Nie wieder Naturkosmetik!

Banales Thema? Falsch. Du hast nur das eine Gesicht – und nur den einen Körper. Vermutlich möchtest Du ihn noch lange in möglichst gutem Zustand behalten. Ach komm, Du kannst mir nichts vormachen, überall sind Falten und Cellulite ein Thema. Jedenfalls, wenn es um Frauen geht. Ob Zeitschriften, Werbespots oder große Plakate mitten in der Stadt – ständig werden wir daran erinnert, dass wir etwas für unsere Haut tun müssen. Dem kann man sich nicht entziehen. Das gilt auch für die Haare und eigentlich alles, aber ich möchte mich jetzt aufs Gesicht konzentrieren, denn das gilt als unsere Visitenkarte.

Im Drogeriemarkt
Auf der Suche nach der passenden Creme ….

Wer sein Gesicht pflegen möchte, cremt es regelmäßig ein. Allein schon, damit die Haut beispielsweise im Winter nicht austrocknet. Doch jeder, der schon einmal im Drogeriemarkt war und vor dem entsprechenden Regal stand, weiß, dass die Sache mit dem Eincremen eine Herausforderung darstellt. Was wählt man/frau? Unzählige Tuben und Tiegel lächeln uns zu. Für trockene, fettige, junge, alternde ….. und Mischhaut. Es ist noch nicht ganz so schlimm wie bei den Haarprodukten, aber die Auswahl ist dennoch unsinnig groß. Wonach entscheiden wir also?

Back to the roots

Ich bin davon überzeugt, dass neben Werbung auch unsere Kindheit eine Rolle bei diesen Entscheidungen spielt. Mein Background: Im Kindesalter wurde ich immer nur mit Nivea eingecremt. Als Teenager behielt ich es so bei. Mit Anfang 20 veränderten sich die Ansprüche meiner Haut, daher probierte ich andere (auch teure) Produkte aus. Mit 30 beschloss ich zu alt für einfache Gesichtspflege zu sein und begann zwischen Tages- und Nachtcreme zu unterscheiden.

Teuer oder billig?

In der Zwischenzeit war ich Mutter geworden und hatte insbesondere in den Schwangerschaften festgestellt, dass häufig die billigen Produkte besser waren als die teureren Favoriten. Wer sich nämlich täglich seinen Bauch einschmieren muss, um keine Schwangerschaftsstreifen zu bekommen, staunt über die hohen Preise für angebliche Top-Produkte. Ich entschied mich für eine der billigsten Bodylotionen, die es auf dem Markt gibt (Stichwort: Discounter) und cremte mich fleißig damit ein. Mein Bauch blieb frei von Schwangerschaftsstreifen. Mag sein, dass es eine Frage der Gene ist, aber diese Erfahrung lehrte mich. Daher kaufte ich fürs Gesicht sowohl die Tages- als auch die Nachtcreme von einer günstigen Drogeriemarke und machte auch damit sehr gute Erfahrungen. Damit bin ich übrigens nicht allein. Es gibt prominente TV-Moderatorinnen, die ebenfalls auf die Billigprodukte schwören.

Anti-Aging mit Synthetik oder Natur?

Ü36: Vor einigen Wochen stand ich mal wieder vor den berüchtigten Regalen mit Gesichtscremen. Jetzt sollte ich wohl endlich damit anfangen, weitere Falten aufzuhalten, dachte ich. Eigentlich fühle ich mich für „Anti-Aging“-Produkte zu jung, doch es gibt sie bereits für die Haut ab 30 bzw. 35. Na gut, her damit! Ich schmiss die Tuben in den Einkaufskorb und wollte gerade gehen, als mir ein weiteres Regal ins Auge fiel: Naturkosmetik. Auch hier gab es Passendes für mein Alter – und sogar mit so angesagten Zutaten wie Goji-Beeren, die ich beim Backen verwende. Ich legte die andere Creme weg und kaufte die natürliche Tagescreme. Wenn man beim Essen auf gute Qualität Wert legt, greift man auch bei Pflegeprodukten schneller mal zu „Bio“. Leider.

