Steffen Möller: Viva Warszawa

Viva WarszawaWas wissen wir über Warszawa? Pardon, Warschau – wie die Stadt hierzulande heißt. Ich war noch nie dort und wusste nicht viel, dafür aber, dass Steffen Möller lesenswerte Bücher schreibt. Sein erstes Buch („Viva Polonia“) hatte mir gut gefallen, daher freute ich mich auch auf diese Lektüre und wurde nicht enttäuscht. Vermutlich fragt Ihr Euch wie der Untertitel Polen für Fortgeschrittene zu verstehen ist. Das muss im Zusammenhang mit einer anderen polnischen Stadt betrachtet werden: Krakau. Möllers Meinung nach, ist das malerische Krakau die Stadt für Polenanfänger und Warschau für Fortgeschrittene.

„Krakau ist eine verzauberte Märchenwelt, die im Krieg wie durch ein Wunder nicht zerstört wurde. Warschau steht für die blutige Geschichte Polens {…}, aber vor allem für die Gegenwart, für das erstaunliche Wirtschaftswunder nach 1989 {…}.“ (S. 6)

Als Wuppertaler, der seit gut 20 Jahren in Polen lebt und inzwischen zusätzlich auch eine Wohnung in Berlin hat, um zwischen den beiden Hauptstädten zu pendeln, kennt sich der Autor gut aus. Er vergleicht beide Städte und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Insbesondere die Mentalitätsunterschiede ihrer Bewohner finde ich spannend, aber auch die zahlreichen „geheimen Ecken“ von Warschau erregten mein Interesse. Was ich damit meine? Kultcafés, Klubs mit Geschichte und großartiger Live-Musik, empfehlenswerte Lokale und Bio-Märkte unter freiem Himmel, Parkanlagen mit Live-Musik, versteckte Sehenswürdigkeiten…. Ich kann unmöglich alles aufzählen. Nicht einmal Steffen Möller tut es, denn er liefert hier keine Liste ab, sondern erzählt uns von den Zusammenhängen, vermittelt Hintergrundwissen und bringt uns Leser zum Lachen. So lernen wir beispielsweise Persönlichkeiten wie Jurek, den Anscheißer oder den ernsten Piotrek – einen Kleinkunstanimateur – kennen.

Hättet Ihr gedacht, dass Warschau einen herrlichen Strand hat? Oder, dass das gegenüberliegende Flussufer eine unregulierte Natur bietet und dort „schon so mancher späte Jogger {…} plötzlich von einem Elch überholt“ (S. 21) wurde? Auch war mir nicht klar, wie sehr die Warschauer Nachtszene kocht und dass auch dort Hipster ihre Lieblingsecken haben.

Woher meine Ahnungslosigkeit? Seien wir ehrlich, in den deutschen Medien ist so gut wie nie von Polen die Rede. Man könnte glatt meinen, wir hätten im Osten gar kein Nachbarland. Daher ist es von Vorteil, dass der Autor uns auch Teile der polnischen Geschichte näher bringt.

Diese Kapitel können schockieren, weil man als deutscher Leser feststellt, wie viel Wissen uns teilweise über Deutschland fehlt. Vor allem im Hinblick auf den 2. Weltkrieg ist das der Fall. Meine Lieblingsstory im geschichtlichen Teil des Buches ist keine tragische, sondern eine rührende. Habt Ihr schon mal was von einem Bären gehört, der polnischer Soldat war? Er hieß Wojtek. Ich las es, sah mir auf YouTube eine schottisch-polnische Dokumentation über Wojtek an und staune noch jetzt darüber. (Kaum zu glauben, dass Hollywood sich dessen noch nicht angenommen hat. Oder treffender: Zum Glück!)

Neben geschichtlichen Fakten, weckten vor allem Möllers Anekdoten aus seinem Leben in Warschau mein Interesse. Doch bevor ich hier die gesamte Lektüre falsch nacherzähle, hier sein Lied zum Buch:

Ich empfehle Euch diese Lektüre wärmstens! Und wer nach dem Lesen noch Fragen oder sonstige Bemerkungen hat, kann sich gerne direkt an den Autor wenden. Seine E-Mail-Adresse nennt er bewusst im Buch und beantwortet die Mails übrigens persönlich. (Habe ich vor einigen Jahren ausprobiert.)

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2 Gedanken zu “Steffen Möller: Viva Warszawa

  1. So weit und so gut, bis zum Bären. Oder hätte man gedacht, dass irgendein Land auf der Welt sich einen Präsidenten leistet, der in einem seiner Sprachversuche, die man wohl für REDEN halten soll, behauptet, Polen habe im Weltkrieg2 die meisten Opfer zu beklagen? Aber im Lande des Landes, dessen Präsident er darzustellen versucht, sendet ein Sender, der nicht Gleiwitz ist, sich den größten des Kontinents nennt- nach der Kinderschänder BBC- das als Nachricht, was der Greis da plappert. Ob das die Polen sich gefallen lassen? Final getätschelt vom Kind der Nazibrut erster Güte? Neuste Wahlergebnisse könnten da eine bejubelnswerte Distanz zu Merkelianern aufkeimen lassen.Dass sich Hollywood des gaucks noch nicht angenommen hat…
    Aber das Polen, das laut nach Sanktionen gegen RUS krähte, dessen größter Apfellieferant ist und dann, wenn man nicht weiß wohin mit dem Obst, nach Brüssel rennt und Entschädigung gfordert… und von der Schlächterin Deutschlands, dieser Merkel, auch bekommt, diese Polen mit Rechtsdrift brauche ich i nder Funktion Wichtigkeitsdarstellerland ohne wesentliche Industrie nicht.

    1. Politik ist ein weites Feld. Es gibt vermutlich kein Land auf der Welt, dem – sowohl im Rückblick als auch die Gegenwart betreffend – nichts vorzuwerfen ist.

      Das mit dem Bären ist übrigens keine schlimme Geschichte, denn die Soldaten hatten den verwaisten Bären gerettet. Ich halte es für notwendig, Sachverhalte aus den Zusammenhängen heraus zu begreifen und die entsprechenden Umstände dabei zu berücksichtigen. Denn im Grunde lässt sich immer und über alles streiten.

      Konkret zur Lektüre: Der Autor hat hier kein friedliches Bilderbuch vorgelegt, sondern erwähnt auch Kritisches. Am besten selbst lesen. 🙂

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