Das Absurde hat einen Namen: Überqualifikation

Wer kennt das nicht? Tage, die man am liebsten streichen würde – wenn alle Dinge schieflaufen, die in 12 bis 24 Stunden schieflaufen können.

So ging es mir letzten Freitag. Eine schlechte Nachricht jagte die nächste und gerade als ich ausatmen wollte, kam noch eine hinzu: die Antwort auf meine Stellenanfrage. Negativ. Grund: Überqualifikation. Dabei hatte es sich nicht nur um eine einzelne Stelle gehandelt, sondern um einen potenziellen Arbeitgeber mit einer Unmenge an Arbeitsmöglichkeiten – eine Jobquelle also.

Wer nun glaubt, es gäbe Schlimmeres im Leben, dem sei gesagt, dass er recht hat. Schlimmer geht´s immer. Ja, ja. Hier geht es allerdings ums Prinzip. Überqualifikation ist ein Wort, das aus dem Duden gestrichen werden sollte! Allerdings würde das wohl für breite Ratlosigkeit sorgen. Welche Begründung sollten die potenziellen Arbeitgeber denn sonst in ihren Absagen an qualifizierte Frauen mit Kindern nennen?

Es gibt kaum etwas, das einen mehr fordert und besser auf berufliche Herausforderungen vorbereitet als das Mutterdasein. Multitasking (im Highscore-Bereich), Organisation und Improvisation sind nicht die einzigen Fähigkeiten, die man sich in der Mutterrolle aneignet. Permanente Wissenserweiterung (nicht nur in Bezug auf Kinderkrankheiten und Kochrezepte!) gehört zum Alltag einer Mutter dazu. Insbesondere im Bereich der Soft Skills (Sozialen Kompetenzen) haben Mütter viel vorzuweisen.

  • Teamfähigkeit
  • Konfliktmanagement
  • Interkulturelle Kompetenz (Ist spätestens im Kindergarten gefragt.)
  • Zeitmanagement (Jeden Tag immer wieder aufs Neue.)
  • Selbstdisziplin (Wer würde nicht lieber in der Sonne liegen als bügeln?!)
  • Stressbewältigung/Stressmanagement (Purer Selbsterhaltungstrieb)

Ohne die hier aufgeführten Fähigkeiten, würde in Familie und Haushalt nichts funktionieren. Jemand muss das alles managen und das ist nunmal in der Regel die mit schneller Auffassungsgabe gesegnete Mutter. Sie übt einen umfangreichen 24-Stunden-Job aus.

Dennoch ist der Hinweis, Kinder zu haben, im Rahmen einer Bewerbung oder einfachen Jobanfrage mehr als ungünstig. Nur bleibt Frau nichts anderes übrig, wenn sie begründen muss, warum sie nur an einer Teilzeitstelle interessiert ist.

Niemand möchte auf sein Mutterdasein und die Rolle als Familienmanagerin (früher: Hausfrau) reduziert werden. Das klingt stets negativ. Schade! Meiner Meinung nach, ist das ein Zeichen von Ahnungslosigkeit. Denn wer gefestigt im Leben steht, also z.B. über dreißig ist und eine Familie gegründet hat, bietet durchaus Vorteile. Als Mutter weiß man, was man will und ist sich der Bedeutung, Verantwortung sowie Notwendigkeit dessen bewusst. Frau engagiert sich – und möchte dies auch beruflich tun, sobald man sie mal lässt!

Im Karriere-Netzwerk Xing bin ich Mitglied der Gruppe „Akademikerin und trotzdem Mutter“. Wenn die Existenz einer derartigen Gruppe nicht Hinweis genug auf die mangelhafte Situation (nicht nur) in Deutschland ist, was dann? Liest man sich die einzelnen Beiträge durch, so wird schnell klar, dass es immer noch ein heikles Thema ist: Vereinbarung von Familie und Beruf. Wenn man z.B. wie ich nach sieben Jahren reinen Hausfrau-Daseins (die Veröffentlichung meines Buches und einiger Aufsätze betrachte ich als Hobby) nach einer passenden Arbeitsstelle sucht, so kann das zu einem echten Dilemma werden. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die meisten Menschen nicht verstehen, warum man als Akademikerin freiwillig so lange zu Hause geblieben ist. Ich werde in dem Zusammenhang als Exotin bezeichnet.