Mein Hautbild verschlechterte sich von einem Tag zum anderen. Ich hatte kleine Rötungen, Pickelchen und sonst was. Es wurde immer schlechter. Nach etwas mehr als zwei Wochen schmiss ich die Tube weg und kaufte die alte Gesichtscreme. Keine Naturkosmetik. Bereits am darauffolgenden Tag sah meine Haut wieder besser aus.

Und wie machen es andere Frauen?

Nach dieser Erfahrung fragte ich im Bekanntenkreis nach, um zu erfahren, welche Produkte andere Frauen bevorzugten. Das Ergebnis überraschte mich. Selbst die größten Bio- und Naturfans äußerten sich kritisch. „Naturkosmetik habe ich längst aufgegeben und benutze natürliche Produkte nur noch zum Haarefärben„, erzählte mir eine Bekannte. Eine Freundin verriet: „Also ich creme mich mit Hautpflegemitteln für Kinder ein und werde häufig nach meinem Geheimnis gefragt.“ Stimmt, sie sieht trotz reifen Alters deutlich jünger aus. „Meine Lieblingscreme ist zwar ziemlich fettig, so dass mein Gesicht dann glänzt, aber sie tut der Haut gut UND riecht sehr angenehm„, fügte sie noch hinzu. Das kann ich bestätigen.

Wenige Tage nach dem besagten Gespräch landete ich per Twitter auf einem interessanten Artikel, der zum Thema passt: „Anti-Aging: Nie wieder lachen!“. Darin schreibt EMMA-Redakteurin Alexandra Eul:

„Stiftung Warentest hat die teuren Anti-Falten-Cremes getestet. Ratet mal, was rauskam? Genau: Sie nutzen null! Im Gegenteil: Manche schaden sogar der Gesundheit.“

Na toll! Wirklich überrascht war ich zwar nicht, aber schlimm finde ich es trotzdem. Die Cremes – ob überwiegend natürlich oder synthetisch – werden gekauft, weil man mit unseren Gefühlen spielt – uns Angst vor Falten und ein schlechtes Gewissen macht, um dann ein scheinbar erlösendes Produkt anzubieten. Eine Heuchelei, auf die wir doppelt hereinfallen. Der Schaden betrifft uns (körperlich sowie manche auch psychisch) und unseren Geldbeutel. Pfui, Ihr Geldgeier da draußen!

Am besten traut man sich selbst und dem eigenen Eindruck – und glaubt nicht, dass teuer oder natürlich automatisch besser als billig und/oder synthetisch ist. Wir „Normalverbraucher“ sind jedoch keine Chemiker oder Hautärzte, die eventuell über einen gewissen Durchblick verfügen. Außerdem haben wir keine Zeit, um vor dem Kauf einer Gesichtscreme quasi eine komplette Doktorarbeit über die Zusatzstoffe zu erarbeiten. Wir sind KäuferInnen, keine Forscher! Deshalb fallen wir auf die „Ratschläge“ herein, die uns überall angeboten werden, jedoch in Wahrheit Marketing und PR sind. Aber: Wir lernen aus unseren Fehlern. Hoffentlich.

P.S.: Ich habe auch natürliche Wimperntusche, etc. ausprobiert und war auch davon enttäuscht. Schade.

Links zum Thema:

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10 Gedanken zu “Nie wieder Naturkosmetik!

  1. Ich benutze Weleda. Ich bin so zufrieden damit. Früher habe ich die teuren, wie auch die billigen Gesichtscremes probiert und hatte immer mit Rötungen etc. zu kämpfen. Erst mit der Naturkosmetik ist das bei mir besser geworden. Von daher kann ich deine Erfahrung leider nicht gab teilen.

    1. Das lese ich gerne! Es ist ganz toll, dass Du für Dich fündig geworden bist. Vielleicht werde ich auch irgendwann das Glück haben und gute, zu mir passende Naturkosmetik entdecken. Aktuell möchte ich jedoch nicht damit experimentieren.

