Katja Kessler: Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren

Es begann ganz harmlos. Ich wollte lediglich ein Buch von Katja Kessler lesen. Warum? Weil ihre Bücher beliebt sind. Ich bilde mir gerne meine eigene Meinung.

Da zu dem Zeitpunkt Kesslers angekündigtes Buch über ihren einjährigen Aufenthalt in den USA noch nicht erschienen war, wählte ich das bis dato aktuellste: „Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren“. Ich bestellte es nicht wegen, sondern trotz des Titels. Ehrlich. Denn machen wir uns nichts vor, nach über elf Jahren Ehe kann ich unmöglich meinen Mann umerziehen. Dafür ist es eindeutig zu spät.

Der Tag an dem ich beschloss meinen Mann zu dressieren von Katja Kessler

Zur Autorin

Nur kurz, weil sie ohnehin fast jeder kennt: Katja Kessler hat eigentlich einen Doktortitel vor dem Namen stehen, da sie Zahnärztin ist. Zum Glück nichtpraktizierend, wie sie erzählt. Im vorliegenden Buch erfährt man dennoch Näheres zum Studium der Zahnmedizin – äußerst erhellend, versteht sich.

Wenn Frau Kessler von ihrem „Schatzi“ schreibt, dann meint sie Kai Diekmann, mit dem sie seit etwa 12 Jahren verheiratet ist und vier Kinder hat.

Als Journalistin und Frau des BILD-Chefs ist sie regelmäßig in der Promi-Welt unterwegs und lässt uns an dieser teilhaben.

Über Neurosen, Frauen und Männer

Kesslers humorvoll verfasstes Buch wirkt nicht nur wegen des Covers ansprechend. Es enthält zahlreiche Zeichnungen, private Notizen und Fotos sowie Lebensweisheiten berühmter Menschen. Bereits auf den ersten Blick ist erkennbar, dass auch der Inhalt nicht allzu ernst genommen werden sollte. Ein Buch wie ein Augenzwinkern.

Das spiegelt auch das Inhaltsverzeichnis wider, welches als Stichwortverzeichnis fungiert und das Buch scherzhaft zum Nachschlagewerk macht. Es ist unterteilt in die folgenden Themenbereiche:

  • „Was mir zu Männern einfällt … (überschaubar)“
  • „Was mir zu mir einfällt … (umfangreich)“
  • „Die süßen Kleinen“
  • „Die Mami-WikiLeaks (was nur Mütter voneinander wissen)“
  • „Kofferweise schlaue Lebenshilfe“
  • „Überraschungstüte“.

Während der Titel provoziert und nahezu männerfeindlich wirkt, wird bereits auf den ersten Seiten deutlich, dass Frau Kessler es keineswegs böse mit den Männern meint. Gekonnt nimmt sie zunächst sich selbst auf die Schippe. Diplomatisch, wie ich finde. Nicht zuletzt das macht sie so sympathisch, dass man ihr später nichts übel nehmen kann.

Beim Lesen stellte sich für mich zudem die Frage, woher Frau Kessler wohl meinen Gatten kenne. Wenn sie von ihrem Mann schreibt, klingt das an einigen Stellen ganz nach meiner besseren Hälfte. Aber wer weiß, vielleicht hat ja jeder Mann eine Schwäche für ungenießbar bittere Schokolade, wie „zum Beispiel Chili-Pfeffer-Senf-Schokoladen-Tafeln mit einem Kakaoanteil von hundertzwanig Prozent“ (S. 67) und kauft Dinge schon mal – wie Loriot selbst wusste – in Mengen, die nicht einmal eine siebenköpfige Familie innerhalb eines Monats verputzen könnte. Ach, und das mit der Currywurst-Bude stimmt ebenfalls. Denn sogar Männer, die Wert auf gesunde Ernährung legen, täglich Sport treiben und Fastfood kritisieren, bekommen ein Leuchten in den Augen, sobald sie am Baumarkt den Currywurst-Imbiss erblicken.

Auch wenn Frau Kessler von ihrem Gatten als Gentleman schreibt, muss ich lachend nicken. Was zuvorkommend ist, kann nämlich zugleich witzig sein: „Beim armen Schatzi ist das Scheitern programmiert. Seit Beginn unserer Ehe verwechselt er mich nämlich mit Flip, dem Grashüpfer. Heißt: Wo er den Mantel hinhält, gern Höhe dritter Halswirbel, haben normale Humanoiden gar keine Arme.“ (S. 72) Tja, das Schicksal kleiner Frauen. Ich weiß.

Ob sie mit den unterschiedlichen Muttertypen (wie z.B. die „Generalstabs-Mutti“, „Tussi-Mutti“ oder „Vati-Mutti“ …) abrechnet, sich an misslungene Promi-Partys erinnert oder vom Leben mit ihrer ganz eigenen Familie schreibt – Frau Kessler unterhält uns Leser/innen aufs Feinste. Sie lässt uns über Beobachtungen des Alltags und der Unterschiede zwischen Mann und Frau lachen, wagt aber auch, Dinge klar auf den Punkt zu bringen, die sich nicht jeder auszusprechen traut – insbesondere in puncto Emanzipation:

Ein schlauer Mensch sagte mal: »Emanzipation ist der Versuch der Frau, die Männer kleinzukriegen, aber nicht an der falschen Stellle.« Genau! Wie soll eigentlich der Typ im Schlafzimmer den Säbelzahntiger in sich entdecken, wenn wir tagsüber einen verschreckten Hamster züchten?“ (S. 68).

Und insgesamt?

Katja Kessler teilt ein wenig aus, aber fair. Sie schmunzelt über Männer und hält uns Frauen einen Spiegel vor. Witzig und überspitzt, aber auch lebenserfahren und tiefgründig. Solche Bücher kann nur schreiben, wer sich fürs Menschliche interessiert und mit offenen Augen durchs Leben geht. Alles weitere ist Geschmackssache.

Ich habe das Buch als sehr unterhaltsam und entspannend empfunden. Beides, Unterhaltung und Entspannung, können insbesondere Ehefrauen und Mütter gut gebrauchen. Zwischendurch. Außerdem lacht sogar der Ehemann mit.

Wer mag, kann sich den Trailer zum Buch anschauen. Allerdings finde ich ihn – im Gegensatz zur Lektüre – nicht wirklich ansprechend.

 

P.S.: Vorgestern kam ein Paket vom Bücherladen an. Schulbücher – aber ganz oben lag das aktuelle Buch von Katja Kessler.

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