Kommen wir auf den Begriff Überqualifikation zurück, der sich wohl in erster Linie auf die Hard Skills bezieht. Vermutlich soll das im Rahmen einer Absage, beschwichtigend wirken. Man könnte es beinahe als Kompliment auffassen. Beinahe, aber nicht ganz. Im Gegenteil sogar. Jeder muss doch selbst wissen, wofür er sich hingibt. Wenn man sich nach einer Stelle erkundigt, bedeutet es, dass man der betreffenden Tätigkeit gerne nachgehen und sich mit dieser zufrieden geben würde! Da sollte es keine Rolle spielen, dass man – aufgrund seines Bildungsweges – höhere Ansprüche stellen dürfte. Was man darf, muss man nicht unbedingt wollen. Wenn sich ein Mensch weniger wünscht, als ihm vielleicht zusteht, so ist das seine persönliche Entscheidung!

Ein Coach rät Bewerbern verständlicherweise dazu, stets zu begründen, warum man sich für einen Arbeitsplatz interessiert, der einem weniger bietet, als man vermutlich fordern könnte. Dafür scheinen den Unternehmern die oben genannten Begründungen jedoch nicht zu genügen. Gegen eine Akademikerin und Mutter sprechen – aus der Sicht des potenziellen Arbeitgebers – mindestens zwei Annahmen: 1. Sie könnte als überqualifizierte Arbeitnehmerin bald gelangweilt sein und die Stelle dann wieder wechseln wollen – was das Unternehmen Zeit und Geld kosten würde. 2. Als Mutter würde sie womöglich häufig ausfallen. Allerdings wird dabei regelmäßig vergessen, dass eine Frau, die bereits Kinder hat und nun wieder in den Beruf einsteigen möchte, vollen Einsatz bringen und nicht plötzlich wegen Schwangerschaft ausfallen würde. Vielmehr würde sie die Chance nutzen und zeigen wollen, was sie kann.

Seit Freitag sind einige Tage verstrichen und das goldene Herbstwochenende musste man einfach genießen. Ich bin daher weiterhin positiv eingestellt und davon überzeugt, etwas Passendes für mich zu finden. Bereits als junge Schülerin hatte ich die Erfahrung gemacht, dass man die Dinge selbst in die Hand nehmen muss. Optimistisch und mutig, dann erreicht man etwas. Und: Träume braucht der Mensch. Aber Achtung: Einige davon lassen sich womöglich sogar realisieren!

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4 Gedanken zu “Das Absurde hat einen Namen: Überqualifikation

  1. Danke für den Artikel! Mitten aus dem Leben gegriffen.

    Einen Punkt darf ich bei den Soft skills noch ergänzen:
    Immunität gegenüber Viren und Bakterien

    Eine Mutter darf krankheitsbedingt nämlich nicht ausfallen, das gesamte System bricht ansonsten zusammen 😉

  2. Ach, wie ich das kenne – magna cum laude überqualifiziert fürs hiesige Provinzstädtchen fand ich nur Arbeit in der benachbarten Schweiz. Als das, betriebsbedingt, zuende ging, fing ich das Suchen nach einem neuen Job an. Und suche immer noch. Dass ich drei Kinder habe und alleinerziehend bin hilft nicht wirklich. In besagter Xing-Gruppe bin ich übrigens auch :).

    Lieben Gruss, Christine

    1. Hallo Christine!

      Die Gebundenheit an die Region scheint ein weit verbreitetes Problem zu sein, aber es kann (und will) nunmal nicht jeder nach Berlin…. Dann schon lieber im „Provinzstädtchen“ bleiben, in das andere Leute kommen, um Urlaub zu machen. 😉

      Herzliche Grüße!

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