Kann man mit Mitte 30 ein Musikinstrument lernen?

Flöte, Keyboard und Gitarre – in genau dieser Reihenfolge lernte ich als Kind die Instrumente spielen. Das heißt, ich hatte vor, es zu tun. Woran die guten Vorsätze scheiterten? Denkt einfach an die Ziele, die Ihr Euch an Neujahr setzt und nach wenigen Wochen möglichst unauffällig vergesst. Böse Zungen sprächen jetzt von Bequemlichkeit, doch wer will das schon hören? Nun ja, an Faulheit hatte es bei mir nicht gelegen – immerhin gehörte Tanzen und Singen all die Jahre zu meinen Hobbys. Mit den Musikinstrumenten verhielt es sich leider anders.

Tasten

 

Meine Versuchsreihe

Die Flöte stellte sich als unspektakulär heraus. Im Grunde hatte ich nur deshalb eine haben wollen, weil fast alle anderen Kinder eine besaßen. Blöd, aber nicht untypisch für Grundschüler. Das Tasteninstrument hingegen, wollte ich wirklich so richtig angehen, kannte aber niemanden, der es mir hätte beibringen können und gab auf. Hätte es damals das Internet gegeben, wäre die Sache vermutlich anders verlaufen, aber Ihr wisst schon: Hätte, hätte, Fahrradkette. Wer wirklich will, der schafft es auch.

Als im neunten Schuljahr mein Mathelehrer verkündete, er wolle eine Gitarren-AG gründen, war ich sofort Feuer und Flamme. Kurze Zeit später besaß ich eine Konzertgitarre und saß einmal pro Woche im entsprechenden Unterricht. Das coolste daran war der Schulweg. Dieses Gefühl, mit einer Gitarrentasche in den Bus zu steigen war großartig. Ihr versteht sicher, dass es bei den anderen Kids und Teens gut ankam. Ich genoss die Emotionen, die dabei jedes Mal in mir aufstiegen – bis ich vor meinem Lehrer saß und die Melodien (keine Akkorde) vom Notenblatt vorspielen sollte. Natürlich hatte ich NICHT täglich geübt und bereute es augenblicklich. Jede Woche. Nur um eines klarzustellen: Ich war nicht schlecht. Mein Lehrer war sogar ziemlich zufrieden mit mir. Dennoch beherrsche ich das Instrument heute nicht. Doch keine Sorge, ich habe ein neues gefunden. Ein altes neues…

„Ein Klavier, ein Klavier!“

Was man als Tochter nicht lernt, lernt man als Mutter – oder so ähnlich. Seit einigen Monaten nimmt mein Sohnemann in der Schule die Flöte durch und übt daher regelmäßig. Letztes Wochenende musste er ein neues Kinderlied einstudieren, das etwas anspruchsvoller war als die vorherigen. Um ihm die Melodie vorzuspielen, setzte ich mich ans Keyboard, das seit kurzem in unserem Wohnzimmer steht. Warum plötzlich doch? Als meine Kinder verkündeten, sie würden so gerne Klavier spielen, könnt Ihr Euch vorstellen, was ich dachte. Immerhin tragen sie zum Teil meine Erbanlagen. Ein Klavier kam daher (noch) nicht in Frage. Da griffen wir lieber auf das alte Yamaha-Keyboard aus dem Keller zurück, an dem sie vorläufig üben können.

So saß ich am Sonntag also an den Tasten und dachte: „Blöd bist du nicht, also kannst du es mal ausprobieren.“ Vom Notenständer lachte mir ein Kinderlied entgegen. Ich googelte schnell, welcher Ton sich hinter welcher Taste versteckt und legte los. Erstaunlicherweise klappte das gut. Sehr gut sogar. Es machte Spaß und ich war baff. Sohnemann spielte das Stück zunächst auf der Flöte, dann bewegten sich auch seine Finger über die Tasten und abschließend spielten wir es im Duett. Danach kramten wir ältere Notenblätter heraus, an die ich mich ebenfalls wagte. Es handelte sich um einfache Kinderlieder, aber für mich war das ein großes Erfolgserlebnis und Sohnemann freute sich, weil er endlich auch mal „richtig“ – also nach Noten – Keyboard spielen konnte. Das war ein wunderschöner Abend.

Es mag verrückt klingen, aber ich bin auf den Geschmack gekommen und habe mir vorgenommen, Klavier (d.h. zunächst Keyboard) spielen zu lernen. Ein Profi wird aus mir nicht werden, aber zur Freude und als Ausgleich zum Alltag würde es mir genügen. Ich sehe es schon vor mir – ein schönes Klavier im Wohnzimmer…

 

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