#MeinerstesJahrbeiTwitter

Im Oktober 2012 tweetete ich zum ersten Mal. Damals hieß es noch twittern, nicht tweeten. Oder ich wusste es nicht besser. Warum ich damit begonnen habe? Mein Weg führte dorthin.Twitter-Vogel

  1. Früher beschäftigte ich mich nicht mit Social Media.
  2. Ich wollte nie bei Facebook und Co. mitmischen.
  3. Bei Facebook machte ich irgendwann mit – und nicht nur dort.
  4. Dann bloggte ich – zunächst woanders anonym, später hier.
  5. Ein befreundeter Blogger riet mir zu Twitter, obwohl er damit nichts anfangen konnte. Vielleicht wollte ich es deshalb ausprobieren.
  6. Schließlich bekam ich ein Smartphone geschenkt. Twitter machte Sinn.

„Twitter ist wie eine große Party.“ (David Bauer)

Wenn ich irgendwo lese, Twitter sei gut, um der Welt in maximal 140 Zeichen mitzuteilen, was man gerade tut, schreie ich im Geiste: „Nein, nein, nein!“ Klar gibt es Tweeter, die sogar ihren Toilettengang kommentieren und jede Mahlzeit fotografieren, die sie zu sich nehmen, aber das macht Twitter nicht aus! Ich lese Tweets von Journalisten, Schriftstellern, Künstlern, Marketing- und Social Media-Experten, Juristen, Politikern, Kabarettisten und Vertretern verschiedener Fachgebiete. Das ist nämlich der Kern des Ganzen: Ein Journalist ist in der Regel auch Blogger, eventuell Vater und Musik-Fan. Gleiches gilt für die tweetenden Damen. Hier sind Social-Media-Ladys unterwegs, die sowohl über Fachliches als auch zu frauenrechtlichen Themen tweeten und zudem Einblicke in ihr Privatleben als Mutter gewähren. Bei Twitter lernt man viele Facetten der Beteiligten kennen – und dazu gehört auch zwischendurch mal das Foto von einem besonders gelungenen Dessert oder der Austausch bezüglich rarer Kita-Plätze. Besonders interessant ist dabei, dass nicht selten Frauen coole Bilder von Autos oder über Handwerkstätigkeiten tweeten, während erfolgreiche Männer die Fortschritte ihres jüngsten Kindes öffentlich festhalten. So viel zum Thema Klischees.

Das Kennenlernen der Partygäste

Mancher Twitter-Einsteiger, weiß sofort, was er will und wem er zu folgen hat. Ich nicht. Für mich galt: Learning by Doing.

Die ersten Tweeter, denen ich folgte, setzten sich aus Journalisten und Schriftstellerinnen zusammen. Meine Idee war, zum einen an relevante Informationen heranzukommen und zum anderen ein kleines Netzwerk aus Schriftstellerinnen meiner Region zu schaffen. Doch schon bald kam die Erkenntnis, dass es so nicht funktionierte. Zwar hatte ich erfolgreich Kontakt zu einigen (bekannten und weniger erfahrenen) Autorinnen aufgenommen, jedoch gab es da deutlich mehr Schreiberlinge, die coole Tweets ins Neuland streuten. Viele davon lebten in Hamburg oder Berlin. Blöd, aber wahr. Ich folgte ihnen trotzdem. Ähnlich verlief es mit den Journalisten und überhaupt allen Tweetern, die ich interessant fand. Nach wenigen Wochen bestand meine Timeline zu etwa 90% aus Berlinern, Hamburgern und – Schweizern. Tatsache.

