Bei uns wurde eingebrochen

Schlechter Titel? Stimmt aber. Diesen Valentinstag wurde bei uns eingebrochen und seitdem denke ich immer wieder daran.

Als ich am Freitagnachmittag mit meinen Kindern nach Hause kam, war alles anders als sonst. Mitten auf der Treppe kam uns mein Mann entgegen. Um diese Zeit ist er sonst nie daheim, daher gingen bei mir schlagartig alle Alarmglocken an. „Es wird doch nicht jemand aus der Verwandtschaft gestorben sein?!“, war mein erster Gedanke. Da sagte mein Mann bereits: „Alles ist in Ordnung. Mach dir keine Sorgen.“ Pause. „Bei uns wurde eingebrochen.“

Polizeiarbeit.
Polizeiarbeit.

Wenige Stufen später standen wir alle vor einer zerstörten Tür. Unserer Wohnungstür. Schock. Als mir vor wenigen Monaten zwei Bekannte, mit denen ich mich gemeinsam ehrenamtlich engagiere, von Einbrüchen in ihrem Stadtteil erzählten, konnte ich ihren Worten kaum glauben. Ich gehörte schon immer zu den Menschen, die zwar vorsichtig sind, aber einen Einbruch für höchst unwahrscheinlich halten. Im Urlaub hatte ich niemals die Sorge, jemand könnte während unserer Abwesenheit die Wohnung ausrauben. So unbeschwert werde ich nie mehr wegfahren, das steht fest. Denn jetzt weiß und fühle ich:

Einbrüche sind …

… beängstigend und ärgerlich.

Bereits die ersten Schritte in unser Zuhause verrieten uns, dass dieser Tag etwas in uns verändern würde. In allen Zimmern herrschte pures Chaos. Sämtliche Schranktüren standen weit aufgerissen, die Schubladen waren offen und auf dem Boden lagen Berge von Kleidung, Büchern, wichtigen Unterlagen (wie Stammbuch, Kontoauszüge, etc.). Eine der Schlafzimmerschubladen war schwarz verschmiert und man konnte Fingerabdrücke darauf erkennen. Dort hatten die Polizisten bereits ihre Arbeit getan. Ja, sie waren bereits da gewesen, weil ein Nachbar vom Krach, den die Einbrecher gemacht hatten, geweckt worden war. Der in Schichten arbeitende Mann, hatte sich gerade ausgeruht, als die Eindringlinge unsere Wohnungstür mit Gewalt einbrachen. Etwa zehn Minuten später stand er selbst vor eben dieser, sah die Beschädigung, doch die Einbrecher waren nicht mehr da. Zum Glück. Der nette Nachbar verständigte sofort die Kripo und diese später meinen Mann. Nachdem die Polizisten gegangen und ich samt Kindern gekommen war, erschien auch schon unser Vermieter, um die Tür soweit zu reparieren, dass sie sich wieder schließen ließ.

… ekelerregend.

Nun standen wir da – in den eigenen vier Wänden, doch es fühlte sich nicht heimelig an. Fremde waren durch alle Räume gelaufen, hatten unsere Sachen angefasst. Jemand hatte in meiner Unterwäsche gewühlt und nun lag sie teils auf dem Bett, teils auf dem Boden verteilt – dazwischen mein Schmuck. Nicht einmal das Kinderzimmer und das Bad waren verschont worden.

Den restlichen Nachmittag verbrachte ich mit Putzen. Wasser samt Allesreiniger und Essig in den Eimer, diverse Lappen unter den Arm … Zuerst putzte ich alle Türgriffe und Lichtschalter, Schrank- und Schubladengriffe. Danach kamen die ganzen Möbel(fronten) und Regale dran – am Ende die von der Polizei verschmierte Eingangstür. Dort hatte man ebenfalls nach Fingerabdrücken gesucht.

Auch die Bettwäsche konnte ich so nicht lassen. Ich zog sie ab und stopfte sie in die Waschmaschine, die an diesem Tag mehr als einmal arbeiten musste. Das alles war vonnöten, denn sonst hätte ich im eigenen Zuhause nichts anfassen mögen. In solchen Situationen nützt auch der Hinweis nichts, dass heute sogar die dümmsten Einbrecher Handschuhe tragen.

… folgenschwer.

