Crazy Morning

CITY STORIES8:30 Uhr mitten in der City. Eine kleine Brünette steht in der Fußgängerzone und wird von einem fremden Blonden angesprochen. Ich war die Brünette und beim Blonden handelte es sich um einen etwa elfjährigen Jungen.

„Entschuldigung, wissen Sie vielleicht, wann dieses Geschäft öffnet?“, fragte mich plötzlich ein Junge neben mir.

„Ja“, gab ich zur Antwort und deutete auf die Ladentür vor uns. „Siehst du, dort unten stehen die Öffnungszeiten. Ab 9:00 Uhr also.“

Der Junge kniff die Augen zusammen und blickte gen Tür. „Ach so. Danke.“

An seinem Rücken prangte ein großer Schulrucksack. Demnach schien er auf dem Schulweg zu sein, blieb jedoch weiter neben mir stehen, obwohl der Laden erst in etwa 30 Minuten öffnen würde.

Ich wunderte mich. „Hast du vor zu warten?“

„Klar.“

„Aber musst du nicht zur Schule?“

Der Junge sah mich selbstbewusst an. „Ja, muss ich.“

„Hast du die erste Stunde frei?“

„Nein.“

Ich runzelte die Stirn. „Dann hat dein Unterricht schon angefangen.“

Der Junge legte den Kopf zur Seite und blickte mich freundlich, aber herausfordernd an. „Stimmt. Und?“

„Also bist du spät dran und verpasst doch alles.“

Mir schien diese Tatsache wichtiger zu sein als ihm. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass er sich einfach nur mit jemandem unterhalten wollte und unser Gespräch (wie ich übrigens auch) genoss. Zugleich hoffte ich, dass er nicht öfter irgendwelche fremden Leute ansprach.

„Am besten du gehst jetzt direkt zur Schule, anstatt hier zu warten.“

„Och, mein Schulweg ist aber soo lang! Ich muss über den ganzen Zentralplatz laufen und noch viel weiter!“

„Welche Schule besuchst du denn?“

Er nannte mir einen Namen, den ich nicht kannte. „Das ist in der Nähe der Basilika.“

Dieser Hinweis half mir weiter. Etwas überrascht wollte ich daraufhin wissen, ob er noch die Grundschule besuche.

„Nein! Meine Schule geht bis zur zehnten Klasse.“

„Ich wusste gar nicht, dass es dort so eine Schule gibt“, gab ich überrascht zu.

„Jetzt wissen Sie es.“

Was für ein großartiges Kind! Ich musste mir ein Schmunzeln verkneifen. Sehr aufgeweckt, das Kerlchen.

„Und was möchtest du in diesem Laden kaufen?“, setzte ich unser Gespräch fort.

Nun legte der Junge seinen Kopf zur anderen Seite. „Naja, da ist so eine neue Zeitschrift rausgekommen und die verkaufen sie hier.“

Ich lächelte. „Verstehe. Trotzdem ist es sinnvoller, wenn du jetzt zur Schule gehst und dir danach die Zeitschrift kaufst.“

Der Junge nickte. „Hm, stimmt.“ Dann zuckte er mit den Schultern und verabschiedete sich. „Okay, dann gehe ich jetzt zur Schule.“ Winkend ging er in die richtige Richtung.

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2 Gedanken zu “Crazy Morning

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