Wie liest DU denn!

Zwei Menschen sitzen im Bus. Beide halten jeweils ein Taschenbuch in den Händen und lesen konzentriert. Was sich identisch anhört, sieht unterschiedlich aus. Denn beim einen wirkt die Lektüre brandneu, obwohl er bereits auf einer der letzten Seiten angelangt ist. Der andere Leser ist noch nicht bei der Hälfte, doch er hält sein Buch in der Mitte durchgeknickt. Seine Lektüre wirkt verbraucht. Welcher Leser bist Du?

Gelesenes Buch

Ich höre sie schon, die Schreie der Empörung. Menschen, die Bücher mit großer Liebe behandeln, sie hegen und pflegen. Bei ihnen sieht auch ein viermal gelesenes Taschenbuch noch wie neu aus. Sehen sie andere Leser in Bücher kritzeln, tut es ihnen nahezu körperlich weh. Und nun Hand aufs Herz:

  • Knickst Du Bücher beim Lesen (zumindest manchmal) durch?
  • Klebst Du Notizzettel hinein?
  • Hast Du schon mal Notizen ins Buch gekritzelt?
  • (Achtung, nur für Tapfere:) Auch mit BUNTEN Stiften?
  • (Und jetzt ganz schlimm:) Findet man in Deinen Büchern Eselsohren?

Von harten Fragen nun zu noch härteren Fakten. Ich muss Euch nämlich enttäuschen. Ja, ich liebe Bücher, gehe aber selten schonend mit ihnen um. Vielen meiner Lektüren ist anzusehen, dass man sie gelesen hat. In dem Fall also ich. Nicht selten sind darin Randnotizen zu finden. Manchmal auf beinahe jeder Seite. In furchtbarer Schrift. Teilweise auch mit Buntstiften. Erlaubt mir doch bitte zur Ehrenrettung schnell hinzuzufügen, dass zumindest Eselsohren so gar nicht mein Fall sind. Die findet man in den Lektüren in meinen Bücherregalen nicht. (Hoffentlich.)

Kaffeeflecken und Schokoladen-Schmierereien gehören ebenso wenig zu meinem Lesestil. Leider kann ich mich jedoch nicht ganz davon freisprechen. Ist es nicht menschlich, dass einem beim Lesen eines Krimis die Schokolade aus der Hand fällt vor Schreck? Im Grunde ist so ein Schokostreifen auf einer Buchseite geradezu ein Kompliment für den Autor! Und Jasmintee-Flecken auf den Seiten eines Romans, in dem die Protagonistin auf Jasmintee schwört, sind selbstverständlich als Vervollständigung zu verstehen. Was sonst?

Doch bevor Ihr jetzt glaubt, ich hätte lauter eklige Bücher zu Hause stehen und liegen: Nein, keine Sorge! Knicke haben die Taschenbücher tatsächlich, aber bunte Notizen nur meine ehemaligen Schullektüren sowie viele Exemplare aus meiner Studienzeit. Manche der Klassiker habe ich daher inzwischen doppelt, so dass im Wohnzimmerregal nur die schönen Exemplare (ohne Kritzeleien) stehen. Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, blieben von jeglichen Notizen frei. Da ich meine Lektüren jedoch nicht nur überfliege, sondern mit ihnen arbeite, kann ich z.B. auf bunte Klebestreifen nicht verzichten. Um beispielsweise eine Buchrezension verfassen zu können, ist es notwendig, besonders aussagestarke Textstellen zu markieren. Das geht mit den Streifen am besten, weil sie sich danach problemlos entfernen lassen. Manchmal lege ich aber auch einfach Notizzettel zwischen die Seiten. Ganz ohne Klebstoff. Klappt auch.

Und wer sich auffällig gelungene Textpassagen einprägen, bestimmte Zitate (sichtbar gekennzeichnet) in eigenen Texten verwenden oder sich intensiver mit dem jeweiligen Thema befassen möchte, dem empfehle ich eine Datenbank anzulegen. Buchdaten, kurze Inhaltsangabe oder Stichworte, Zitate mit Seitenangaben und eigene Gedanken hinein – fertig. Mit der Zeit hat man dann ein starkes Gerüst, mit dem sich gut an eigenen Werken bauen lässt. Diese Vorgehensweise ist beim wissenschaftlichen Arbeiten üblich und gilt nicht grundlos als sinnvoll beim Verfassen von Sachtexten. Allerdings kann so eine Datenbank auch als Inspirationsquelle dienen.

Nun entschuldigt mich bitte, ich habe eine Buchrezension zu schreiben.

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Ein Gedanke zu “Wie liest DU denn!

  1. Also – ich gebe dir recht: Die schönsten Bücher „verdienen“ Klebezettel, Anmerkungen und unterstrichene Zeilen – und auch Eselsohren, im Falle, dass ich keinen Bleistift zur Hand habe, aber mir unbedingt eine Textstelle merken will. Zum Nachlesen. Zum Wörter-Schmecken. Zum Nochmal-Genießen. Oder schlicht als Merkhilfe. Das ist doch auch einer der Vorteile eines gedruckten Buches, oder nicht? Ich kann damit regelrecht „umgehen“, „hantieren“. (Deshalb kommt auf den Reader bei mir nur schnelle Lesekost!)

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