Mein „Rhein in Flammen“

Am Samstag war es wieder soweit: „Rhein in Flammen“. Scharen von Touristen pilgern jedes Jahr nach Koblenz, um das Feuerwerk zu bestaunen. Diesmal, nach mehreren Jahren, sah auch ich mir das besagte Spektakel aus der Nähe an. Es war fantastisch und – was soll ich sagen – mir kamen die Tränen,  allerdings nicht vor Rührung.

Während am Himmel über der wunderschönen und flammend rot beleuchteten Festung Ehrenbreitstein  ein farbenprächtiges Feuerwerk erschien, drangen diverse Töne und Stimmen an meine Ohren. Irgendwo links von mir waren Lautsprecher angebracht, aus denen ein Walzer erklang, wobei zugleich auf einer Bühne rechts von mir eine kleine Band zunächst Jazz-Stücke und danach einen Tango spielte. Ich konnte nicht anders und fragte mich, welche Wirkung Metallicas Gitarren-Riffs als Begleitmusik wohl auf die Zuschauer hätten.

So stand ich also an einem schönen Plätzchen mit besonders guter Sicht auf die Kunstwerke am Firmament und genoss den Anblick, als plötzlich die Buchhalterin neben mir laut zu überlegen begann, wie viel Geld da wohl gerade verschossen wurde. Kaum, dass sie fertig war, beklagte sich ein Mann, dem die Knallerei als zu leise erschien, bei seiner Frau: „Der Bums ist mir zu schwachbrüstig“. Daraufhin sie: „Wundere dich nicht, wenn du genau den Satz heute Nacht zu hören bekommst“. Ich wischte mir unauffällig die Tränen ab und bereute, keinen Notizblock mitgenommen zu haben.

Das Feuerwerk dauerte etwa 20 Minuten und beinahe genauso lang durfte ich Zeuge einmalig komischer Dialoge sein. Schade, dachte ich, dass man diese Leute nicht als Kommentatoren für die breite Öffentlichkeit engagiert hatte.

Ab und an war es mir schlicht und weg unmöglich, nicht zu lachen – was wiederum dazu führte, dass ein wenig Platz vor mir frei wurde und ich einige Schritte vortreten durfte. Auch eine Möglichkeit, schien sich der Mann einige Meter hinter mir zu denken, da er plötzlich lautstark und beinahe endlos zu husten begann. Was absolut schräg klang, schreckte jedoch niemanden ab. Dem armen Kerl hatte man wohl vergessen zu sagen, dass dies ein veralteter Trick war.

Was dem Feuerwerk folgt, ist nicht minder unvergesslich: Menschenmassen, die durch die Altstadt strömen. Mir kam es wie eine riesige Demonstration vor. Das hätte man doch ausnutzen und Fahnen, Plakate sowie T-Shirts verteilen können! Die größte Demo überhaupt…. So blieb es jedoch ein Menschenfluss. Der Amazonas in Koblenz.

Während ich wie ein Fisch zwischen all den anderen eine Straße überquerte, ging ein kleiner Junge mit seinen Eltern vor mir. Plötzlich blieb er stehen, streckte den rechten Arm aus, zeigte mit dem Finger auf ein neben uns haltendes Fahrzeug, dessen Insassen fiebrig auf ihre Weiterfahrt warteten und schrie: „Ihr werdet heute nicht mehr nach Hause kommen!“

Niemand kann die Dinge dermaßen knallhart auf den Punkt bringen, wie ein Kind. Ich wischte mir die nächste Lachträne aus dem Augenwinkel, um danach mithilfe taktischer Überholungsmanöver schneller vorwärts zu kommen. Hier daher der Tipp: Möglichst schnell nach dem Feuerwerk aufbrechen und in ein Lokal (die besten sind stets in Seitenstrassen) stürmen und Plätze sichern. Unglaublich, wie leer es dort zunächst ist, denn das ändert sich dann schlagartig.

Mein Fazit lautet: „Rhein in Flammen“ ist immer schön – vor allem mit netten Leuten.

Nun sind ein erholsamer Urlaub, der anschließende (fröhliche) Kindergeburtstag-Marathon  sowie das Koblenzer Sommerfest vorbei und mein Notebook hat mich wieder. In der hiesigen Region hat heute die Schule begonnen. Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern einen guten Start ins neue Schuljahr!

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