Giovanni di Lorenzo: Vom Aufstieg und anderen Niederlagen

Zum Staunen, Entsetzen, Schmunzeln – dieses Buch ist kein Roman und beeindruckt daher umso mehr durch die vielen unterschiedlichen Eindrücke und Gefühle. Es besteht aus lesenswerten Interviews, die der erfolgreiche Journalist und Moderator Giovanni di Lorenzo im Laufe von 30 Jahren mit prominenten Persönlichkeiten geführt hat. Eines steht fest: Nicht nur der Titel ist gut.

 

Vom Aufstieg und anderen Niederlagen_G_di_Lorenzo Mir war die Lektüre ein Genuss. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sich selbst die Interviewpartner, für die ich mich nicht sonderlich interessierte, als spannende Persönlichkeiten mit lesenswerten Lebenserfahrungen herausstellten. Ich gebe ebenfalls zu, die Dialoge nicht in der angebotenen Reihenfolge gelesen zu haben. Als erstes schlug ich das Interview mit Karl-Theodor zu Guttenberg auf, danach das mit Monica Lierhaus, Anne-Sophie Mutter …. Der Hauptgrund dafür war, dass ich mich nicht sofort an das erste Gespräch heranwagte. Es ist eines der neuesten Dialoge in dieser Lektüre: Di Lorenzos Interview mit der Auschwitz-Überlebenden Renate Lasker-Harpprecht. Der Holocaust war das Hauptthema meines Geschichtsunterrichts in der Schule. Jahrelang sprachen wir über nichts anderes. Es ist ein Thema, das mir derart unter die Haut geht, dass es mich immer wieder Überwindung kostet, ihm ein weiteres Mal zu begegnen. Doch genau dieses Interview gehört zu denen, die mich am meisten berührt haben und mich überraschten, weil ich eben doch einiges noch nicht gewusst hatte.

Zu Giovanni di Lorenzos Gesprächspartnerinnen und -partnern im Buch zählen: Anne-Sophie Mutter, Joachim Gauck, Helmut Dietl, Petra Kelly, Giovanni Trapattoni, Angela Merkel, Rudolf Augstein, Helmut Schmidt, Hans-Jürgen Wischnewski, Hall Andic, Silvio Berlusconi, Monica Lierhaus, Margot Käßmann, Karl-Theodor zu Guttenberg, Renate Lasker-Harpprecht, Sergio Corbucci, Armin Mueller-Stahl, Eberhard und Helga von Brauchitsch, Boris Becker und Toni Negri.

Ein Teil der Interviews liegt Jahre zurück, daher könnte man meinen, der Inhalt habe an Aktualität und Wirkungskraft verloren. Das Gegenteil ist der Fall. Es ist unglaublich spannend den Erzählerinnen und Erzählern „zuzuhören“ und mit ihnen in – auch im negativen Sinne – besondere Situationen zurückzublicken, Orten und Menschen (aus der Perspektive der Interviewten) zu begegnen, die man selbst nicht erlebt und nicht gekannt hat. Das ist bereichernd.

Gespräche mit interessanten Menschen haben es mir ohnehin angetan – ob im Fernsehen oder gedruckt. Wie Di Lorenzo selbst in der Einleitung erwähnt, bieten TV-Sendungen den Vorteil, dass man die Interviewten sieht und auf diese Weise einen eigenen Eindruck von der Person gewinnen kann. Beim Lesen ist es ein wenig anders. Man sieht diejenigen nicht, sondern liest lediglich ihre Antworten. Ich halte das nicht unbedingt für einen Nachteil. Gelesen gewinnen die Worte an Gewicht, während man beim Zuschauen möglicherweise der „Fassade“ mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Wer den Journalisten und Moderator aus seiner Talkshow kennt, ist zudem in der Lage, sich beim Lesen hier und da Di Lorenzos Gesichtsausdruck oder seine typischen Gesten vorzustellen.
Alle Gespräche brachten mich zum Nachdenken. Wie sollte es auch anders sein? Ursprünglich wollte ich einige Zitate in die Rezension einbauen, wie ich es gerne tue, doch dann entschied ich mich dagegen. Kein Zitat wird dem Buch gerecht. Man muss es einfach lesen.

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