Ninia La Grande: „… und ganz, ganz viele Doofe!“

Ein Buchtitel, den man sich zweimal anschaut. Wer sind diese vielen Doofen? Und warum schreibt jemand ein Buch über sie? Oder ist das doch ganz anders gemeint?

…. und ganz, ganz viele Doofe!

Dieses Buch habe ich gekauft, ohne zu wissen, worum es darin geht. Bis dato hatte ich nur einen einzigen Blogpost der Autorin gelesen. Warum dann der Kauf?

  1. Ninia La Grande, wie sich die Autorin nennt, ist Bloggerin. (Ja, das ist ein Argument.)
  2. Sie (eigentlich Ninia Binias) ist mir von Twitter als sehr kommunikative Person bekannt, die auf Fragen oder Bemerkungen ihrer Follower tatsächlich reagiert und sich nicht über andere stellt.
  3. Die Autorin ist klein. (Viel kleiner als ich – das will was heißen.)

Kurz: Ich wollte mehr über diese Frau erfahren und mich mit ihr an der Veröffentlichung ihres Buches erfreuen.

Die Bloggerin hat sich bereits im Netz und auf der Bühne einen Namen gemacht. Sie tritt unter anderem bei Poetry Slams  auf. Kein Wunder also, dass es ihre Texte jetzt auch als Buch gibt. Bei der Lektüre handelt es sich um eine Zusammenstellung ihrer Blogtexte, Kurzgeschichten und Gedichte. In einigen der ausgewählten Texte befasst sie sich mit ernsthaften Lebensthemen (wie Einsamkeit und Tod) oder wird gar politisch, in anderen unterhält sie uns Leser mit witzigen Einblicken in ihren Alltag.

Mir gefallen nicht alle Texte. Manche entsprechen inhaltlich nicht meinem Geschmack und in einigen teile ich nicht die Meinung der Autorin.

Zu den Texten, die ich am besten finde, gehört die „Einleitung“. Sie trägt den gleichen Titel wie das Buch. In leicht verständlicher Weise erzählt Ninia La Grande von ihrer Kindheit und Jugend. Die Autorin gilt mit ihren 140 cm als kleinwüchsig. Nach ihrer Geburt sahen die ärztlichen Prognosen alles andere als gut für sie aus. Eigentlich hätten ihre Eltern verzweifeln können. Eigentlich. Doch sie gaben weder auf noch behandelten sie ihre Tochter wie einen Sonderling. Die Mediziner von damals würden nicht schlecht staunen, wenn sie die heutige Ninia La Grande sehen würden. Deutlich größer als erwartet, in der Lage Fahrrad zu fahren, mit Hochschulabschluss, etc. Bloß: deutlich kleiner als der Durchschnitt. Und genau diese Eigenschaft stellt die Autorin immer wieder vor besondere Herausforderungen. Obwohl nicht ihre Körpergröße das Problem ist, sondern die Reaktionen ihrer Mitmenschen. Nicht nur Teenager können grausam sein. Da gibt es noch jede Menge anderer Möglichkeiten. Um damit umgehen zu können, bekam die Autorin einen großartigen Spruch von ihrer Mama auf den Lebensweg: „Ach, Ninia, es gibt Große, Kleine, Dicke, Dünne, Schlaue und ganz, ganz viele Doofe„. (S. 13) Ich mag diesen Satz. Jeder Mensch braucht ihn – mehr oder weniger.

Von derartigen authentischen Einblicken in ihren Alltag hätte es, meiner Meinung nach, mehr in diesem Buch geben sollen. Denn: Wenn Ninia La Grande ganz konkret über sich selbst schreibt, meint man mit ihr in einem Raum zu sitzen. Sie erzählt und du hörst zu. Mit ihrem Schreibstil erreicht die Autorin auch Teenager, davon bin ich überzeugt.

Wie unterhaltsam sie schreiben kann, zeigt aber auch „Dehnen. Schwitzen. Atmen.“ – ein Text über ihr Training im Fitnessstudio. Von den Kurzgeschichten gefallen mir insbesondere „Ella“ und „Monsieur Delacroix„. Sie regen zum Nachdenken an, weil auch in ihnen viele Gedanken und Gefühle stecken.

Das Buch macht La Grandes Vielseitigkeit deutlich. Es enthält sowohl fiktive als auch autobiografische Geschichten sowie gesellschaftskritische Texte, bei denen es sich vermutlich teilweise um ihre Auftritte auf Poetry Salms handelt, da sie beispielsweise Refrains beinhalten. Ob es eine gute Idee ist, derart unterschiedliche Texte zusammen in ein Buch zu packen? Die Fans der Autorin dürfte es freuen und uns allen anderen, die sie noch nicht so gut kennen, stellt sich Ninia La Grande auf diese Weise in der Bandbreite ihrer Schreibkunst vor. Ich finde zu einigen der Texte keinen Zugang, andere halte ich wiederum für tiefgründig und gut. Denn schreiben kann die Autorin.

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