La mer … la la lala, la la …

Spanien 2000
Spanien 2000

Johannes Korten hat in seinem Blog „jazzlounge“ zu einer Blogparade über das Meer aufgerufen. Na dann, gerne doch.

Zum ersten Mal sah ich das Meer 1987. Damals verbrachte ich mit meiner Familie die Sommerferien im polnischen Teil von Usedom, in Świnoujście (dt.: Swinemünde). Die Ostsee war für mich DAS Meer.

Die Erinnerungen an den dortigen Strand und die Wellen sind verblasst, aber nicht der Geschmack des frischen Fisches auf meiner Zunge. Wenn ich nur daran denke, läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Direkt am Strand verkauften Fischer ihre Beute. Man brauchte sich nur an eines ihrer Büdchen zu stellen und zu wählen. Warm zubereitet wurde der Fisch dann vor unseren Augen. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Im Sommer 2012 durfte ich wieder an der polnischen Ostsee (in Kolberg) urlauben und musste zu meiner großen Enttäuschung feststellen, dass dort keine einzige der einst üblichen Hütten stand. Entlang der Strandpromenade waren dafür zahlreiche mehr oder weniger aufwendige Fischrestaurants zu finden. Ich wollte mich nicht von drei Kellnern bedienen lassen (nichts gegen Luxus!) oder – das war die andere Variante – in steriler Badezimmer-Atmosphäre am fremdländischen Fisch kauen. Das kleine Mädchen in mir schrie geradezu nach einem einfachen und gerade deshalb umso köstlicheren Mahl. Alles wäre besser gewesen als die Restaurantketten der Gegenwart. Beinahe entmutigt, bog ich (inzwischen mit meinen eigenen Kindern im Schlepptau) in eine der Seitengassen ab, die vom Strand wegführten. Dort waren weder edle Theken noch Schnellrestaurants zu sehen, dafür aber ein familiengeführtes traditionelles Fischgeschäft mit angeschlossener Küche. Es gehörte einer Fischerfamilie und zog uns magisch an. In diesem einfach gehaltenen Ambiente wurde ich wieder froh, denn der Fisch schmeckte köstlich und die Leute waren nett.

Rein in den Bus und ab ans Meer!

 Mein zweites, drittes, viertes… Mal am Meer verbrachte ich in Spanien. Eine Zeit lang reisten meine Eltern mit uns an die Costa Brava sowie Costa Dorada – per Reisebus. Es war herrlich. Auf den Fahrten lernte ich immer neue Leute kennen und beobachtete die Mentalitätsunterschiede zwischen den Mitreisenden. Zudem stellten sich Abenteuer wie eine Bus-Panne als äußerst unterhaltsam heraus.

Ich genoss das Meer. Das Gefühl vom Sand unter meinen Füßen, das Rauschen der Brandung und die entspannenden Stunden auf der Luftmatratze blieben mir noch lange in Erinnerung – nicht nur wegen des Sonnenbrandes. Das Leben leicht nehmen, sich von den Wellen treiben lassen, schwimmen, abschalten – ich mochte Wasser und Salz auf meiner Haut und führte schließlich eine Tradition für mich ein. Zum Abschluss jeden Urlaubes ging ich im Sommerkleid ins Wasser. (Teenager!)

Jahre später wiederholte ich eine derartige Busreise mit einer Freundin. Wir verbrachten allerdings nur wenig Zeit im Meer. Lange Spaziergänge entlang wunderschön geschwungener Felsen (siehe Foto oben) und Cocktails in einer Bar auf dem Berg über der Stadt – das tat gut. Manchmal genügt es, auf das Meer zu blicken und den weiten Horizont zu genießen.

Die Durchlauchtigste

Wie unterschiedlich Urlaube am Meer sein können, wurde mir spätestens 2003 bewusst. Damals verbrachte ich zwei  September-Wochen in Venedig, das den Beinamen „La Serenissima“ (Die Durchlauchtigste) trägt. Beim Gedanken an diese faszinierende Stadt erscheinen sofort die vielen Brücken vor meinen Augen und ich höre einen humorvollen Gondoliere singen. Von den Italienern fälschlicherweise für eine von ihnen gehalten, musste ich mich in lustigen Situationen zurechtfinden. Diese Zeit hatte so gut wie nichts mit Strandurlauben gemeinsam. Venedig ist Kultur auf dem Meer.

Übrigens, im Altstadtteil Burano gibt es auch guten Fisch.

Auf der Insel

 Nach jahrelanger Pause, in der es mich an ganz andere Orte verschlug, reiste ich 2011 wieder nach Spanien. Diesmal mit dem Flugzeug und meiner Mehrgenerationen-Bande im Gepäck. Mallorca stellte sich als wunderschön heraus. Der Urlaub ließ mich ein wenig an die guten alten Zeiten meiner Kindheit denken. Sonne, Strand und Meer. Sandburgen bauen, im Wasser planschen, schwimmen – die Natur genießen. Nur, dass ich diesmal am Abend den Sonnenuntergang bewundern und dabei Wein trinken konnte und Speedminton in den Wellen spielte.

Mit kleinen Kindern scheint Strandurlaub besonders angebracht zu sein. Tatsächlich verbringt man vermutlich selten so viel Zeit am Wasser wie mit Kindern. Wer jedoch etwas über die Orte (das Land) erfahren und sehen möchte, wie die Einheimischen leben, muss den Strand auch mal verlassen. Deshalb bevorzuge ich – sofern es möglich ist – die öffentlichen Verkehrsmittel am Urlaubsort und schaue mir stillere Ecken an, in die sich nur wenige Touristen „verlaufen“ oder mache eine Wanderung durch die Natur. Erfreulicherweise machen meine Kinder das alles gerne mit.

Ostfriesischer Frühling

Vom Kurztrip nach Ostfriesland schrieb ich bereits an anderer Stelle und erwähne ihn hier nur, weil es mein bisher einziger Aufenthalt an der deutschen Küste war und mich diese Gegend beeindruckte. Wind wehte durchs Haar, Schneeflocken fielen und – Ihr wisst schon – der Fisch schmeckte. Man kann gar nicht oft genug sagen, wie gut die frische, salzige Nordluft tut.

Also?

Das Meer hat für mich mit Urlaub zu tun, denn gewohnt habe ich noch nie in Strand- oder Küstennähe. Daher verbinde ich damit eine Auszeit vom Alltag, Erholung und auch eine Erweiterung des eigenen Horizontes. An Urlaubsorten stelle ich stets fest, dass mich Umgebung und Menschen berühren und neue Gedankengänge in mir wecken. Das ließe sich vielleicht als Inspiration beschreiben. Lebensinspiration.

(Das Lied „La mer“ von Charles Trénet ist eines der bekanntesten Lieder, in denen das Meer besungen wird.)

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3 Gedanken zu “La mer … la la lala, la la …

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