Einer der ersten Kommentare meiner Tochter lautete: „Oh, nein! Was, wenn die Räuber wiederkommen?“ Natürlich trösteten wir sie und erklärten, dies sei höchst unwahrscheinlich. Bla, bla. Doch auch wir Erwachsenen fragen uns, was dann wohl wäre. Oder besser: Wie ließe es sich vermeiden? Denn unwahrscheinlich mag ein zweiter Einbruch sein, doch andererseits könnten die Diebe beim nächsten Mal besser vorbereitet kommen und auch größere Gegenstände mitgehen lassen. Diesmal hatten sie sich beeilen müssen und „nur“ Bargeld mitgenommen. Laptops und andere Wertgegenstände scheinen uninteressant gewesen zu sein, aber wer weiß? Und außerdem: Es gibt nicht nur die eine Einbrecher-Gruppe. Beim nächsten Mal könnten es andere Personen sein. Wenn es erstmal jemandem gelungen ist, weiß man als Betroffener, dass es auch ein weiteres Mal geschehen könnte. Nicht gerade beruhigend, oder?

Klar, werden wir etwas unternehmen, um unsere Wohnung sicherer zu machen. Doch, wir sind wütend, weil es Menschen gibt, die sich nicht die Mühe machen, einem ordentlichen Job nachzugehen, sondern das Hab und Gut ihrer Mitmenschen entwenden. Sie haben uns Geld gestohlen und eine Tür zerstört, die repariert wurde, aber demnächst ersetzt werden muss. Es sind Kosten, es ist Arbeit, doch es ist noch etwas Anderes. Sie sind in unsere Privatsphäre eingebrochen, haben unseren Schutzraum verletzt – uns gefühlsmäßig wehgetan. Nie wieder werden wir leichten Gefühls verreisen können. Nicht einmal zur Arbeit werde ich sorglos fahren.

Ja, Diebstahl hat es schon immer gegeben und das wird auch so bleiben. Doch das mildert die unschönen Gefühle nicht. Dankbar sind wir, weil niemand verletzt worden ist und weil wir sehr nette, aufmerksame Nachbarn haben. Diese sind jetzt allerdings entsetzt und in Alarmbereitschaft versetzt. Alle haben Angst, man könne auch bei ihnen einbrechen. Das ließe sich positiv auffassen, weil jetzt jeder mehr aufpasst und Diebe möglicherweise nicht mehr so einfach ins Haus gelangen können. Aber wo ist die Freiheit? Und wo bleibt das Gefühl von Geborgenheit?

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4 Gedanken zu “Bei uns wurde eingebrochen

  1. Liebe Alexandra,

    das tut mir wirklich leid. Es ist nochmal etwas anderes, wenn Kinder mit betroffen sind, denke ich, und wenn so ein Riesenchaos herrscht hinterher.

    Ich habe das auch schon erlebt, aber anders. Und habe mich gewundert hinterher, wie cool ich damit umgegangen bin, dabei hätte ich allen Grund gehabt, mich verrückt zu machen. Bei mir war’s so, dass die Einbrecher kamen, während ich in der Wohnung schlief. Dann stob die Katze durch die Wohnung und ich machte das Licht an. Daraufhin flüchteten die Täter (das war 1997 im Hochparterrre in Berlin). Dieses Gefühl, dass meine Privatsphäre verletzt sei, hatte ich nicht. Dabei ist das ja normal. Ich gruselte mich zwar ein wenig bei der Vorstellung, dass logischerweise ja auch ich in Gefahr hätte sein können, fand dann aber, man könne ja auch mal Glück haben. Und bekam keine nachhaltige Angst.

    Die Polizei war nach 3 MInuten da und das mit den Fingerabdrücken habe ich auch als sehr prägend in Erinnerung. Das hatte sowas von Krimiserien. Absurd irgendwie, dass das in meinem Leben stattfinden sollte.

    Ich wünsche dir, dass du gut schlafen kannst und für dich einen guten Weg findest, das zu verarbeiten.

    Herzlich, Christine

  2. Vielen Dank, Christine! Was du schreibst, klingt gruselig. Zum Glück ist dir nichts passiert!
    Ich bin sehr froh, dass niemand von uns zu Hause war, als die Einbrecher kamen. In meinem Kopf schwirrten in den ersten Minuten viele Fragen und ich fühlte Miss Marple in mir aufkommen. Wer kann das gewesen sein? Hat er vielleicht einen Ohrring verloren oder sonstige Spuren hinterlassen? Diese Phase ist vorbei, aber das Thema noch nicht vom Tisch.

    Liebe Grüße,
    Alexandra

  3. Ich bin gerade einfach nur sprachlos und hoffe, dass ihr nach bereits zwei vergangenen Wochen wieder einen einigermaßen normalen Alltag erleben könnt.

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