Ich wollte doch nur bloggen

Heutzutage muss man flexibel sein. Flexibel ist der Bruder von Multitasking. Zwei Viren, blutsverwandt und sehr gefragt. Jeder Personalchef verlangt nach ihnen. Vermutlich, weil er selbst sie noch nicht hat. Dummerweise fragt er ausgerechnet diejenigen, die besonders viel davon in sich tragen, vergleichsweise selten, ob sie nicht für ihn arbeiten …ähm… ihn damit anstecken möchten: Mütter.

Bloggerzone - Ideen, Multitasking, FlexibilitätBleiben wir einfach beim Jetzt und Hier. Es ist Freitagabend. Eigentlich möchte ich gerade über ein sehr interessantes Thema bloggen. Ich sitze seit wenigen Minuten auf dem Wohnzimmersofa, tippe vor mich hin und plötzlich: 1. Der Backofen piept, um mich daran zu erinnern, dass die Muffins vermutlich fertig sind. 2. Meine Tochter ruft: „Mama, ich brauche Nasentropfen! Ma-ma!“ Und gerade als ich im Kinderzimmer stehe und die mit einem Tropfen gefüllte Pipette in der Hand halte, fängt – drittens – mein Handy in der Küche an, Harfenklänge von sich zu geben. Die wunderschöne Melodie soll mich daran erinnern, dass ich selbst ein Medikament einnehmen muss. Kaum dass ich wieder auf dem Sofa sitze – viertens -, ruft mein Sohn: „Mama, ich habe eine Feder in meinem Bett gefunden!“ Wenn Ihr mich fragt, haben Daunenkissen gewisse Nachteile. Okay, mein Sohn verlangt nicht, dass ich die Feder holen komme. Er bringt sie selbst vorbei. Was man eben nicht alles so macht als Kind, um nicht schlafen zu müssen.

Und solltet Ihr nun davon ausgehen, dass ich gerade gelassen durchatme, dann täuscht Ihr Euch. Das war ein genervtes Luftholen. Warum? Soeben verlangte mein Mann, dass ich aufstehe und mich zu ihm an den großen Esstisch begebe, damit er mir einen Filmtrailer aus der Rubrik „Crowdfunding“ zeigen kann. „Der ist cool, musst du dir ansehen!“ Ich habe aber keine Lust, weil ich in den zehn Minuten, in denen ich hier sitze, schätzungsweise 6 Mal aufgestanden bin.

Der Trailer war absoluter Trash. Das habe ich auch ausgesprochen. „Ja, aber das ist cooler Trash. Die 80er Jahre absichtlich cheesy dargestellt und deshalb witzig“, erklärt mir meine bessere Hälfte, obwohl ich die Worte des Filmemachers selbst gehört habe. „Cheesy….blabla…trash….blabla….cool and funny.“ Auch ich verstehe Englisch. „Stell dir vor“, ergänzt mein Mann,“ der Film wurde größtenteils in der Green-Box gedreht.“ Ja, das sieht man!

Nun sitze ich wieder auf dem Sofa. Meine viel zu guten Ohren vernehmen den Klang von Kinderfüßen auf dem Laminatboden im Flur. Das lässt mich erahnen… Kurz bevor der erste Satz dieses Textes hier getippt war, hatte nämlich eines meiner Kinder nach einem Glas Wasser verlangt. Wir leben nunmal in der Wüste und der Durst ist sehr groß. Jetzt brauche ich daher nur eins und eins zusammenzählen… Schon fällt die Toilettentür zu.

Inzwischen kühlen die Muffins auf dem Küchentisch ab, unsere Süßen schlafen, mein Mann arbeitet an seinem MacBook und ich tippe – zum wievielten Mal? – weiter. Trotz der Unterbrechungen habe ich den Text verfasst, den ich mir vorgenommen hatte – und diesen hier. Den vorliegenden Beitrag veröffentliche ich morgen (für Euch ist das also jetzt), obwohl er ungeplant war. Bin ja flexibel. Nun gehe ich in die Küche und schwinge meinen Zauberstab, um die Muffins in Cupcakes zu zaubern.

 

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