Mit den Monaten veränderte sich meine Timeline zunehmend. Es kamen einige Wiener, Leipziger und Konstanzer hinzu. Endlich auch Kölner sowie Ruhrpotter, die mir (nicht nur) räumlich betrachtet deutlich näher stehen. Nicht zu vergessen ist außerdem meine Regionalzeitung, der zu folgen unbestrittene Vorteile bietet. Hier ein Beispiel:

Eines Tages saß ich mit Familie und Besuch am Tisch – Ihr wisst schon: Kaffee und Kuchen inklusive. Beim Gang in die Küche, um frische Milch ins Kännchen zu kippen, schielte ich kurz zum Smartphone rüber. Zufällig. Unbewusst. Ihr versteht sicher. Zurück im Wohnzimmer, verkündete ich dann stolz: „Eben hat es ein Erdbeben gegeben.“ – „Wo?“, lautete die Nachfrage. „Hier bei uns“, stellte ich klar. Jetzt bedenkt mal, ich hätte den entsprechenden Tweet nicht gelesen – was der Kaffeerunde dadurch alles entgangen wäre!

Dank Twitter ist man nicht nur schneller informiert, sondern kann Teil der Interaktion werden. Das halte ich für sehr wichtig.

Twitter eröffnet neue Wege

Immer mehr von uns bezeichnen sich als innovativ, weil das im Job gefragt ist. Doch wer wirklich mit Kreativität und Originalität überzeugen möchte, kann Twitter gut gebrauchen. So mag ein Tweet von Person X in Kombination mit dem von Y für einen ganz neuen Denkanstoß sorgen. Entscheidend ist, genau das zu erkennen und vor allem auch über den eigenen (fachlichen) Tellerrad hinauszublicken. Ich folge Leuten aus unterschiedlichen Branchen und stelle immer wieder fest, wie nützlich das ist.

Dank des Tweets einer Journalistin, die überwiegend zu Mütter-Themen schreibt, erfuhr ich von einem interessanten Auftrag, den ein Fachverlag im Bereich Bildungsmanagement zu vergeben hatte. Kurze Zeit später durfte ich mehrere Fachartikel verfassen – zu Themen, mit denen ich mich üblicherweise nicht beschäftigte. Hätte ich nur den Tweets von Verlagsmenschen meine Aufmerksamkeit geschenkt, wäre mir dieses Angebot entgangen. Das war jedoch eine sehr interessante Erfahrung. Als nicht minder aufschlussreich erwies sich auch das Facebook-Treffen im Druckhaus der Rhein-Zeitung, von dem ich ebenfalls per Twitter erfahren hatte.

Zwitschern verändert das Leben

Manchmal dominiert ein Thema große Teile meiner TL – beispielsweise während der re:publica, einer der beiden Buchmessen oder im Falle seltsamer Ereignisse wie der #Maggikalypse in Köln. Zum einen verdeutlicht das (eventuell) die Relevanz eines Themas für die Medien, bietet knappe Informationen und ermöglicht einen Austausch, zum anderen erhält man auf diesem Wege die Links zu weiterführenden Online-Artikeln, Podcasts und Livestreams.

Ergebnis meines ersten Jahres bei Twitter ist daher, dass ich mich inzwischen gut mit Social Media auskenne und mir vorstellen kann, in diesem Bereich zu arbeiten. Berufe, die es vor einigen Jahren noch nicht gab, sind mir jetzt bekannt und interessieren mich. Das sind alles Dinge, die ich nach dem Studium noch nicht hätte wissen können. Zum Glück entwickelt sich auch Mensch weiter und ich lerne schnell.

Wer Tweets liest, landet zwangsläufig auf diversen Blogs, Facebook-Seiten, etc. Typisch für die Social-Media-Kontakte ist daher, dass man sich mit einem Teil dieser über die Grenzen der einzelnen Plattformen hinweg vernetzt. Dann liest und sieht man sich bei Twitter, Google+, im WordPress- bzw. RSS-Reader und bei Facebook. Eines führt zum nächsten und irgendwann ist man Teil eines Hangouts, nimmt an einem BarCamp teil oder schaut sich eine Präsentation per Livestream an und kommentiert diese bei Twitter. Alles interessante Sachen, die ich vor einem Jahr noch nicht kannte, doch inzwischen sehr schätze.

Weiterführende Links:

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