Kleines Glück im Alltag

Rock your life!Manchmal habe ich genug von der heutigen Gesellschaft, in der wir an einander vorbeileben. Egoismus und Achtlosigkeit sind Teile davon. Umso erfreuter stelle ich immer wieder fest, dass es auch noch Menschen gibt, die nicht mit der Masse schwimmen, sich nicht verstellen oder unbeteiligt hinter anderen verstecken.

Denn es gibt sie noch: Menschen, die es schaffen, uns an einem miesen Tag, an dem wirklich alles schlecht zu sein scheint, plötzlich ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Fremde Menschen. Das ist übrigens keine Frage des Alters.

Kürzlich war ich in einer Arztpraxis, um eine Überweisung abzuholen. Während ich im Flur wartete, schwirrten lauter Sorgen und Probleme durch meinen Kopf. Um mich davon abzulenken, blickte ich mich im Raum um. Zwei kleine Kinder gingen mit ihrer Mama an mir vorbei. Plötzlich machte das kleinere Kind, ein süßer Junge, kehrt. Mit offenen Armen kam er auf mich zu, umklammerte meine Beine und schmiegte sich an mich. Sofort zuckten meine Mundwinkel und ein Glücksgefühl breitete sich in mir aus. Die Mutter rief ihren Sohn, bat ihn, mich loszulassen. Er weigerte sich. Das Glücksgefühl wurde noch stärker. „Aber was sollen die Leute denken?“, empörte sich die Frau. „Das sieht ja aus, als würden wir zu Hause nicht mit dir kuscheln!“ Der kleine Mann ignorierte jede Aufforderung, knuddelte sich weiterhin an mich. Ich genoss es und beschwichtigte die Mutter, doch sie wollte natürlich heim. Schließlich kam sie, schnappte sich ihr Kind und verließ die Praxis. Noch heute schmunzele ich vor mich hin, wenn ich an den kleinen Jungen denke. Er war so lieb! Und er hatte es geschafft, meine Stimmung von einer Sekunde auf die andere komplett zu verändern. Er hat meinen Tag erhellt und mir einen Moment beschert, der als schöne Erinnerung in meinem Gedächtnis bleibt.

Ist das nicht erstaunlich? Menschen, die uns zufällig über den Weg laufen und möglicherweise gar nicht wissen, wie schlecht es in uns aussieht – wie besorgt, enttäuscht oder aufgewühlt wir sind. Leute, denen es egal sein kann, wie wir uns fühlen, tun uns plötzlich gut. Einfach so. Dabei ist es ihnen nicht immer bewusst. Jemand sagt und macht etwas, das uns innerlich aufbaut. Ich bin dankbar für solche Augenblicke. Denn seien wir ehrlich, man hat lange was davon.

Vor etwa drei Jahren war ich am Ende eines wirklich schlechten Tages (oder Monats?) derart durcheinander, dass mir die Decke auf den Kopf zu fallen drohte. Kennt Ihr den Drang, rauszugehen, frische Luft aufzusaugen und …. zu rennen? Dem Horizont entgegen? Ich schnappte mir die alten Laufschuhe, die bereits vergessen hatten, wozu sie dienten, und lief mit meiner Schwester los. Da wir aus der Übung waren, legten wir eine kurze Pause ein und gingen schnellen Schrittes eine Gasse entlang. Plötzlich hörten wir eine tiefe Männerstimme „Hallo, schöne Frauen!“ rufen. Das wirkte ein wenig unheimlich in der Dämmerung – vor allem, weil es um uns herum eigentlich völlig still war. Kein Auto fuhr, kein Mensch war zu sehen. In einem Haus vor uns entdeckten wir schließlich einen etwa 50-Jährigen Mann, der uns zuwinkte. Wir gingen weiter, doch er gab nicht auf und begann für uns zu singen. Leise kichernd legten wir einen Zahn zu. „Moment!“, rief der Fremde und verschwand für einen Augenblick hinter den Vorhängen. Wir waren inzwischen zwei Häuser weiter, sahen aber noch, wie er mit einer Trompete im Fenster erschien. Die Melodie, die er spielte, begleitete uns mehrere Straßen weit. Trompetenklänge. Den Rest der Strecke liefen wir mit einem Lächeln im Gesicht.

Wenn mich also manchmal das Gefühl überkommt, dass heute vieles so ganz anders ist, als in meiner Kindheit, in der Menschen überall miteinander kommunizierten, spontan und intuitiv handelten, dann denke ich an die schönen und zum Glück nicht ganz seltenen Augenblicke, wie die genannten zurück. Diese Ausbrüche aus der anonymen Masse sind Perlen des Alltags.

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