Digital Natives

Mit den heutigen Zweijährigen können wir Erwachsenen gar nicht mithalten. Blödsinn? Erst heute las ich bei Twitter, wie eine Mutter berichtete, ihr (fast) Zweijähriger habe sich ihr iPad geschnappt und sei nun mit der Puzzle-App beschäftigt. Da kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen: Passen Sie auf, sonst kriegen Ihre kids da irgendwie eine Blockade oder Kindersicherung rein und setzen Sie damit außer Gefecht. Bei uns war es mit dem DVD-Player so. Damals.

Im Fachjargon spricht man von Digital Natives. Das ist die Bezeichnung für „Personen {….}, die mit digitalen Technologien wie Computern, dem Internet, Mobiltelefonen und MP3-Player aufgewachsen sind.“ (wikipedia) Auf die heutigen Kinder und Jugendlichen trifft das daher eindeutig zu.

Digital Native greift zur LP

(Ein Digital Native greift zur LP.)

Wie macht sich der Unterschied zwischen Digital Natives und ihren Eltern bemerkbar?

Wir Älteren kennen noch die Kassette (MC) und saßen früher konzentriert am Recorder, um unsere Lieblingslieder aus dem Radio mitzuschneiden. Wer hat damals nicht regelmäßig geflucht, weil der Moderator einen Song nicht bis zum Schluss abgespielt hat? Dennoch machte es Spaß bis tief in die Nacht Radio zu hören. Jeder von uns arbeitete am eigenen Mix – im Grunde genommen, waren wir alle unsere eigenen DJs. Doch erzählen Sie das mal ihren Kindern. Bitte nicht weinen, wenn diese anfangen zu lachen.

Irgendwann war es dann soweit. Wir besaßen die erste CD, dann das erste Handy. Zwischendrin einen AMIGA oder C64. Und eine Weile später sogar das Internet. Ja, wir haben das alles erlebt: die Neuentdeckungen. Die Revolutionen auf dem Elektronik-Markt. Die erste SMS, MMS – Wahnsinn! Wenn Sie heute ihren Kindern erklären, dass Sie mal einen AMIGA hatten, dann werden Sie gefragt, was man ohne Internet überhaupt damit machen konnte. Bestenfalls. Die meisten kids können sich nämlich gar nichts darunter vorstellen.

Und früher oder später trifft es jeden von uns. Meist während der Fahrt, wenn das Autoradio läuft. Kind: „Das war mein Lieblingslied! Mama (oder Papa), drück auf repeat!“ – Mutter: „Ähm. Geht nicht. Das ist das Radio.“ Kind: „Und?“

Dieses Gespräch gibt es auch in der TV-Variante. Kind: „Ich will jetzt Shaun (the sheep) schauen. Bitte.“ – Mutter: „Das haben wir nicht auf DVD.“ Sie können sich vorstellen, wie das Gespräch weitergeht.

Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen den Generationen in einer bestimmten Situation. Man kauft sich das erste Smartphone und versucht – je nach Erfahrungsschatz – herauszufinden, wie das Ding nun genau funktioniert. Bedienungsanleitung? Vergessen Sie´s! Wer Kinder hat, braucht keine. Drücken Sie das neue Teil Ihrem Kleinkind in die Hand, dann werden Sie sehen, wie die Sache läuft.

Im Internet existieren zahlreiche Bilder und You-Tube-Videos, die den Umgang der kleinen Digital Natives mit neuen bzw. „alten“ Medien zeigen. Da sitzt dann zum Beispiel eine etwa Zweijährige vor der gedruckten Ausgabe eines Frauenmagazins und wischt mit den Fingern darüber, als handele es sich dabei um ein Tablet.

Ein Spagat zwischen den Welten

Wer möchte, dem kann ich ein ganz verrücktes Beispiel aus meinem Alltag nennen. Meine kids sind nämlich besonders arm dran. Nicht nur, dass sie mit den neuen Technologien aufwachsen, nein, ihnen sind auch noch die uralten Dinge aus fremden Zeiten bekannt. Vielleicht sollte ich mich schämen, aber ich stehe dazu: Wir haben noch ein VHS-Gerät zu Hause. Uff, jetzt ist es raus. Tatsache. Ein Kombigerät mit zwei Eingängen – für DVDs und VHS-Kassetten. Was glauben Sie, wie die Freunde meiner Kinder gucken, wenn sie zum ersten Mal bei uns sind? Und, nein, das ist nicht alles. Es geht noch schlimmer. Kids, die zum ersten Mal zu uns zum Spielen kommen, bleiben immer – IMMER – in einer Ecke des Wohnzimmers stehen. Dann höre ich sie bis in die Küche „Was ist das?!“ und „So eine CD habe ich noch nie gesehen!“ rufen. Zweite Offenbarung: Wir haben einen Plattenspieler. Echt jetzt. Kleine LP-Sammlung inklusive. Das sorgt bei Kindern nicht nur für Lacher, sondern in erster Linie für große Augen und sogar Interesse. Großartig. Es macht Spaß, ihnen das alles zu zeigen. Allerdings frage ich mich manchmal, wie das wohl für meine Kinder ist – zwischen dem Alten und dem Neuen.

Das Neue als Gefahr?

Abschließend noch einige Sätze zum Konsumverhalten. Klar ist es schlecht, wenn die kids häufig und lange an Tablet und Co. sitzen und/oder im Internet surfen. Insbesondere die mobilen Geräte (wie auch Nintendo – den meine Kinder nicht haben) betrachte ich kritisch, weil man die Kleinen und Jugendlichen oft stundenlang damit rumsitzen sieht. Sie nehmen es überallhin mit. Sehr schade. Wenn man als Eltern jedoch darauf achtet, dass der Konsum solcher Spiele, die Internetnutzung, etc. einen gewissen Rahmen nicht überschreitet, so ist es bestimmt nicht falsch, wenn die Kinder damit umgehen. Immerhin gehört es zum heutigen Leben dazu und ganz verbieten kann man es ihnen ohnehin nicht. Das würde auch keinen Sinn machen. Entscheidend ist allerdings, was die kids mit den besagten Geräten tun, welche Spiele sie beispielsweise spielen.

Neue Technologien haben meist Vor- und Nachteile und es sollte Teil der Erziehung sein, den jüngeren und nächsten Generationen einen „gesunden“ Umgang damit zu vermitteln. Nur mal nebenbei: Ein Vierjähriger braucht nicht wirklich ein IPhone.

Beispiele für Kindertaugliches im Internet:

  • Ampelinis. Freunde für Sicherheit: Dort lernen Kinder alles über die Gefahren des Alltags. Beispielsweise, dass man Elektrogeräte nicht ins Wasser werfen sollte.
  • Seite mit der Maus
  • JoNaLu
  • CBeebies von BBC (in Englisch)

Nachtrag am 25.02.2013:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s