      Der Titel ist etwas provokativ, aber im Text wird deutlich, dass ich auch andere (synth.) Kosmetika kritisch betrachte.
      Danke für Dein Feedback. 🙂

  2. hallo Alexandra- Was Du beschreibst, war für mich auch lange ein Problem Aus beruflichen Gründen muss ich mich inzwischen mit den Zusammensetzungen und Rohstoffen von Kosmetika befassen, kann mir daher manche üble Reaktionen der Haut erklären- aber nicht immer. Und was viele nicht wissen: kurzfristig „verjüngende“ Effekte haben das dicke Ende oft schon im Gepäck. Zusätze aus Granatapfelkernen, Gojo-Beeren usw. sind schick- aber das geht mit bekannten Rohstoffen auch einfacher und besser ( nur nicht so werbewirksam ). Aber auch Naturkosmetika sind nicht immer so „natürlich“ – oder die ‚Verkäufer ‚ vorrangig um die Gesundheit der Kunden besorgt wie man gern glauben möchte.
    Bei mir selbst richten gerade Naturkosmetika im Gesicht oft Übles an- gerötete, brennende Haut- bis hin zu verschorften und länger gereizten Stellen, „Eiterbeulen“ und Pickeln- was mir sonst völlig fremd ist. Ganz „hilfreich“ sind dann solche Kommentare wie „das kann gar nicht sein“.. super! Und was mich dann noch mehr wundert… normalerweise ist meine Haut friedlich. Kurz gefasst: selbst Senf auf der Haut würde weniger Schaden anrichten als manche Kosmetika (egal ob „natur“ oder konventionell).
    Ohne Schwierigkeiten vertrage ich Shiseido-Produkte gut, nach langer Zeit auch wieder Nivea-Kosmetik- Wala-Produkte (Dr. Hauschka) scheint meine Haut regelrecht begeistert zu begrüßen. Bei konvontionellen Produkten beunruhigt mich allerdings der Anteil der „hormonaktiven Substanzen“. So lande ich dann doch immer wieder bei selbstgeührten Cremes und Pflege. Aber auch das ist nicht automatisch positv: die Qualiät der Rohstoffe unterscheidet sich mitunter drastisch- darauf hingewiesen wird man allerdings nicht- d.h. man braucht mehr Informationen als nur das Rezept. Als „normaler Verbraucher“ kann man tatsächlich nur herumprobieren- und die Finger davon lassen, wenn man eine negtive Hautreaktion darauf zeigt. Zum Glück gibt’s ja immer häufiger Probiergrößen.

    1. Vielen Dank für die Informationen und Ergänzungen, Inge. Tatsächlich habe auch ich wegen der Hormone in den herkömmlichen Cremes die Naturkosmetik ausprobiert. Und – so wie auch Du schreibst – machte meine (normalerweise eher pflegeleichte) Haut plötzlich Probleme.

      Mit der Qualität der Rohstoffe sprichst Du einen wichtigen Punkt an. Da benutzt man jahrelang ein bewährtes Pflegemittel und auf einmal wirkt es anders, weil sich etwas an den Rohstoffen oder der Zusammensetzung verändert hat – man aber nicht unbedingt darauf hingewiesen wird.
      Hut ab, dass Du Dir selbst etwas zusammenrührst. Das erfordert eine Menge Hingabe.
      LG, Alexandra

  3. Ich habe vor einigen Jahren komplett auf Naturkosmetik umgestellt. Früher hat meine Haut immer nach Pflege geschrien, nie konnte ich Gesicht oder Hände waschen ohne danach umgehend einzucremen. Das Trockenheitsgefühl machte mich schlicht wahnsinnig. Gleiches galt für die Lippen, wenn ich mal keine Pflege benutzte. Die Umstellung hat etwas gedauert, verschlechtert hat sich mein Hautbild nicht, aber es spannte weiterhin. Nach einigen Monaten allerdings merkte ich, dass meine Haut diese Pflegemittelabhängigkeit komplett überwunden hatte. Selbst jetzt im Winter muss ich nicht ständig cremen (was ich besonders in Bezug auf Handcreme super finde) und wenn ich mal auf Gesichtscreme verzichte, macht mir das auch überhaupt nichts aus. Ich benutze übrigens hauptsächlich Produkte von Lavera, einiges auch von Weleda. Finde ich beides vom Preis-Leistungsverhältnis super. Früher hatte ich jahrzehntelang nur die teuersten Parfümerie-Cremes genommen. Alles Mist was die Inhaltsstoffe betrifft, wie mir mal eine Apothekerin anhand der Inhaltsstoffe eindrucksvoll erklärte. Sie meinte auch, dass jede Drogerie-Creme für 2€ qualitativ hochwertiger ist als das Parfümerie-Zeugs. Dort zahlt man hauptsächlich für den Namen und den guten Duft.

