des Dozenten begonnen. Er hoffte jedes Mal, uns möge auch diesmal nicht die Decke auf den Kopf fallen. Wir hatten Glück. Anders als viele meiner Kommilitonen, deren Vorlesungen in den vergleichsweise gut erhaltenen Räumlichkeiten stattfanden, freute ich mich daher auf den Umzug. Bröckelnde Decken und Wände entsprachen nicht so ganz meinem Geschmack.

Es war ein seltsames, aber auch schönes Gefühl, zehn Jahre nach dem Studienabschluss durch die bekannten – und geliebten – Flure zu streifen. Manches hat sich sichtlich verändert. Zum Beispiel gibt es dort diese großen Kaffeeautomaten nicht mehr, aus denen ich mir früher einen versüßten, extrem schlechten Kaffee im Plastikbecher ziehen konnte, der grundsätzlich eine starke Kakao-Note aufwies. Ihr wisst schon, in manchen Krankenhäusern findet man sie noch. Nichts da – alle weg. Stattdessen kann man sich am Mensa-Eingang einen frischen Kaffee aus dem Vollautomaten genehmigen und beim Mahlen der Bohnen zusehen. Bezahlt wird mit einer Karte, die kurz am Gerät gescannt wird. Klingt gut, oder? Dummerweise muss man an der Uni immatrikuliert oder angestellt sein, um über so eine Karte zu verfügen. Für mich gab es daher Kaffee an der Kasse – aus einem kleineren Vollautomaten, aber immerhin.

Die nackten Uni-Wände sind für manche Besucher gewöhnungsbedürftig – das weiß ich noch aus den alten Zeiten. Manche Studentinnen beklagten sich damals zudem über die engen Korridore. Ich konnte dem nicht zustimmen. Mir gefielen die neuen Gebäude – und inzwischen sorgen Graffiti für etwas Farbe an den Wänden.

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Lampe im Eingangsbereich – von unten.

Was mir jedoch nicht mehr aus dem Sinn kommt, ist die Tatsache, dass sehr viele Menschen auf dem Campus zu sehen waren. Wenn wir früher Semesterferien hatten, gingen wir unseren Nebenjobs nach, trafen uns in der Altstadt und solche Sachen. Die Hausarbeiten verfassten wir auf den letzten Drücker, am Ende der Ferien in unserem kleinen Kämmerlein. Aber auf dem Campus trieb sich so gut wie nie eine/r von uns rum. Wir wurden LehrerInnen, Magister und Diplomanden oder gar Doktoranden – ohne jemals auch nur die Hälfte der Semesterferien an der Uni verbracht zu haben. Das weiß ich, weil ich in meiner Zeit als wissenschaftliche Hilfskraft (bei den Soziologen) auch mal in den Semesterferien im Büro saß und auf den leeren Campus hinunterblickte. Jetzt heißen die Studiengänge Bachelor und Master. Vielleicht liegt es daran. Denn gleichgültig, wohin ich blickte, überall sah ich Studierende lernen, Mitarbeiter essen …. Was mir besonders gut gefiel: Frauen erklärten ihren männlichen Kommilitonen Chemie. Von wegen Männer hätten mehr Ahnung von Naturwissenschaften….

Es war schön, ein wenig in der Vergangenheit zu schwelgen und für eine Studentin gehalten zu werden. Doch glaubt mir, ich bin froh, den Prüfungsstress hinter mir zu haben.

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