Ich glaub´, es piept!

Piep – piep – piep – piep…. „Ach, ich stehe schon wieder zu nah am Backofen“, sage ich zu meiner Freundin und gehe einen Schritt zurück. Wie das nervt! „Wenn man zu nah am Ofen und den Herdplatten steht, ertönt dieses Warnsignal.“ Mein Gegenüber fasst sich an die Stirn und schüttelt den Kopf. „Für Kids bestimmt sinnvoll, aber es stört doch.“ Gut erkannt – und dabei ist sie nur zu Besuch hier. Ich muss mit diesen Folgen der fortschrittlichen Technik täglich leben!

Horn_loudspeaker_animation

von Chetvorno [CC0], via Wikimedia Commons

Etwa eine Viertel Stunde später – kaum, dass wir gemütlich bei Kaffee und Kuchen im Wohnzimmer sitzen: Bööp – bööp – bööp – Pause – bööp – bööp – bööp. „Aber jetzt steht doch niemand am Herd“, wundert sich meine Freundin. „Ähm, nein. Das ist die Waschmaschine, die signalisiert, dass sie fertig ist“, erläutere ich, springe widerwillig auf und renne ins Bad, um das Gerät auszuschalten. Ansonsten müssten wir etwa 20 Minuten lang alle dreißig Sekunden die Bööp-Laute als Untermalung unseres Gesprächs genießen. Immerhin, so eine Waschmaschine hat meine Freundin auch und zeigt daher Verständnis. Verbraucher müssen zusammenhalten.

Während wir schließlich in alten Schulzeiten schwelgen, ertönt plötzlich ein lauter Alarm. Piiiieeeep – piiiieeeep – piiiieeeep – piiiieeeep…. Am liebsten würde ich meinen Kopf auf den Tisch fallen lassen. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ein Kopfschmerz macht sich breit. „Sag mal, was hast du denn für Geräte?“, beklagt sich meine Freundin grinsend. Ich winke ab. „Diesmal ist es bei der Nachbarin. Ihr ist wohl mal wieder etwas übergekocht.“ Unter uns, das passiert mehrmals pro Woche. Der Rauchmelder dröhnt durchs ganze Haus. Ich verstehe das nicht, denn das Teil befindet sich nicht in der Küche, sondern hängt an der Decke im Flur. Wie schlimm muss man kochen, damit der Rauch so intensiv bis in den Flur reicht? Alle drei bis vier Tage!

Damit ist das Thema allerdings noch nicht vom Tisch, denn Minuten später ertönt eine Fahrradklingel. In der Küche, aber dennoch gut hörbar. Ich warte gar nicht erst ab, bis mein Gast eine Frage stellt. „Smartphone. SMS oder so.“, erwähne ich beiläufig und setze unser Gespräch fort. Meine Eltern haben dafür übrigens ihre eigene Methode, mit der sie mich gerne aufziehen. Wenn ich bei ihnen bin und zum Beispiel von der Toilette zurückkomme, sagen sie manchmal: „Der Nachbar ist auf dem Fahrrad vorbeigefahren.“ Dann weiß ich, dass mein Smartphone gebimmelt hat und ich eine Nachricht erhalten habe.

Ja ja, schon klar, dass man das Gerät auf lautlos schalten kann. Allerdings erzeugt ein vibrierendes Handy, das sich auf dem Tisch fortbewegt, wesentlich auffälligere Geräusche als ein kurzer Klingelton.

Weg von den Kleingeräten. Nicht einmal als Autofahrer hat man seine Ruhe. Okay, ich fahre einen VW. Jetzt könnten böse Zungen behaupten, es läge daran. Aber vielleicht kennt Ihr es trotzdem. Hin und wieder schrecke ich beim Fahren auf. Biiiieeeem! Das Signal zur Erinnerung, dass der Tank bald leer sein wird, ist unerträglich laut. Vermutlich für Schwerhörige gedacht, aber gut, es erfüllt ja einen Zweck.

Andererseits erfüllen alle genannten Signale einen Zweck, nerven aber trotzdem. Und ja, man kann einen Teil davon abschalten, jedoch nicht alles. Achtet mal im Alltag darauf. Es kommt so einiges zusammen an akkustischer Belastung. Wir können zum Mond fliegen, kriegen es aber nicht hin, leise Laubbläser herzustellen (oder sie komplett abzuschaffen). Die Händetrockner in öffentlichen Toiletten klingen wie Flugzeugturbinen und in fensterlosen Badezimmern ist ans Lesen nicht zu denken, weil das Lüftungssystem derart in den Ohren dröhnt.

Da ist es doch kein Wunder, wenn wir früher oder später Geräusche hören, die gar nicht da sind. Allein die vielen Leute, die alle paar Minuten nach ihrem Smartphone greifen und es dann überrascht weglegen, weil doch niemand geschrieben hat. Purer Alltag in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Es ist menschlich, hin und wieder die Nase voll von den künstlichen Geräuschen zu haben, die uns täglich umgeben. Also die Ohren voll…

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2 Gedanken zu “Ich glaub´, es piept!

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