    1. Hallo Bernadette, was Du zuletzt ansprichst, sehe ich auch so. Eigentlich mag ich dieses schöne Gefühl, sich etwas ganz Besonderes in der Parfümerie zu gönnen, tue das aber nur bei Düften. Mein Lieblingsparfüm ist von der teureren Sorte. Cremes, Make-up & Co kaufe ich jedoch bevorzugt in der Drogerie. Für gute Inhaltsstoffe würden wir vermutlich alle mehr bezahlen, aber nur wegen eines Markennamens – ohne Werte dahinter? Nein. Da sind wir uns also einig.

      Was Du über Naturkosmetik schreibst, klingt erfreulich. Ich möchte diesen Bereich der Produkte gar nicht verteufeln, nur habe ich bisher keine guten Erfahrungen damit gemacht. Klar kann es an dieser Creme (und Wimperntusche, etc.) gelegen haben, aber nicht daran, dass ich sie nach wenigen Wochen weggelegt habe. Anfangs dachte ich nämlich so wie Du, dass sich meine Haut an diese Umstellung erst noch gewöhnen müsste. Wenn man aber von Tag zu Tag und mit bloßem Auge immer mehr Irritationen sehen kann, die vorher nie da waren, bricht man das „Experiment“ besser ab. Trotzdem wären mir grundsätzlich hormonfreie Produkte lieber.
      Viele Grüße!!

  4. Beste, günstigste und natürlich Gesichtspflege bleibt für mich Bio-Koksöl aus dem Supermarkt! Umbedingt mal ausprobieren – auch super zum Abschminken! 😉

    Liebe Grüße,
    Anni

    1. 🙂 Lustiger Tippfehler…. Oh, merke gerade, dass die Autokorrektur aus Kokos Koks macht. 😀
      Vielen Dank für den Tipp. Daran hatte ich gar nicht gedacht.
      Ich habe aber schon gehört, das Kokosöl für die Haare gut ist. In einer TV-Reportage sagte eine Inderin: „Kein Wunder, dass die Europäerinnen unsere Haare für Extensions kaufen. Wenn wir uns so viel künstliches Zeug in die Haare schmieren würden wie sie, hätten wir auch kaputtes Haar. Besser selten waschen und häufig Kokosöl einreiben.“ Habe es trotzdem noch nicht ausprobiert. Dein Kommentar hat mich wieder daran erinnert.
      Liebe Grüße!!

  5. naja, mineralöle, glycerin, zusatzstoffe in der normalen kosmetik sind nicht das was ich an meine haut lasse. klebstoff mit ei würde vermutlich auch falten glätten. das bio-bashing geht mir so insgesamt auf die nerven. sicher, bei naturkosmetik geht auch nicht alles und auch dort muss ich kucken, was ich vertrage und welche inhaltsstoffe in bio oder natur sinn machen und welche nicht.
    anni: yes, kokosöl ist toll.
    oder mandelöl. abends. gibts auch in der apotheke und ist dann billiger als das von weleda. and: the winner is: khadi naturkosmetik. es ist der hammer! das öl, die haarpflege, die sandelmaske. sieht nicht schick aus, das haarpflege pulver ist nix für schnell mal unter die dusche und riecht auch ganz schön satt und süss zuweilen. aber die wirkung ist phänomenal. also wenn du mal wieder für experimente bereit bist….

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