Katja Kessler: Silicon Wahnsinn

Seit längerem nahm ich mir vor, über dieses Buch zu bloggen. Gedacht war, zu Starbucks zu gehen und den Blogpost dort zu schreiben – passend zum Silicon Valley. Mein letzter Besuch bei Starbucks war in Boston und ist über 13 Jahre her. In den nächsten Tagen wollte ich also Irland unterstützen (Stichwort Steuern) und in der besagten Kette einen Kaffee zu mir nehmen. Doch meist kommt es anders als man denkt.

Kürzlich durfte ich einige Stunden im Krankenhaus verbringen. Im Laufe der Wartezeit, musste ich plötzlich an Katja Kessler denken. Auch sie hatte mit Sorge um eines ihrer Kinder im Krankenhaus gesessen. Zwar aus anderen Gründen, aber unter schwierigeren Umständen: irgendwo im Silicon Valley, mit 4 Kindern, konfrontiert mit nur englischsprachigem Personal und umgeben von zwielichtigen Gestalten, die auf den Boden bluteten. Ich hingegen saß in einer bunt gestrichenen Klinik in Deutschland mit deutschsprachigem Personal, dafür aber mit anderen Schwierigkeiten. Beschissene (Entschuldigung!) Situation – in beiden Fällen. Aus diesem Grund – und weil ich keinen Kopf dafür habe, mich demnächst in eine Starbucks-Filiale zu setzen -, blogge ich jetzt mit einem unspektakulären Foto, ohne Kaffeebecher im Hintergrund.

SiliconWahnsinn

Wie Ihr vielleicht wisst, mag ich Kesslers Schreibstil und habe das bereits in der Rezension ihres letzten Buches erwähnt. Auch diesmal enttäuscht sie nicht. Information und Unterhaltung gehen miteinander einher. Welche Information? Zum Beispiel das Aufräumen mit Vorurteilen gegenüber den USA. Man erfährt so einiges über die US-Amerikaner, deren Lebensumstände und Party-Gewohnheiten. Zugleich hält die Autorin uns und sich selbst einen Spiegel vor, indem sie sagt, wie die Deutschen im Ausland sind. Wenn man liest, wie deutsche Auswanderer darüber diskutieren, wo es die besten deutschen Würstchen zu kaufen gibt, beispielsweise. Besonders schön ist jedoch, dass Kessler die Figuren im jeweiligen Dialekt sprechen lässt:

„Wenn´de richtig guate Würschtle willsch, da gosch zu Dittmer´s! Do gibs auch die beschte Rollmöps.“ (S. 128)

Eine meiner Lieblingsäußerungen: „Gänsefleisch…“ für „Können Sie vielleicht…“. Tipp: Am besten im Bett lesen. Dann kann man vor Lachen rollen.

Informativ sind jedoch auch Kesslers Reisen auf dem amerikanischen Kontinent. Die Autorin erzählt von Abstechern nach Nicaragua, Mexiko, New York, San Francisco, Las Vegas und ihrer abenteuerlichen Reise mit dem Wohnmobil durch die Wüste.

Als LeserIn kannst Du träumen, musst aber auch damit rechnen, aus Deinen Träumerein herausgerissen zu werden – mitten in den Alltag einer Familie. Dazu gehören unter anderem regelmäßig verstopfte Toiletten, miserable Handwerker, verletzte Kinder, unangenehme Gespräche mit dem Schulpersonal und die Herausforderungen eines Ehelebens.

Ich habe das Buch gerne gelesen. Es war und ist eine herrliche Ablenkung vom eigenen Alltag. Macht Frau außerdem gerade eine schwierige Zeit durch, hat sie beim Lesen den Eindruck, nicht allein damit zu sein.

Mir imponiert Kesslers ehrliche Beschreibung der Lebensumstände drüben und hier. Klar, lebt das Buch vom Witz und man sollte nicht alles auf die Goldwaage legen, aber die Beschreibungen von Wohngegenden, der Bürokratie (wer sich über die deutsche aufregt, sollte das Buch unbedingt lesen!), Reisevorschriften, Armut und sonstiger Probleme, die ein Leben in den USA bedeuten kann, sind schonungslos. Allen Schwierigkeiten zum Trotz, lernt die Autorin das Land lieben. Vor allem die herrlichen Landschaften begeistern sie immer wieder aufs Neue. Doch kaum, dass sie beginnt sich dort zu Hause zu fühlen, muss die Familie wieder zurück in die Heimat.

Inzwischen hat sich die Autorin mehrfach im Fernsehen zum eigenen Buch geäußert. Wer mag, kann hier Katja Keßler in der NDR Talkshow sehen, in der sie von Barbara Schöneberger interviewt wurde.

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