Für ihre Töchter machen sich Väter zum Affen, oder: Wenn Männer im Gully fischen

Dass Töchter ihre Väter problemlos um den Finger wickeln können, war mir als Tochter schon lange bekannt. Immerhin bin ich selbst sehr gut darin. Inzwischen weiß ich es jedoch auch als Mutter.

Als mein Mann heute früh unsere Kinder auf dem Weg zur Schule begleitete, fiel unserer Tochter ein Ring vom Finger und landete – wie sollte es auch anders sein – im Gully. Dem folgte (natürlich) lautes Geheule, das sich nicht mehr bremsen ließ. Bittere Tränen verließen die großen Augen und kullerten über die süßen Wangen. Da wurde Papas Herz ganz weich und er versprach, im Gully nach dem Ring zu fischen. „Gut, und wenn du es nicht schaffst, Papi, dann bitte ich den Lehrer darum“, meinte Töchterchen. Damit war alles klar.

PlastikringKaum, dass mein Mann zurück nach Hause kam, um seine Tasche zu nehmen und sich auf den Weg zur Arbeit zu machen, verschwand er im Schlafzimmer. „Es ist etwas Unfassbares passiert“, erwähnte er im Vorbeigehen. Mir wurde schlagartig heiß. War etwas mit unseren Kids? Dann stand er mit einem Kleiderbügel aus der Reinigung vor mir und begann die dünnen Drähte zu verbiegen. „Nichts, worüber du dir Sorgen machen müsstest.“ Na, den Satz kannte ich leider auch aus Situationen, die dann doch zu Sorgen geführt hatten. Zum Glück erzählte er sofort weiter. „Unserer Kleinen ist der Ring in den Gully gefallen und sie hat sehr geweint.“

Unter uns: Kleine Mädchen schaffen es, Barbies in ihren Ranzen zur Schule zu schmuggeln, obwohl Mamas es verbieten – und sie tragen ständig irgendwelche Ringe und Armbänder, die sie grundsätzlich irgendwo verlegen oder verlieren. Wir Mütter werden dann als Suchmaschinen beauftragt, denn: „Männer finden sowieso nichts, Mami!“ Tja, diesmal war wohl der Vater dran. Und ich glaubte es kaum, denn meine bessere Hälfte ließ seine Aktentasche einfach in der Ecke stehen und fummelte weiter am Drahtgestell herum. „Schau mal!“ Er hielt mir den Bügel hin, der nun zu einem langen Hacken geformt war. „Diese Billigdinger von der Reinigung sind ja praktisch. Damit werde ich den Ring bestimmt aus dem Gulli angeln.“ Kaum gesagt, schon war er weg.

Ich lache jetzt noch innerlich, wenn ich mir vorstelle, dass vielleicht jemand aus einem der Häuser, die in der Nähe des besagten Gullys stehen, durch die Fensterscheibe blickte. Das muss wie in einer Komödie ausgesehen haben: Ein groß gewachsener Mann in auffällig schicker Kleidung (Preppy-Style) hockt am Gullydeckel und stochert mit einem verbogenen Kleiderbügel in den Löchern herum.

Als ob das nicht absurd genug wäre, wurde es sogar noch getoppt! Stellt Euch Folgendes vor: Mein Mann fischte den Ring tatsächlich heraus und brachte ihn nach Hause. Töchterchen dachte aber, er habe ihn nicht gefunden und weinte in der Schule weiter. Die Tränchen verfehlten ihre Wirkung auch beim Lehrer nicht. (Männer!) Jetzt dürft Ihr raten, was die Bewohner der Häuser am Gully in der großen Pause zu sehen bekamen. Ja! Nun hockte der Lehrer über dem Gully und fischte mit einer Zange in den Öffnungen herum. „Alte Kaugummis hatten wir da rausbekommen, aber von einem Ring war nichts zu sehen“, erzählte mir der Lehrer später. Armer Mann, der Ring hatte längst gesäubert in unserem Badezimmer gelegen.

Hättet Ihr gedacht, dass Männer all das machen würden? Wegen eines Plastikringes für 50 Cent?

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2 Gedanken zu “Für ihre Töchter machen sich Väter zum Affen, oder: Wenn Männer im Gully fischen

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