Alles Käse

 

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Die heutigen Vorgaben.

Die Autorin Jutta Reichelt bietet auf ihrem Blog einen Geschichtengenerator an und schlägt – ab heute – jeden Freitag eine Aufgabenstellung vor. Jeder, der mag, darf aus den vorgeschlagenen Stichworten eine kurze Geschichte oder Szene basteln. Das halte ich für eine gute Übung und mache daher gerne an der heutigen „Freitag ist Generatortag“-Aktion mit.

Die Vorgaben lauten

  • Nina (schwer bepackt),
  • Wo sind die anderen? und
  • Käsetheke.

Alles Käse

Nina schleppte sich durch den Supermarkt. Sie hatte es satt. Ihre Füße spürte sie kaum noch, ihr Magen knurrte und der Rücken schmerzte. Sie versuchte sich ein wenig zu strecken, doch der schwere Rucksack ließ es nicht zu. Verdammt, warum hatte sie ausgerechnet dieses riesige Ding mitgenommen! Und warum – WARUM – war es so schwer? Vielleicht hätte sie statt der Bücher lieber einen Apfel und statt der Packung Cracker zwei belegte Brötchen einpacken sollen. Aber sie hatte sich das Abenteuer numal anders vorgestellt. Beim Gedanken ans Wandern durch die Natur, hatte sie sich im Schatten eines wunderschönen Baumes liegen und ein Buch lesen gesehen. Um im derart einzigartigen Moment nicht dummerweise die falsche Lektüre dabei zu haben, hatte sie drei Bücher eingepackt. Besser zu viel als zu wenig. Hieß es nicht so?

Pff, jetzt wusste Nina, dass der Spruch nicht stimmte. „Weniger ist mehr!“, knurrte sie und griff in ihre Jackentasche. So stand sie da, im Gang zwischen Mehl und Nudeln und starrte  entsetzt in ihre Geldbörse. Okay, DIESER Satz traf ebenfalls nicht zu. Weniger ist auf keinen Fall gut!, dachte sie und schüttelte den Kopf über die eigene Dummheit. Für fünf Euro konnte man zwar in keinem Restaurant essen, wohl aber eine schmackhafte Kleinigkeit im Supermarkt kaufen.

Nina blickte sich um. Wo die anderen wohl waren? Dann entdeckte sie mehrere Leute aus ihrer Reisegruppe. Zwei davon standen an der Fleischtheke und ließen sich scheinbar Frikadellen samt Brötchen einpacken. Gerade als sie mit dem Gedanken spielte, sich zu ihnen zu gesellen, kamen ihr fünf weitere Teilnehmer zuvor. Nein, auf diese Warteschlange hatte sie jetzt keine Lust. „So ein Käse!“, schimpfte sie unter der Nase und ging weiter.

Abrupt blieb sie stehen. Denn plötzlich sah sie ihn. Er stand hinter der Käsetheke, lässig an ein Regal gelehnt. Groß und genau ihr Typ. Dank jahrelanger Erfahrung wusste Nina sofort, dass er charakterstark war und ….. einfach ein Traum. Als ihr auffiel, dass sie mit offenem Mund dastand, riss sie sich zusammen und ging zur Theke. War das zu fassen? Er schien sie anzulächeln. Sie atmete tief ein und genoss seinen intensiven Duft. Oh ja, genau das, was sie am Ende eines harten Tages brauchte. Am liebsten hätte sie sich ihn sofort gegriffen und wäre mit ihm plus einer Flasche Rotwein an der Kasse vorbei ins Hotel gerannt. Schnell und ohne Rücksicht auf Verluste. Selbst, wenn sich nachher das Zimmermädchen beschweren sollte. Ja, dieses Vergnügen musste sich Nina einfach gönnen. Auf einmal war alles vergessen, die vielen Kilometer, die sie gelaufen war und der schwere Rucksack…. All das hatte sich gelohnt. Wegen ihm.

Gedankenverloren lächelte sie ihn an, als plötzlich ein Verkäufer grinsend vor ihr stand. „Möchten Sie diesen Käse nur anschauen oder darf ich Ihnen ein Paar Scheiben davon einpacken?“

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