Zahnärzte fordern: Esst mehr Süßes!

Das Leben ist eine Sitcom. So kommt es mir manchmal vor. Kennt Ihr diese typischen Sitcom-Familien? Für Außenstehende ein wenig verrückt, aber dennoch sympathisch? Seit Jahren scheine ich hin und wieder in deren Kulissen zu geraten, mitten in eine Szene.

Zum Heulen

Ein Wohnungsflur. Kind sitzt auf der Schuhtruhe und weint laut. Die Mutter, sagen wir eine nette Brünette, möchte ihr Kind in den Kindergarten bringen und versucht es zu trösten. Mit einem Taschentuch tupft sie ihrem Kind die Tränen weg. Daraufhin das Kind wütend:

„Ich will meine Träne zurück haben!!!!“

Und dann gibt es diese Momente, in denen die Familie beisammen sitzt und das Kleinkind plötzlich sagt: „Wir sind gute Leute.“

Erfinder gibt es in jeder Familie

Wenige Monate nach der Geburt meiner Tochter, kam ihr älterer Bruder auf eine fantastische Idee. Kaum, dass er mit dem Frühstück fertig war, holte er mehrere Legosteine an den Tisch und baute ein längliches Etwas. Schließlich erklärte er, dies sei eine Fernbedienung, mit der er seine Schwester „bedienen“ wolle, damit diese aufhöre zu schreien. Wie jeder Erfinder, wagte er unzählige Versuche.

Der Fluch der Werbespots

In einigen europäischen Ländern sind Werbeunterbrechungen auf Kinderkanälen verboten. Das habe ich jedenfalls mal irgendwo gelesen. Wie klug! Denn Hand aufs Herz: Lernen nicht so gut wie alle Kinder Werbespots auswendig? Wie Schwämme saugen sie Sprüche und Dialoge auf. Wie die Väter. Schlimm.

Irgendwann sitzt du beim Abendbrot, die TV-Kiste ist aus, aber deine Familie liefert sich einen Wettbewerb im Spot-Vortragen ab. Und beim Zähneputzen albern die Kleinen samt Vater herum, spielen mit den Texten. Ja, ja. Du erzählst von Karies und sie erfinden einen neuen Werbespot: „Zahnärzte fordern: Esst mehr Süßes!“

Esst mehr Süßes

Neue Namen für die Wissenschaft

Mit Zahlen ist es so eine Sache. Wir Erwachsenen sollten offener für neue Bezeichnung werden. Mein Großer, damals noch Kleiner, sagte beim ersten Anblick der Zahl 20 voller Überzeugung: „Das ist die Nullundzwanzig!“

Einleuchtend, oder? Wenn gilt: 21 = einundzwanzig und 22 = zweiundzwanzig, dann muss 20 folgerichtig nullundzwanzig heißen. Klar.

 

Lesen ist gefährlich

Kaum nähert sich das Kind dem schulpflichtigen Alter, schon können es viele Eltern kaum erwarten, dass es lesen kann. Denn leider scheint sich eine Nebenwirkung des Lesens noch nicht rumgesprochen zu haben: Sobald Kinder anfangen zu lesen, lesen sie alles und überall. Du bist mit dem Auto unterwegs und bekommst jedes – JEDES! – Schild vorgelesen. Selbst wenn du aufs Gaspedal drückst, erkennt das Kind die Leuchtreklame in mehreren hundert Metern Entfernung: „Schau mal, da steht E-ro-tik!“

Du hustest und schaltest ein Hörspiel ein, in der Hoffnung, dir bleibt die Frage erspart, was denn Erotik sei. Schon erklingt das Lied „Bobo, Bobo – Lautes, Leises. Bobo, Bobo – Schwarzes, Weißes ….“ und raubt dir den Verstand. (Nur fürs Protokoll: Ich mochte diesen Einspieler, doch es soll Väter geben, die unter einer furchtbaren Allergie gegen dieses Lied leiden. Mir macht eher „Benjamin, du lieber Elefant ….“ zu schaffen.)

Kinder lernen schnell und haben es vor allem auf Werbung abgesehen. Werbeplakate am Straßenrand sind der Horror. Da gibst du dir als Erwachsener Mühe, all diese (meist) schlechten Slogans auszublenden, aber dein Nachwuchs liest sie dir vor. Es wird nämlich nicht nur die fett gedruckte Überschrift vorgelesen, sondern sämtliche Sprechblasen und überhaupt.

Auch Einkäufe dauern dann schon mal länger. Schließlich will der Name eines jeden Produktes vorgelesen werden. Laut. Mit Fettgehalt und allem, was du manchmal lieber nicht so genau wissen willst. Insofern ist Lesen doch nicht gefährlich, sondern rettet deine Gesundheit. Oder so.

Kleine Umweltaktivisten und Nachwuchsmediziner

In Schulen gibt es zunehmend großartige Projekte, die Kindern einen sinnvollen Umgang mit der Umwelt sowie Wissen über den menschlichen Körper vermitteln. Was ist gesund für uns, was nicht? Wie verarbeitet unser Körper das Essen? Was ist schädlich für die Natur? Wie gehen wir mit Müll um? All das und noch viel mehr. Sehr gut, denke ich und freue mich über derartige Aktionen. Bei Kindern kommen sie ebenfalls erstaunlich gut an. Schon die Kleinen finden derartige Themen deutlich interessanter als Buchstabensalat. Allerdings hat auch das gewisse Nebenwirkungen.

„Mama, ich will nicht, dass wir im Globus einkaufen.“

„Warum nicht?“

„Weil das die Konkurrenz vom Edeka ist. Die machen Edeka kaputt! Aber Edeka ist gut für die Tiere und die Umwelt!“

„Wieso ist Edeka gut für die Umwelt?“

„Na, die arbeiten doch mit dem WWF zusammen!“

 

Neulich waren wir im Globus einkaufen und als ob die Kassiererin alles wüsste, übergab sie plötzlich meinen Kindern Geschenke. Kleine Mitbringspiele, keinen Schrott. Freude kam auf, doch die Sache mit dem WWF wiegt schwerer.

Was wohl für den modernen Umwelt- und Ernährungsunterricht spricht, erfährt, wer Gespräche unter Kindern „belauscht“.

„Du solltest etwas trinken, sonst trocknen deine Nieren aus.“ Wow! Oder:

„Besser wir essen heute keine Süßigkeiten mehr. Zu viel Süßes ist ungesund.“

 

Was wiederum weniger gut ankommt, ist, wenn dein Kind eine Raucherin anspricht: „Vom Rauchen bekommt man gelbe Zähne.“

Alles hat zwei Seiten. Mindestens.

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